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Ausgewählte Werke

21R

Anselm Reyle

Tübingen 1970 – lebt in Berlin

Streifengemälde. 2007

Acryl auf Leinwand, im Künstlerrahmen. 242 × 191,5 cm (273 × 222 × 15 cm). (95 ¼ × 75 ⅜ in. (107 ½ × 87 ⅜ × 5 ⅞ in.)) Rückseitig mit Filzstift in Schwarz signiert und datiert: Anselm Reyle 2007. Auf dem Keilrahmen mit einem Stempel der Galerie Contemporary Fine Arts, Berlin.  [3294] Gerahmt 

ProvenienzEhemals Galerie Contemporary Fine Arts, Berlin

EUR 50.000 – 70.000
USD 58,100 – 81,400

Streifengemälde

Auktion 336Donnerstag, den 2. Dezember 2021, 18.00 Uhr

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Wir danken dem Atelier Anselm Reyle für freundliche Hinweise.

Anselm Reyle sitzt nicht gern vor der Leinwand. Er lässt lieber malen. Die gesamte Werkserie der Streifenbilder aus den Jahren 2003 bis 2013 wurde von ihm komponiert, die Ausführung aber seinen Angestellten überlassen. Für einen Künstler, der jeden persönlichen Gestus ablehnt, ist das die perfekte Lösung. „Es geht mir um Neutralität, Kälte und Distanz“, sagt Reyle, und das Streifenbild aus dem Jahr 2007 genügt diesen Anforderungen vollauf.
Das Bild vermittelt keine Botschaft. Es steht für sich und fasziniert durch seine farbkompositorische Spannung. Die Komplementärfarben Rot und Grün sind durch einen breiten schwarzen und einen schmalen lila Streifen voneinander getrennt, wodurch sich ihr starker Kontrast abschwächt. Deckt man den grünen Streifen am rechten Bildrand zu, verliert das Bild vollkommen an Kraft. Unser Gehirn sucht den komplementären Ausgleich. Was eigentlich in unserem Kopf passiert, wenn wir ein Bild anschauen, und warum jemandem eine Farbe gefällt, haben die Neurowissenschaftler noch nicht herausgefunden. Wir wissen nur, dass sich die Empfänglichkeit für Farben durch die zunehmende Digitalisierung verändert hat, und Reyle probiert aus, wie weit er gehen kann. Sehr weit, wie ein Blick auf seine Website zeigt.
Es heißt, der 1970 in Tübingen geborene Künstler habe in zehn Jahren zehnmal die Schule gewechselt, bevor er an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart und in Karlsruhe studierte und 1997 nach Berlin kam, Bezirk Neukölln, wo er zusammen mit John Bock und anderen Künstlern ein Atelier gründete. Irgendwann kam er auf die Idee, Silberfolie auf Leinwänden zu drapieren, und begann eine kometenhafte Karriere.
Für seine Reliefs, Skulpturen und Installationen benutzte Reyle Zivilisationsmüll, wie Elektroschrott und LED-Leuchten, teilweise mit glänzendem Lack überzogen. Er mag Neonfarben, schräge Farbkombinationen, glänzende Folien. Mit schwäbischem Ordnungssinn baute er in Berlin einen Produktionsapparat auf, in dem er zeitweise bis zu fünfzig Angestellte beschäftigte. 2013 ging er für zwei Jahre in Kreativpause und verkleinerte sein Team.
Er hatte großen Erfolg mit seinen Knitterfolienbildern hinter Plexiglas (siehe Auktion 338, Zeitgenössische Kunst, Los 719), aber der große internationale Durchbruch kam mit den Streifenbildern. Die Kunstgeschichte hat uns eine lange Reihe von Streifenbildern hinterlassen, von Barnett Newman (1905–1970) über Frank Stella (*1936) bis zu Daniel Buren (1938). Aus diesem Fundus schöpft Reyle. Er aktualisiert die Hinterlassenschaft der abstrakten Kunst des vergangenen Jahrhunderts durch drastische Farbzusammenstellungen, kühne Kombinationen und verwischt die Grenzen von Malerei und Skulptur. Das angebotene Streifenbild aus dem Jahr 2007 gewinnt durch den bearbeiteten Stahlrahmen noch mehr an spektakulärer Präsenz.
Reyle findet, dass man sich ruhig ein Bild danach aussuchen sollte, ob es über das heimische Sofa passt. Warum eigentlich nicht. Und wenn man sich da vielleicht getäuscht hat, kann man ja immer noch ein neues Sofa kaufen.
Ute Diehl

• Mit den Streifenbildern gelang Reyle der internationale Durchbruch
• Verbindung von Kunst und Konsumkultur
• Schöpft aus dem Fundus der Kunst von Barnett Newman, Frank Stella und Daniel Buren

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