Lupe Stift

Herbstauktionen 2019

28

Kurt Schwitters

Hannover 1887 – 1948 Ambleside/England

„für Herrn Dr. Bode“. 1924

Collage auf Papier, im Passepartout des Künstlers. 34,5 × 27,6 cm (Passepartoutausschnitt: 29,5 × 22,7 cm). (13 ⅝ × 10 ⅞ in. (Passepartoutausschnitt: 11 ⅝ × 8 ⅞ in.)) Auf dem Passepartout unten mit Bleistift signiert und datiert: Kurt Schwitters 26.1.1924. Rückseitig auf dem Karton ein Etikett der Ausstellung Hannover 1956 (s.u.). Werkverzeichnis: Orchard/Schulz 1231. Im Passepartoutausschnitt geblichen.  [3605] Gerahmt 

ProvenienzHermann Bode, Steinhude (bis 1973) / Privatsammlung, Berlin

EUR 100.000 – 150.000
USD 110,000 – 165,000

Verkauft für:
125.000 EUR (inkl. Aufgeld)

„für Herrn Dr. Bode“

Auktion 313Donnerstag, den 28. November 2019, 18.00 Uhr

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  • Großformatige Collage aus einer bedeutenden Schaffenszeit des Künstlers

  • Ursprünglich aus dem Besitz von Hermann Bode, Schwiegersohn von Fritz Beindorff, dem Inhaber der Pelikan-Werke, Hannover


AusstellungKurt Schwitters. Hannover, Kestner-Gesellschaft, 1956, Kat.-Nr. 121 / Kurt Schwitters. Bern, Kunsthalle (hier mit Werken von Hans Arp), 1956, Kat.-Nr. 158 / Kurt Schwitters. Amsterdam, Stedelijk Museum, 1956, Kat.-Nr. 105 / Kurt Schwitters. Brüssel, Palais des Beaux-Arts, und Lüttich, Musée des Beaux-Arts, 1956 / Die Pelikan-Kunstsammlung aus dem Besitz des Hauses Günther Wagner, Hannover, Pelikan-Werke und der Familie Beindorff. Hannover, Kunstverein, 1963, Kat.-Nr. 129; München, Städtische Galerie im Lenbachhaus, und Stuttgart, Württembergischer Kunstverein, 1965, Kat.-Nr. 128 / 55. Herbstausstellung niedersächsischer Künstler im Kunstverein Hannover. Sonderkabinett Kurt Schwitters. Hannover, Kunstverein, 1967, Kat.-Nr. 13 / Moderne Kunst aus Privatbesitz in Hannover. Hannover, Kunstverein, 1969, Kat.-Nr. 21 / Kunstsammlung Pelikan. Braunschweig, Kunstverein, 1972, o. Kat.-Nr

Literatur und AbbildungWerner Schmalenbach: Kurt Schwitters. Köln, DuMont Schauberg, 1967, S. 399, Nr. 67

Farbiges Packpapier, ein paar Zettel unbestimmter Herkunft, die Seite aus einem Buch mit englischem Text und genau 85 Mal das gedruckte Wort „Gold“, das auf dem Kopf steht: Was jeder andere achtlos weggeworfen hätte, war für Kurt Schwitters Anlass für höchste Aufmerksamkeit. Denn aus alldem ließen sich neue Kompositionen und Sinnzusammenhänge konstruieren. Als überzeugter Individualist wehrte sich Schwitters zeit seines Lebens gegen Versuche der Vereinnahmung, lehnte Zugehörigkeiten zu einzelnen Gruppen oder Interessenverbänden vehement ab. Dies machte ihn gerade unter den Dadaisten, denen er später gern zugerechnet wurde, zu einer Persona non grata – und doch gibt es wenige andere Künstler, die Wesen und Kern der Moderne so exakt auf den Punkt gebracht haben wie er. Dass man auch den Einfluss, den Schwitters auf jüngere Generationen ausgeübt hat, kaum überschätzen kann, beweist eine Collage wie die „für Herrn Dr. Bode“ aus dem Jahr 1924, die wir hier vorstellen dürfen. Die Komplexität, die Schwitters dem Ausgangsmaterial abzugewinnen imstande war, erinnert auf verblüffende Art und Weise an die Komplexitäten der Gegenwart. Mit einfachsten Mitteln hat der Künstler ein Werk geschaffen, das den Betrachter nicht nur kompositorisch in seinen Bann zieht, es ist auch in seinem Kolorit von bezaubernder Subtilität und Harmonie. Und die Begriffe und Satzfetzen, die Schwitters im Bild auftauchen lässt, stellen Fragen, auf die es viele mögliche Antworten gäbe – wenn man sich denn nur für eine entscheiden könnte. Wüsste man es nicht besser, man würde denken, diese Collage ist von heute. UC

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