Auktionen Frühjahr 2019

ORANGERIE bauhaus forever!

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Ludwig Hirschfeld-Mack

Frankfurt am Main 1893 – 1965 Sydney

Ohne Titel (Figur in geometrischen Flächen). Um 1923

Tempera auf Leinwand. 85 × 60 cm. (33 ½ × 23 ⅝ in.) [3365]

ProvenienzNachlass Ludwig Hirschfeld-Mack

EUR 25.000 – 35.000
USD 28,100 – 39,300

Ohne Titel (Figur in geometrischen Flächen)

Auktion 305Donnerstag, den 30. Mai 2019, 14.00 Uhr

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AusstellungLudwig Hirschfeld-Mack. Bauhäusler und Visionär. Bozen, Museion - Museum für moderne Kunst; Wien, Jüdisches Museum; Frankfurt am Main, Jüdisches Museum, 2000/01, Kat.-Nr. 64, Abb. S. 71

Ludwig Hirschfeld-Macks Name wird auf immer eng mit der Geschichte des Bauhauses verknüpft sein – er war nicht nur einer der ersten Bauhaus-Schüler überhaupt, er war auch der erste, der in der Grafikdruckerei seinen Gesellenbrief entgegennehmen konnte. Bald bot Hirschfeld-Mack selbst Farbseminare am Bauhaus an, später ging er als Lehrer nach Wickersdorf, erhielt 1930 eine Professur an der Pädagogischen Akademie in Frankfurt an der Oder und wechselte dann nach Kiel, bevor ihn die deutsche Politik ab 1933 zunehmend in Bedrängnis brachte. Nach dem Kulturbruch des 20. Jahrhunderts waren England und schließlich Australien die weiteren Stationen seines Lebens, das genug Stoff für einen ganzen Roman abgeben würde.
Am Bauhaus, dieser außerordentlichen Versammlung von Talenten, zählte der gebürtige Frankfurter Hirschfeld-Mack ohne Frage zu den originellsten Köpfen. Das zeigt auch das großformatige Tempera-Gemälde aus der Zeit um 1923. Auf dem Bild ist der Grad der Abstraktion so weit fortgeschritten, dass man die im Untertitel erwähnte Figur kaum erkennt. Es gibt allerdings ein paar charmante Hinweise auf sie: etwa ein schlankes Glas links oben auf der Leinwand, das einen, hat man es in diesem Puzzle von Farben und geometrischen Formen erst einmal ausgemacht, auch die stilisierte Hand und den Arm sehen lässt, die es halten. Von dort gleitet der Blick hinab zu einer weißen, rundlichen Formation, die man als Spitzenkragen identifizieren könnte, wie er in Flandern und den Niederlanden im 17. Jahrhundert Mode war. So wird man, je länger man sich in das Bild vertieft, mehr und mehr Details der Figur gewahr.
Doch eigentlich ging es Hirschfeld-Mack wohl in erster Linie um etwas ganz anderes mit seinem Bild. Am Bauhaus hatte Kurt Schwerdtfeger um dieselbe Zeit Versuche unternommen, die Hirschfeld-Mack begeistert aufgriff und weiterentwickelte: die Reflektorischen Lichtspiele, die er später „Farbenlichtspiele“ nannte. Für den experimentellen Film als Kunstform waren diese Farbenlichtspiele ein entscheidender Schritt nach vorne. Man wird sich ihre Wirkung aber auch ohne große Mühe durch unser Bild vor Augen führen können. Denn die Farbeffekte auf dem Gemälde sind extraordinär: hochgradig leuchtend, beinahe wie transluzentes Material kommt einem die Leinwand vor. Und das ist sicher auch die Erklärung dafür, weshalb Hirschfeld-Mack hier Temperafarben benutzte: Sie decken nicht so stark und lassen den Untergrund durchscheinen. Das Ergebnis ist ein grandioses „Lichtspiel“ – in diesem Fall eben nur ohne Reflektor. UC

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