Lupe Stift

Sommerauktionen 2020

Von Dürer bis Balkenhol – Ausgewählte Werke

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Günther Uecker

Wendorf/Mecklenburg 1930 – lebt in Düsseldorf

„Bewegtes Feld“. 1971

Nägel und weißer Kunstharz auf Leinwand auf Holz. 60 × 60 × 11 cm. (23 ⅝ × 23 ⅝ × 4 ⅜ in.) Rückseitig mit Bleistift betitelt, signiert, datiert und mit Richtungspfeil bezeichnet: Bewegtes Feld Uecker 71. Werkverzeichnis: Nicht bei Haedecke.  [3391]

ProvenienzPrivatsammlung, Süddeutschland

Addendum/ErratumDas Werk ist im Uecker Archiv unter der Nummer GU.71.108 registriert und wird vorgemerkt für die Aufnahme in das entstehende Werkverzeichnis

EUR 200.000 – 300.000
USD 215,000 – 323,000

Verkauft für:
525.000 EUR (inkl. Aufgeld)

„Bewegtes Feld“

Auktion 319Donnerstag, den 9. Juli 2020, 18.00 Uhr

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Günther Uecker vorzustellen erübrigt sich, denn dazu hat der 1930 geboren Künstler schon zu viele Nägel in die jüngere Kunstgeschichte eingeschlagen. „Bewegtes Feld“ (1971) führt uns paradigmatisch vor Augen, welche expressiven und zugleich poetischen Werke Uecker mit diesem spröden Alltagsmaterial seit 1957 geschaffen hat. Für unser Werk nagelte Uecker nicht wie ein Berserker, sondern entfacht – trotz des sich wiederholenden, holzberstenden Akts des Einschlagens – mit den Nägeln eine Poesie auf- und abschwellender Bewegungen. Die Ausrichtung der Nägel erzeugt ein changierendes Spiel von Licht und Schatten, eine kunstvolle Welt aus Struktur, Ruhe und Bewegung: Je nach Lichteinfall verdichten und durchdringen sich die Nägel mit ihren Schatten. Sie scheinen sich wie Halme im Wind auf der Leinwand zu neigen. Neben Wetterkarten und Starenschwärmen fällt es uns nicht schwer, sich die vom Wind durchwehten Wiesen oder Getreidefelder auf der Ostseehalbinsel Wustrow vorzustellen, auf der der Künstler aufgewachsen ist.
Die materielle Gestalt der weiß bemalten Nägel zeichnet sich vor allem durch das Licht ab, das mit seinen bewegten Schattenwürfen gleichsam selbst zu zeichnen beginnt. Hier – zwischen den Polen Material und Entmaterialisierung – eröffnet sich ein zentrales Spannungsfeld im bildnerischen Schaffen des Künstlers. „Wenn die Nägel in verschiedene Richtungen gestellt sind, besitzen sie auch einen anderen formalen Charakter. Zeit formuliert sich schräg anders als vertikal, auch im Verhältnis zum Lichteinfall, und das Licht hat andere Schattenlängen, je nachdem, ob Winter, Herbst, Sommer oder Frühjahr ist“ (Günther Uecker, in: Die in der Gegenwart hysterisch vollzogene Zeremonie des Abschieds. Ein Gespräch von Heinz-Norbert Jocks, Kunstforum International, Köln 2000, Bd. 150, S. 277).
Die physische Erscheinung des Nagels, die Materialität des Eisens scheinen sich im weißen Licht und dessen Schatten aufzulösen. Uecker zieht sich selbst als Subjekt zurück, zielt auf die Materialität des Immateriellen, um mithilfe des Lichts Naturerfahrungen zu artikulieren. Unser „Bewegtes Feld“ macht die Energien sichtbar, die es formten. Es ist eine Entäußerung von kosmischen Kräften und Naturenergien – ein Werk des Lichts und des Windes.
CG

* Prägnantes Werk aus einer wichtigen Schaffensphase des berühmten ZERO-Künstlers
* Die Ausrichtung der Nägel evoziert ein dynamisches Spiel aus Licht und Schatten
* Lebendiger Gegensatz von luftiger Wirkung und hartem Material

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