Lupe

Herbstauktionen 2020

Kunst des 19. Jahrhunderts

100

Martin Schongauer

Colmar 1445 – 1491 Breisach am Rhein

„St. John on Patmos“ / „Johannes auf Patmos“. Um 1480

Kupferstich auf Bütten (Wasserzeichen: Dreiberg mit Kreuz). 16,2 × 11,5 cm. (6 ⅜ × 4 ½ in.) Werkverzeichnis: Hollstein Vol. XLIX, S. 142, no. 60 / Lehrs 60. Einer von etwa 50 Abzügen, von denen die meisten in Museumsbesitz sind. Selten.  [3269]

ProvenienzPrivatsammlung, Deutschland (laut Einlieferer 1936 erworben bei Hollstein & Puppel, Berlin)

EUR 10.000 – 15.000
USD 11,800 – 17,600

Verkauft für:
25.000 EUR (inkl. Aufgeld)

„St. John on Patmos“ / „Johannes auf Patmos“

Auktion 322Mittwoch, den 2. Dezember 2020, 15.00 Uhr

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Über Martin Schongauers Leben ist kaum etwas bekannt. Seine Wanderjahre führten ihn in die Niederlande und nach Burgund, und die Kunst, die ihm dort begegnete, fand in seinem eigenen Schaffen ihren Niederschlag. Den neuen Blick auf die Wirklichkeit, den etwa Jan van Eyck und Rogier van der Weyden in ihren Gemälden zeigten, machte auch Schongauer sich zu eigen, indem er die biblischen Historien in deskriptiver Weise von düsterer Glaubensschwere entlastete. So auch sein Johannes auf Patmos, der die Marienerscheinung in gewisser Gleichmut zu beobachten scheint, weder sonderlich erstaunt noch gar ergriffen. Auch wenn es wohl theologische Kontroversen um die Person des Verfassers der Offenbarung gibt, ist der Johannes auf Patmos meistens, wie auch hier, durch den Adler als einer der vier Evangelisten gekennzeichnet. Verwandt in der Anlage von Figur und Umraum ist Hieronymus Boschs Gemälde desselben Themas, das in der Berliner Gemäldegalerie zu sehen ist.
Schongauer hat in großem und berechtigtem künstlerischen Selbstbewusstsein alle seine bekannten Kupferstiche mit seinem Monogramm gekennzeichnet, um keinen Zweifel an seiner Urheberschaft aufkommen zu lassen. In puncto technischer Brillanz und kompositorischer Eleganz hat er den Weg für seinen ihn bewundernden Nachfolger Albrecht Dürer bereitet. MS

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