Los
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Oldenburg 1954 – lebt in Düsseldorf
„Regal (12 Ceramic Sketches)“. 1998/99
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Schätzung:
EUR 200.000
- 300.000
USD 225.000
- 337.000
Auktion 378
Do, 26.11.2026, 18:00 Uhr
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Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen (2004 in der Galerie Tucci Russo Studio per l’Arte Contemporanea, Torre Pellice/Italien, erworben)
Thomas Schütte – Neue Arbeiten. Torre Pellice/Italien, Galerie Tucci Russo Studio per l’Arte Contemporanea, 2004 / YES,YES,YES,YES. Leverkusen, Museum Morsbroich, 2005/06 / Rockers Island. Essen, Museum Folkwang, 2007
Schöpfung in Serie – Thomas Schütte und seine Ceramic Sketches
„Es gibt zu jeder großen Frau auf einem Stahltisch auch eine kleinere Vorlage, die aber im Gegensatz zu den Wachsfiguren der Geister eine Keramik ist“, so Thomas Schütte in einem Interview mit Theodora Vischer 2013. „Sie misst jeweils zwanzig auf dreißig Zentimeter, was dem Format abgepackter Tonklötze entspricht. Ich saß in der Werkstatt von Niels Dietrich und kriegte jede Stunde ein Brettchen mit Ton drauf hingelegt und hatte eine Stunde Zeit, eine Figur daraus zu modellieren.“ Auf die Frage: „Wieso nur eine Stunde?“, antwortet der Künstler: „Das war der Ehrgeiz, ich machte fünf, sechs, sieben Stück am Tag, sonst hätte sich das gar nicht gelohnt. Es war jeweils eine Formsuche. Ich habe also 45 Minuten oder eine Stunde modelliert und dann Pause gemacht mit Kaffee und Zigaretten“ (Ausst.-Kat. Thomas Schütte. Figur, Fondation Beyerle, Riehen, 2013/14, S. 96). Diese schmucklose, um nicht zu sagen nüchterne Auskunft über die Serien-Produktion der Keramiken ist typisch für Thomas Schütte; ihr gegenüber aber stehen in höchst fantasievollem, wunderbarem Kontrast diese ungewöhnlichen „Ceramic Sketches“, eine Werkgruppe von 120 Unikaten, die innerhalb eines Dreivierteljahres entstanden sind.
Die Bedingungen in der Kölner Keramikwerkstatt von Niels Dietrich, die ein effizientes Arbeiten erlauben, und die im feuchten Zustand geschmeidige Materialbeschaffenheit kommen dem Künstler sehr entgegen, der Ton lässt alles mit sich geschehen, sodass man glauben möchte, in den emotionalen Formen und Gesten Stimmungen des Künstlers feststellen zu können. Wir erkennen Frauenfiguren und eine Reihe amorphe und anthropomorphe Wesen, die vom Künstler direkt auf die vorgefertigten und standardisierten Tonplatten geknetet, glasiert und gebrannt wurden und die anders als im übrigen plastischen Werk des Künstlers ohne Titel, ohne allegorische Umschreibung, ohne mythologische Bezüge sind. Eine weitere Besonderheit dieser Keramiken ist die Glasur, die nicht auf den gebrannten Ton aufgetragen wurde, wie eigentlich üblich, sondern auf den nur getrockneten. Dies hat zur Folge, dass auch die Glasur im Brennvorgang mit dem Ton einschrumpft und diese besonders interessante und bewegte Oberfläche entsteht. Diese im weitesten Sinn freie, forschende Arbeit an Form und Material ist zunächst zweckfrei, die Keramiken sind also keine Bozzetti, keine Entwürfe, für die ab Ende der 1990er-Jahre entstehenden großen „Frauen“ aus Bronze, Aluminium und Stahl auf immer gleichgroßen Stahltischen. Gleichwohl wählt Schütte später einzelne dieser Kleinplastiken aus, um voluminöse Figuren herzustellen, bisher sind es 18 Skulpturen, die aus diesen seriellen Studien hervorgegangen sind.
Neben zu erkennenden weiblichen Formen, die Schütte in hockenden, gespreizten oder liegenden Positionen modelliert, finden sich auch abstrakte Formen, die für Assoziationen offen sind. Für die gemeinsame Präsentation sorgt ein großformatiges, schwarz lackiertes Eisenregal als verbindendes Element, in dem die „Ceramic Sketches“ seit ihrer ersten Ausstellung in der Dia Art Foundation 1999/2000 gezeigt wurden. Wichtig scheint hierbei für Schütte, die Zusammengehörigkeit eines autonomen Werkkomplexes zu demonstrieren. Der Künstler selbst hat immer wieder darauf hingewiesen, dass die Arbeit mit den Händen, das Modellieren in Ton, es ihm erlaubt, innerhalb seines Werks „Verschiebungen besser zu verstehen“, die sich auf der ästhetischen, ikonografischen, funktionalen oder technischen Ebene immer wieder beobachten lassen. So ermöglicht uns Schüttes Schaulager mit 12 Keramiken im Eisenregal aus der Serie von 120 „Ceramic Sketches“ einen Blick auf den formalen Reichtum und die Originalität eines Œuvres, dem die Skulptur des 20. und 21. Jahrhundert wesentliche Impulse verdankt. MvL
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