Lupe Stift

Sommerauktionen 2020

Von Dürer bis Balkenhol – Ausgewählte Werke

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Oskar Schlemmer

Stuttgart 1888 – 1943 Baden-Baden

„Drahtfigur Homo mit Rückenfigur auf der Hand“. 1930/31/1968

Stahldraht und Nickelelemente auf weiß gespritzter und grau schattierter Leinwand über Holz. Rückenfigur in gespritztem Zinkguss, verkupfert und vernickelt. Figur: 292,5 × 234 cm / Platte: 309,5 × 257 cm × 3,2 cm. (115 ⅛ × 92 ⅛ in. / Platte: 121 ⅞ × 101 ⅛ in. × 1 ¼ in.) Auf dem Stahldraht im Leistenbereich gestempelt: O. SCHLEMMER. HOMO. 2/10. Werkverzeichnis: Maur P 25a. Eines von 10 nummerierten Exemplaren der 1968 ff. erstellten Edition nach dem linken Teil der dreiteiligen Drahtgestaltung im Haus Dr. Rabe, Zwenkau. Weitere Exemplare befinden sich u.a. in der Städtischen Kunsthalle Nürnberg, der Städtischen Kunsthalle Bielefeld und der University of Houston, Donation of the Cecil Blaffer Hudson Foundation. Eine Drahtverbindung punktuell gelöst, Bildfläche mit kleinen Erhaltungsmängeln.  [3478] Gerahmt 

ProvenienzPrivatsammlung, Palm Beach / Privatsammlung, Sachsen

EUR 150.000 – 200.000
USD 161,000 – 215,000

Verkauft für:
187.500 EUR (inkl. Aufgeld)

„Drahtfigur Homo mit Rückenfigur auf der Hand“

Auktion 319Donnerstag, den 9. Juli 2020, 18.00 Uhr

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AusstellungOskar Schlemmer. Das Bauhaus und der Weg in die Moderne. Gotha, Stiftung Schloss Friedenstein, 2019, Kat.-Nr. 64, Abb. S. 18 / Oskar Schlemmer – Komposition und Experiment: Das Wuppertaler Maltechnikum.
Wuppertal, Von der Heydt Museum, 2019/20, Abb. S. 53

Der Bauhaus-Lehrer Oskar Schlemmer war einer der bedeutendsten deutschen Künstler des 20. Jahrhunderts, ein Wegbereiter der Abstraktion von internationalem Rang, der neben seiner Tätigkeit als Maler und Bildhauer auch als Bühnenbildner die Kunst seiner Zeit revolutionierte. Nachdem er in den Jahren zuvor bereits mit der Vereinfachung malerischer Ausdrucksformen experimentiert hatte, gelang ihm 1916 in dem Bild „Homo“ einer ihrem Geschlecht nach nicht näher bestimmte Gestalt im Profil, ein Urmodell der menschlichen Figur, das er in seinem Schaffen danach immer wieder aufgriff – so auch 1930 bei der Wandgestaltung im Hause des Zwenkauer Kunstsammlers Dr. Rabe. „Das Elementare im Figürlichen ist der Typus, seine Schaffung die letzte, höchste Aufgabe“, hatte der Künstler 1923 in seinem Tagebuch notiert. Dabei kam es ihm besonders auf das Verhältnis von Linie und Tektonik an. Schlemmer betrachtete den Menschen als „Maß und Mitte“ und verband damit die Verpflichtung zu Synthese und Harmonie in allen Bereichen des Lebens. In seinem Werk verkörpert deshalb die wie mit einer Wasserwaage austarierte Figur „Homo“ wahrscheinlich am deutlichsten des Künstlers Suche nach allgemeinem, allumfassendem Gleichgewicht.
1930 war ein zentrales Jahr für Schlemmer. Kurz zuvor hatte er das Bauhaus verlassen und war an die Staatliche Akademie nach Breslau gewechselt. Ein großes Projekt, die Gestaltung des Brunnenraumes im Essener Folkwang-Museum, stand vor der Vollendung. Im Haus Rabe schuf Schlemmer ein dreiteiliges Wandrelief aus Draht, nach dessen Vorbild der Kunstschlosser Anton Steinlechner aus Fellbach in der Nähe von Schlemmers Geburtsstadt Stuttgart 1968 diese Version des „Homo“ für die vorliegende Edition anfertigte. Das Modell für die kleine Rückenfigur steuerte Professor Siegfried Cremer bei.
UC

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