Lupe Stift

Sommerauktionen 2020

Von Dürer bis Balkenhol – Ausgewählte Werke

21N

Henri Rousseau

Laval 1844 – 1910 Paris

Paysage avec des pêcheurs.
Öl auf Leinwand, alt auf Karton aufgezogen. 24,5 × 15,8 cm. (9 ⅝ × 6 ¼ in.) Unten rechts signiert: H. Rousseau. Rückseitig ein Etikett der Modernen Galerie Heinrich Thannhauser, München. Werkverzeichnis: Mit einem Gutachten (in Kopie) von Yann Le Pichon, Sèvres, vom 22. Oktober 2006. Das Gemälde wird aufgenommen in das Werkverzeichnis Henri Rousseaus von Yann Le Pichon, Sèvres (in Vorbereitung).  [3077]

ProvenienzModerne Galerie Heinrich Thannhauser, München / Privatsammlung (bis 2006) / Privatsammlung, Russland

EUR 70.000 – 90.000
USD 75,300 – 96,800

Verkauft für:
112.500 EUR (inkl. Aufgeld)

Paysage avec des pêcheurs

Auktion 319Donnerstag, den 9. Juli 2020, 18.00 Uhr

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Es gibt Bilder, die Geschichten erzählen, die den Betrachter entführen – in eine ganz eigene Welt. Henri Rousseau zählt zweifelsohne zu den grandiosesten Geschichtenerzählern seiner Zeit. Wie einem Traum entsprungen, öffnet sich in seinen Werken das Tor in eine uns bekannte, aber zugleich surreal und seltsam anmutende Realität.
Das kleinformatige, zarte Gemälde „Paysage avec des pêcheurs“ des französischen Malers, der sich erst im fortgeschrittenen Alter von 40 Jahren der Kunst widmete, wirkt auf den ersten Blick einfach. Der deutlich erkennbare Aufbau der Bildebenen lässt Vorder- und Hintergrund voneinander abgrenzen. Durch eine üppig bewachsene, farbintensive Baumlandschaft, die teilweise in einen nahezu gleichfarbigen Fluss übergeht, zeichnet sich der Hintergrund aus. Auf dem grünlichen Gewässer sticht ein weißes Ruderboot hervor, auf dem sich vier Fischer – erkennbar an ihren breitkrempigen Anglerhüten – befinden. Deutlich vom Hintergrund hebt sich ein seitlich mit Gras bewachsener Pfad ab, der zu einem am rechten Bildrand befindlichen, sich über die gesamte Bildfläche hinaus erstreckenden Baum führt. Vor dem spärlich bewachsenen Baum, der an jedem seiner feinen Äste nur wenige Blätter trägt, die sich vor dem bewölkten Himmel farblich deutlich abheben, steht eine weitere Person – ein Fischer mit weißem, breitkrempigem Hut. Das Gesicht verschwindet im Schatten des Hutes und bleibt unerkannt, wie in einem Traum. Die Hände in den Hosentaschen, frontal dem Betrachter zugewandt, den Blick aus dem Gemälde hinausgerichtet steht er da, der Fischer, bereit, uns seine Geschichte zu erzählen. So scheint es zumindest.
Es sind das auf den ersten Blick „naiv“ Wirkende und die „einfache“ Bildsprache – die frontale Ansicht und die verschobenen Perspektiven, die mit jeder herkömmlichen Regel des Realismus zu brechen scheinen –, die die Werke von Henri Rousseau so besonders und „magisch realistisch“ machen, um eine Formulierung André Bretons zu wählen. Auf unbekümmerte und poetische Art und Weise stellt „Le Douanier“ (der Zöllner), wie man Rousseau wegen seines eigentlichen Berufes zeit seines Lebens nannte, seiner Fantasie entsprungene Traumlandschaften dar und nimmt somit das ästhetische und geistige Konzept der wenige Jahre nach seinem Tod folgenden Surrealisten vorweg.
SSB

* Gemälde von Henri Rousseau sind auf dem deutschen Kunstmarkt überaus selten
* Die naive Malerei Rousseaus wurde von den modernen Künstlern um Pablo Picasso sehr geschätzt
* Reizvolles Traumbild voller Magie

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