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Kunst des 19. Jahrhundert

179

Eugen Bracht

Morges 1842 – 1921 Darmstadt

„Flusslandschaft“. 1917

Öl auf Leinwand. 70,5 × 85,5 cm. (27 ¾ × 33 ⅝ in.) Unten links signiert und datiert: EUGEN BRACHT. 1917. Rückseitig oben links mit Pinsel in Schwarz mit der Werknummer bezeichnet und betitelt: 1614. „Flusslandschaft“. Kleine Retuschen.  [3071]

ProvenienzPrivatsammlung, Rheinland

EUR 8.000 – 12.000
USD 9,300 – 14,000

Verkauft für:
18.750 EUR (inkl. Aufgeld)

„Flusslandschaft“

Auktion 334Mittwoch, den 1. Dezember 2021, 15.00 Uhr

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Im August 1917 führte die jährliche Studienreise Eugen Bracht nach Herbrechtingen in den nordöstlichen Teil der Schwäbischen Alb. Von hier aus unternahm er Tagesausflüge in die nähere Umgebung, vor allem in das pittoreske Eselsburger Tal. Markante Felsformationen aus dem Jura, Höhlen und mittelalterliche, abgegangene Burgen boten neben dem idyllischen Flusslauf der Brenz, den Wacholderheiden und den Hangwäldern eine reiche Motivvielfalt.
Die rückseitig titulierte „Flußlandschaft“ besticht durch eine locker ausgeführte Primamalerei mit leichten Pastositäten bei dünnem Farbauftrag und kurzem gestischem Duktus. Der Reiz der sonnendurchfluteten Landschaft liegt in den optischen Phänomenen, denen Bracht den Großteil der Bildfläche einräumte. Lang gezogene Spiegelungen der Kalksteinformationen, der sonnenverbrannten Hänge und Ufervegetation liegen malerisch auf der Wasserfläche, und das Flirren der warmen Sommerluft geht in dem aquarellartigen Blau des Himmels auf. Den Natureindruck erfasste Bracht auf Höhe des Talgrundes mit Blick über einen scharfen Bogen der Brenz gegen den östlichen Talhang. Zum Sujet schrieb er: „‘Eselsburger Tal‘ mit Weide & spitzige Weiber“. Letzte – doppeldeutige – Bemerkung bezieht sich auf zwei rechts der Weiden stehende Felsnadeln, die sich in Brachts Frontalansicht der Karstfelsen nur dem Ortskundigen erschließen. Bekannt als „Steinerne Jungfrauen“, gelten sie der Sage nach als Versteinerungen zweier verliebter Mägde, deren Herrin aus Hass beide verflucht hatte.

Manfred Großkinsky

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