Lupe

Herbstauktionen 2020

Von Beuys bis Liebermann – Ausgewählte Werke

19

Franz Wilhelm Seiwert

1894 – Köln – 1933

„Seemann“. 1924

Öl auf Karton. 26 × 20 cm. (10 ¼ × 7 ⅞ in.) Mitte rechts monogrammiert und datiert: FWS 24. Rückseitig oben zweimal die Adresse des Künstlers (in Bleistift und gestempelt): Franz W. Seiwert / Köln/Rh. / Eigelstein 147 III. Werkverzeichnis: Bohnen 52. Rückseitig mit einer Bleistiftskizze des Kopfes.  [3547] Gerahmt 

ProvenienzEhemals im Besitz der Schauspielerinnen Grete Roese-Dierse, Köln, und Marlene-Rothe-Riphahn, Bensheim

EUR 30.000 – 40.000
USD 35,300 – 47,100

Verkauft für:
46.250 EUR (inkl. Aufgeld)

„Seemann“

Auktion 324Donnerstag, den 3. Dezember 2020, 18.00 Uhr

Los empfehlen

Zustandsbericht anfordern

AusstellungVariationen, 20er Jahre. München, Galerie Hasenclever, 2011, m. Abb

Hier sehen wir: nein, nicht einen Seemann, sondern ein Bild von einem Seemann. Franz Wilhelm Seiwert wirkte direkt nach dem Ersten Weltkrieg nicht nur als Grafiker, er veröffentlichte auch eine Vielzahl von Essays in sozialistischen Zeitschriften. Im Lauf der Zwanzigerjahre kühlte sich seine Leidenschaft für die Politik etwas ab, doch thematisch blieb er seinen Anfängen treu.
Als Mitglied der Künstlervereinigung Kölner Progressive hatte Franz Wilhelm Seiwert den Fotografen August Sander kennengelernt. Daher konnte er die Entstehung von dessen Porträtzyklus „Menschen des 20. Jahrhunderts“, einem der einflussreichsten Werkkomplexe der Kunst des vergangenen Jahrhunderts, aus nächster Nähe verfolgen.
Vermutlich hatte auch Franz Wilhelm Seiwert Menschen aller Berufs- und Gesellschaftsschichten beobachtet, um nach dem immer wiederkehrenden Charakteristischen in ihrer Tätigkeit oder Haltung zu suchen. So blicken wir auch hier auf den Prototypen eines Seemanns. Kraftvoll und stets präsent tritt er uns entgegen. Seiwert hat ihm noch ein paar Attribute mitgegeben: eine graue Mole, einen Leuchtturm, den Dampfer am Horizont. Und obwohl das Gemälde als Brustbild ausgeführt ist, wissen wir, dass dieser Seemann an Deck festen Stand beweisen wird.
Doch bei aller Typisierung, in diesem menschlichen Antlitz so ganz auf Humor verzichten wollte der Künstler nun auch wieder nicht. Die dunklen Knopfaugen, die leichte Rötung im Gesicht, die vielleicht vom frischen Wind herrührt, vielleicht aber auch vom wärmenden geistigen Getränk oder von der Scham, derart im Vordergrund zu stehen – der Reiz dieses Bildes liegt nicht nur im Kontrast aus Abstraktion und seiner delikat ausgeführten Farbigkeit, sondern auch in den Nuancen. OH

* Seltene bildnerische Verbindung von Naivität und Abstraktion
* Zeigt auch den Einfluss der russischen Avantgardisten, vor allem von Kasimir Malewitsch
* Besticht durch Klarheit in Farbigkeit und Komposition

Irrtum vorbehalten - wir verweisen auf unsere Versteigerungsbedingungen.