Lupe

Herbstauktionen 2020

Kunst des 19. Jahrhunderts

136a

Louis Gurlitt

Altona 1812 – 1897 Naundorf/Sachsen

Albaner Berge. Um 1845

Öl auf Leinwand. Doubliert. 27,8 × 46,5 cm . (11 × 18 ¼ in. ) Unten links bezeichnet: Ricordo. 18 Ottobre 1851 Roma. Rückseitig mit Feder in Braun beschriftet: Diese Skizze malte Arnold Boecklin am 18 October 1851 in Frascati bei Rom. Studie zu Louis Gurlitts Gemälde „Albaner Berge“ (1850) in der Nationalgalerie, Berlin. Kleine Retuschen.  [3011] Gerahmt 

ProvenienzEhemals Wolfgang Gurlitt, Berlin/München (in der Familie Gurlitt als ein Werk und Geschenk Böcklins, bis mindestens 1962)

EUR 6.000 – 8.000
USD 7,060 – 9,410

Verkauft für:
7.500 EUR (inkl. Aufgeld)

Albaner Berge

Auktion 322Mittwoch, den 2. Dezember 2020, 15.00 Uhr

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Wir danken Dr. h.c. Hans Holenweg, Muttenz, und Dr. Angelika Wesenberg, Berlin, für freundliche Hinweise zur Zuschreibung und Datierung

Im Winter 1924/25 kam in Chicago ein Konvolut von 31 Landschaftsstudien in den Handel. Die Folge wurde alsbald Arnold Böcklin zugeschrieben, im April in Zürich ausgestellt, dann von der Kunsthandlung Hugo Perls in Berlin übernommen. Fast alle der Studien sollten um 1851 in Italien entstanden sein. Im Sommer 1925 zeigte die Nationalgalerie den spektakulären Fund. Mit Sondermitteln konnten drei der Arbeiten teuer erworben werden. Aber es gab auch Zweifel an Böcklins Autorschaft und öffentlich ausgetragene Fehden, immerhin ging es um viel Geld. Im Zusammenhang dieses späten Hypes um Böcklin könnten die fälschlichen Angaben auf Vorder- und Rückseite der vorliegenden Studie angebracht worden sein. Heute gilt keines der Werke mehr als von Böcklins Hand.
Eindeutig dagegen handelt es sich bei der vorliegenden Studie um ein herausragendes Werk von Louis Gurlitt: 1843 reiste der Künstler erstmals nach Italien. Während der Sommerwochen im Albaner Gebirge 1844 und 1845 entstanden wunderbare Landschaftsstudien, die ihm noch Jahre später in Deutschland als Anregung zu Gemälden dienten. Während des anschließenden Aufenthaltes in Berlin entwickelte Gurlitt im Gespräch mit Alexander von Humboldt und ermutigt von König Friedrich Wilhelm IV. den Plan zu einem Zyklus großformatiger europäischer Landschaftsbilder.
Als Vorlage für eines der beiden ersten, 1848 vollendeten Bilder verwendete Gurlitt die vorliegende Studie mit der mächtigen Gruppe aus Zypressen und Pinien. Die Revolution vereitelte den Plan, Gurlitt verließ Berlin. Das riesige Bild, nach Ansicht des Sohnes Ludwig „das schönste, was ich von meinem Vater kenne“, gelangte in Hamburger Privatbesitz. (Abb. in: Ludwig Gurlitt, „Louis Gurlitt“, Berlin 1912, S. 177). Eine kleinere Variante, datiert 1850, erwarb Konsul Wagener aus der Berliner Akademieausstellung. Sie gelangte mit dessen Sammlung später in die Nationalgalerie. In beiden Fällen ist die linke Baumgruppe genau übernommen, der Rest ist frei variiert. Der beiden Bildern zugrunde liegende Entwurf mit der weiten, dunstigen Abendlandschaft in feinst abgestuften roten, blauen und gelben Tönen hinter dem breiten Streifen aus grünem Laubwerk, der sich zu der besagten Baumgruppe am linken Rand emporschwingt, gehört zweifellos zu den schönsten Studien Gurlitts. Wir sehen über flaches Land bis zu der fernen Bergkette, die bei allen drei Werken aus einem etwas anderen Blickwinkel gegeben ist. Der in der Grundierung belassene Vordergrund lenkt den Blick auf das Eigentliche, die unendliche Ferne unter einem hohen Himmel. Die wohl nach Zeichnungen später im Atelier mit Sorgfalt ausgeführte Studie verblieb in der Familie. Sie ging in den Besitz des Enkels Wolfgang Gurlitt über, der die Berliner Kunsthandlung seines Vaters Fritz Gurlitt, der einst zu Böcklins spätem, großem Ruhm beitrug, weiterführte - was den fälschlichen Bezug auf Böcklin zusätzlich erklären mag.

Dr. Angelika Wesenberg

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