Lupe Stift

Sommerauktionen 2020

Von Dürer bis Balkenhol – Ausgewählte Werke

47

Max Radler

Breslau 1904 – 1971 München

Mann am Radio. 1929

Aquarell über Bleistift auf Papier auf Pappe. 61,7 × 47,5 cm. (24 ¼ × 18 ¾ in.) Unten links mit Bleistift signiert und datiert: M. Radler 29. Oben rechts mit Bleistift bezeichnet: Studie zum Ölbild Mann am Radio. Unten rechts der Stempel in Schwarz: Max Radler. Gebräunt.  [3568] Gerahmt 

ProvenienzPrivatsammlung, Hessen / Privatsammlung, Berlin

EUR 40.000 – 60.000
USD 43,000 – 64,500

Verkauft für:
62.500 EUR (inkl. Aufgeld)

Mann am Radio

Auktion 319Donnerstag, den 9. Juli 2020, 18.00 Uhr

Los empfehlenLos notieren

Bei unserem Aquarell handelt es sich um die Studie zu dem ein Jahr später entstandenen Gemälde „Der Radiohörer“ (auch: „Mann am Radio“, Öl auf Leinwand, 63 x 49 cm), das sich in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus in München befindet.

Film: Dr. Markus Krause zu Werken der Neuen Sachlichkeit

Die demokratische Verfassung der Weimarer Republik begünstigte die Herausbildung einer Massenkultur, die sich erheblich von der überwundenen Monarchie mit ihren Standesbeschränkungen unterschied. Am 12. November 1918 wurde das Frauenwahlrecht eingeführt. Die nun vermehrt in die Büros strömenden Arbeitnehmerinnen verbreiterten die Basis der sich entwickelnden Angestelltenkultur. Mit der Demokratisierung wuchs das Angebot verfügbarer Medien für alle Bürger enorm an. Während heute in der Bundesrepublik etwa 500 Zeitungen erscheinen, waren es um 1930 über 4500.
Das Radio wurde sofort Teil dieser Medienexpansion. Ab dem 29. Oktober 1923, als aus dem Berliner Vox-Haus die erste Unterhaltungssendung ausgestrahlt wurde, stieß die neue Technik auf leb- und dauerhaftes Interesse.
Der Maler Max Radler, der in München lebte und wirkte, hat mit dem „Mann am Radio“ ein unverwechselbares Zeitbild für den so erfolgreichen Rundfunk geschaffen. Der mit Kopfhörern aufmerksam der Sendung folgende Mann wird durch die Umgebung seines Zimmers, in der sich durchs Fenster ein Schornstein erkennen lässt, als Arbeiter charakterisiert. Damit zeigt der Künstler die weite Verbreitung des Radios und seine Bedeutung für alle Zeitgenossen, die sich über das neue Massenmedium informieren, bilden und unterhalten lassen konnten.
Radler wählt bewusst eine gekippte Perspektive, die den Radioapparat in seiner Komplexität gut zur Geltung bringt und das nachhaltige Interesse betont, dass im Zuge der Versachlichung der 1920er-Jahre der Technik allgemein entgegengebracht wurde. Das Aquarell ist eine sehr genaue Studie zu dem Gemälde „Der Radiohörer“ (auch: „Mann am Radio“, Öl auf Leinwand, 63 x 49 cm), das eine der Attraktionen des Lenbachhauses in München ist.
MS

Irrtum vorbehalten - wir verweisen auf unsere Versteigerungsbedingungen.