Lupe

Herbstauktionen 2020

Von Beuys bis Liebermann – Ausgewählte Werke

33N

Antoni Clavé

Barcelona 1913 – 2005 Saint Tropez

„Le roi à la rose“. Um 1958

Öl und Collage auf Leinwand. 131 × 144 cm. (51 ⅝ × 56 ¾ in.) Unten rechts signiert: Clavé. Rückseitig mit einem Etikett der Galerie Drouant-David, Paris. Werkverzeichnis: Nicht bei Seghers. Mit einem Zertifikat der Archives Antoni Clavé, Paris, vom 22. Mai 2019. Das Werk ist registriert in den Archives Antoni Clavé, Paris, unter der Nummer 58HT59.  [3496] Gerahmt 

ProvenienzPrivatsammlung, Schweiz

EUR 90.000 – 120.000
USD 105,900 – 141,000

„Le roi à la rose“

Auktion 324Donnerstag, den 3. Dezember 2020, 18.00 Uhr

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Verwittert ist dieser König aus mythischer Zeit zu uns herübergekommen. Erst nach und nach verfestigt sich seine Figur vor den Augen des Betrachters. Den übergroßen Kopf hat Clavé streng im Profil gemalt und mit einem Lineament in Weiß versehen. Fast scheint es, als blickten wir auf Sehnen und Knochen. Die Krone und das um den Kopf geschlungene Tuch sind mit edlen Steinen besetzt, im Zepter manifestiert sich seine königliche Macht. Das Gewand (oder ist es eine Rüstung?) ist fragmentiert wie ein Prisma. Dennoch wirkt dieser König hoheitsvoll, beinahe entrückt. Und mit welch zärtlicher Geste erhebt er den Arm mit der einen, der rot-blauen Blume! Wem gilt das Geschenk? Seiner Königin? Man kann es nicht genau sagen. Das Gebilde ihm gegenüber, rot hinterfangen, bleibt das malerische Geheimnis Clavés.
Antoni Clavé, geboren 1913 in Barcelona, war Autodidakt. Er entwarf zunächst Bühnenbilder und Plakate. Während der Franco-Diktatur emigrierte er nach Frankreich. Hier übten vor allem Pablo Picasso und Georges Rouault großen Einfluss auf ihn aus. 1945 taucht das Motiv des Königs erstmals in Illustrationen Clavés auf, die er für eine Ausgabe von Prosper Mérimées „Carmen“ schuf. Sie ähneln den Königen auf spanischen Spielkarten. Unser Gemälde „Le roi et la fleur“ entstand 1958 und zeigt den Maler auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Könige und Krieger sind in dieser Zeit für ihn die bestimmenden Themen. Clavé spielt mit der Tradition des Herrscherporträts, nutzt seine Pathosformeln – und verweist damit zweifellos auf die politischen Verwerfungen in seiner Heimat und in Europa.
Aber „Le roi et la fleur“ ist auch ein hinreißendes Stück Malerei: In seiner Farbigkeit auf den Dreiklang von Grau, Rot und Blau konzentriert, stechen die wenigen Stellen in Grün oder Gelb im unteren Drittel der Komposition umso mehr hervor. Es gibt auf diesem Bild zart durchscheinende Partien, Farbverläufe, Übermalungen und kubistisch zergliederte Flächen mit einer reichen Binnenstruktur. So erscheint es fast wie eine Collage, eine Technik, die Clavé in den folgenden Jahren immer häufiger anwenden sollte. Die ihm dafür gebührende Anerkennung blieb dem Künstler nicht verwehrt. 1959, ein Jahr nachdem er „Le roi et la fleur“ malte, wurde Clavé von Arnold Bode nach Kassel zur documenta II eingeladen. OH

* Antoni Clavé zählt neben Antoni Tàpies zu den bekanntesten zeitgenössischen Malern Spaniens
* Modernes Spiel mit der Tradition des klassischen Herrscherporträts

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