Lupe

Herbstauktionen 2020

Von Beuys bis Liebermann – Ausgewählte Werke

17

Curt Ehrhardt

Ziesar 1895 – 1972 Schwarz/Hessen

„Der Bantuneger“. 1920

Assemblage: Holz-Objektkasten, Karton, Ölfarbe, Puppe, Fell, Schnüre, Nägel, Draht, Papier. Kasten: 31,5 × 24,3 × 12,4 cm. (12 ⅜ × 9 ⅝ × 4 ⅞ in.) Rückseitig auf einem Aufkleber mit Tuschfeder betitelt, signiert und datiert: Der Bantuneger C. Ehrhardt 1920 Brandenburg a./H. Darüber ein Etikett der Ausstellung Berlin 1920 (s.u.).  [3604]

ProvenienzEhemals Peter Hopf, Berlin

EUR 25.000 – 35.000
USD 29,400 – 41,200

Verkauft für:
43.750 EUR (inkl. Aufgeld)

„Der Bantuneger“

Auktion 324Donnerstag, den 3. Dezember 2020, 18.00 Uhr

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AusstellungKunstausstellung Berlin. Berlin, Landesausstellungsgebäude, 1920, Kat.-Nr. 1141 / Curt Ehrhardt 1895–1972. Arbeiten eines verschollenen Künstlers. Berlin, Otto Nagel Galerie, 1991, Kat.-Nr. 7, m. Abb

Literatur und AbbildungPeter Arlt: Des Lebens dunkle Tänze. Der Maler Curt Ehrhardt 1895-1972. Lauenförde, Galerie Hesselbach, und Weimar, Galerie Hebecker, 2002, Abb. S. 24

Ein Relikt aus einer längst vergangenen Zeit. Die scheinbar bunt-fröhliche Assemblage des 1895 in Sachsen geborenen
Künstlers Curt Ehrhardt entstand im Jahr 1920, zur Hochphase des Dadaismus, aber auch zur Zeit der Völkerschauen, die bereits ab 1870 vermehrt in Europa stattfanden und schon den Brücke-Künstlern vor dem Ersten Weltkrieg eine wichtige Inspiration gewesen waren.
So zeigt auch Curt Ehrhardt, der sich 1918 der Novembergruppe anschloss und sich seit je in seiner Kunst hauptsächlich mit aktuell geistigen und gesellschaftlichen Aspekten auseinandersetzte, unverblümt das Zeitgeschehen. Vorhang auf! Eine aus Afrika stammende Puppe steigt aus der bunten, an Robert Delaunays Orphismus erinnernde Kulisse hervor. Gekleidet lediglich in ein weißes Fellröckchen und mit dicken, roten Lippen werden die damals gültigen Stereotype bedient. Hinter Gittern kauert ein Tier, das ebenfalls neugierige Blicke auf sich zieht. Sie kommen aus Afrika – dem damals noch unbekannten, fremden und geheimnisvollen Kontinent.
Zur Kasse geht es rechts unten! Curt Ehrhardts charakteristische Werke, die insbesondere in den 1920er-Jahren Teil bedeutender Ausstellungen waren – etwa 1919 der Dresdner Sezession, 1920 der Kunstausstellung Berlin, wo auch unser Werk gezeigt wurde, und 1921 der Münchner Expressionisten-Ausstellung in Chicago –, zeichnen sich durch das konsequente Einfügen von Schriftzügen aus (siehe auch das Gemälde „Lebnis“, Auktion Moderne Kunst, 4.12.2020, Los 385). Ehrhardt, der 1926 die Novembergruppe wieder verließ, im Zweiten Weltkrieg verfemt und in der Nachkriegszeit aus dem Verband Bildender Künstler Deutschlands ausgeschlossen wurde, malte bis zu seinem Tod im Jahr 1972 unter Ausschluss der Öffentlichkeit und bekam nie die Aufmerksamkeit, die er eigentlich verdient hätte. Der „Bantuneger“ von Curt Ehrhardt ist zweifelsohne ein eindrucksvolles und ausdruckstarkes Werk – ein wahres Zeitzeugnis. SSB

* Entstanden in der Hochphase des Dadaismus
* Die Völkerschauen der Jahrhundertwende waren schon den Brücke-Expressionisten eine wichtige Inspiration
* Singuläres Werk im Schaffen des Künstlers

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