Lupe

Herbstauktionen 2020

Von Beuys bis Liebermann – Ausgewählte Werke

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Alexej von Jawlensky

Torschok 1864 – 1941 Wiesbaden

„Kleines Haus vor Buschwerk“. Um 1907

Öl auf Karton, auf Pappe aufgezogen. 49,7 × 52,9 cm. (19 ⅝ × 20 ⅞ in.) Rückseitig vom Sohn Andreas Jawlensky bestätigt. Werkverzeichnis: Jawlensky 169.  [3457] Gerahmt 

ProvenienzGalerie Beyeler, Basel (mind. 1957–1959) / Galerie Gunzenhauser, München / Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen (wohl 1974 bei Gunzenhauser erworben, seitdem in Familienbesitz)

EUR 180.000 – 240.000
USD 212,000 – 282,000

„Kleines Haus vor Buschwerk“

Auktion 324Donnerstag, den 3. Dezember 2020, 18.00 Uhr

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AusstellungAlexej von Jawlensky, 1864–1941. Basel, Galerie Beyeler, 1957, Kat.-Nr. 14 / Alexej von Jawlensky, 1864–1941. Bern, Kunsthalle, und Saarbrücken, Saarlandmuseum, 1957, Kat.-Nr. 7 / Alexej von Jawlensky, 1864–1941. Hamburg, Kunstverein, 1957, Kat.-Nr. 6 / Alexej von Jawlensky, 1864–1941. Stuttgart, Württembergischer Kunstverein, und Mannheim, Städtische Kunsthalle, 1958, Kat.-Nr. 8 / Les Fauves. Basel, Galerie Beyeler, 1959, Kat.-Nr. 29

Literatur und AbbildungClemens Weiler: Alexej Jawlensky. Köln, Verlag M. DuMont Schauberg, 1959, Kat.-Nr. 518, m. Abb

Orange, rot, violett, türkis und grün leuchten die Farben auf diesem Bild, es ist ein Flirren im Licht, das die Gegenstände aufzulösen scheint und feste Materie zum Schwingen bringt. Alexej von Jawlenksy, der Urheber dieses kleinen Meisterwerks, war 1896 nach München übergesiedelt. Die Stadt entwickelte sich gerade zu einem Zentrum des Jugendstils, doch was Jawlensky noch mehr interessierte, geschah weiter westlich, in Paris.
1903 lernte der Maler dort die Werke van Goghs und Cézannes kennen. Zwei Jahre darauf verbrachte er den Sommer mit Marianne von Werefkin in der Bretagne. In seinen Lebenserinnerungen heißt es dazu: „Zum ersten mal habe ich damals verstanden zu malen, nicht das, was ich sehe, aber das, was ich fühle“ (zit. nach: Museum am Ostwall Dortmund (Hg.): Alexej von Jawlensky, Reisen, Freunde, Wandlungen. 1998, S. 42).
Im selben Jahr, 1905, besuchte er den Salon d’Automne, wo zum ersten Mal Werke der Fauves ausgestellt wurden, darunter Henri Matisse und André Derain. Jawlensky war be-geistert und sah sich bestätigt: Von nun an hatte sich die Malerei für ihn endgültig vom Objekt gelöst. Die Farbe war durch ihre gesteigerte Intensität nicht mehr Ausdruck der alltäglichen Realität, sondern von Emotionen und Atmosphären.
Das Gemälde „Kleines Haus vor Buschwerk“ ist ganz erfüllt vom Flair des Südens. Selbst wenn wir nicht wüssten, dass der Maler 1907 dann auch die Côte d‘Azur besuchte, wir würden dieses Haus nicht anderswo vermuten als am Mittelmeer. Alles ist voller Wärme, bewegt, lebendig geworden durch kurze, parallel gesetzte Pinselstriche. Es ist die Macht der Farben, mit der Jawlensky die Betrachter hier fesselt. OH

* Prägnantes Beispiel für Jawlenskys frühe post-impressionistische Phase
* Ein Bild mit starker Farbwirkung auf dem Weg in die Abstraktion
* Die Darstellung löst sich von der Realität und wird Ausdruck von Empfindung und Atmosphäre

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