Auktionen Herbst 2018

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Meister der Coburger Rundblätter

1485 – tätig am Oberrhein und in Straßburg – 1500

Die Jungfrau mit dem Kind in einer Landschaft. Ende 15. Jahrhundert

Tuschfeder in Braun auf Bütten. 28,4 × 19,3 cm. (11 ⅛ × 7 ⅝ in.) Unten rechts neben der Vase mit dem Monogramm: AD [Albrecht Dürer]. Werkverzeichnis: Mit einem Gutachten von Nicholas Turner, London, vom 18. Oktober 2014.  [3408]

ProvenienzSir Robert Mond, Paris (Lugt 2813.a)

EUR 20.000 – 30.000
USD 22,700 – 34,100

Verkauft für:
25.000 EUR (inkl. Aufgeld)

Die Jungfrau mit dem Kind in einer Landschaft

Auktion 294Donnerstag, den 25. Oktober 2018, 14.00 Uhr

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Literatur und AbbildungAuktion 105: Galerie Gerda Bassenge, Berlin, 30. Mai 2015, Kat.-Nr. 6270

Namen sind Schall und Rauch. In der Kunst geht es um das Auge und, in diesem Fall, um die Falten.
Doch von vorn: Seit Jahrhunderten rätseln die Fachleute über die Künstlerpersönlichkeit, die hinter etwa 180 Zeichnungen vom Ende des 15. Jahrhunderts steht. Die außergewöhnlichen Draperien der gotischen Stoffe und Gewänder ließen die Kenner zunächst an Martin Schongauer, Matthias Grünewald oder Albrecht Dürer denken – was unserem Blatt auch das nachträglich eingefügte Dürer-Monogramm einbrachte. Mit der „Erfindung“ der professionellen Kunstgeschichte wurde der Blick auf die Werke der Künstler an der Schwelle zur Renaissance differenzierter. Erstmals 1924 wurden wenige Blätter in unterschiedlichen Sammlungen als von gleicher Hand erkannt und als Teile eines Skizzenbuchs eines süddeutschen Künstlers um 1490 verbunden. Darauf aufbauend brachte Ernst Buchner für das Werk den Notnamen „Meister der Coburger Rundblätter“ auf, da sich im Kupferstichkabinett auf der Veste Coburg zwei 1485 datierte Blätter von dieser bewunderten Hand befinden, die zum Leitstern des Œuvres des Unbekannten wurden. Besonders seine kunstvoll-flachen, fast schon kubistischen Draperien standen im Fokus, weswegen 1930 Friedrich Winkler fast hundert Blätter aus den bedeutendsten grafischen Sammlungen der Welt wissenschaftlich zusammenführte und zusätzlich den Namen „Meister der Gewandstudien“ einführte.
Neben dem Wachsen des Werks des Künstlers mit nunmehr doppeltem Namen kristallisierte sich durch diese Forschung heraus, dass der unbekannte Meister Gemälde, Skulpturen und Stiche der Niederlande kopierte und in Verbindung zum Straßburger Glasmaler Peter Hemmel (ca. 1420-nach 1501) stehen dürfte, was die Coburger Blätter als Entwurf runder Kirchenfenster erklärte. Daran anknüpfend versuchte Wilfried Franzen 2002 den Meister mit dem Notnamen mit dem für seinen Passion-Christi-Zyklus für die Straßburger Magdalenenkirche bekannten Maler Heinrich Lützelmann zusammenzubringen, was die Kunstgeschichte weiter beschäftigen wird.
Bis heute also dynamisiert die charismatische Darstellung der Gewandfalten die Kunstgeschichte und fasziniert die Kenner. So auch Bernd Schultz, der das Blatt – eines der ältesten seiner Sammlung – nicht wegen des Künstlernamens gekauft hat, sondern „mit dem Auge“. Denn nur das Auge vermag die künstlerische Handschrift dieses Meisters zu ergründen, welcher die schöne Linie der Gotik mit dem suggestiven Menschenbild der anbrechenden Dürerzeit zu verbinden wusste.



Stefan Körner, Berlin

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