Lupe Stift

Herbstauktionen 2019

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Wohl Jane Catherine Ward

London 1817 – 1889 Sydney

Taxidermischer Schaukasten mit „Paradiesvögeln“ aus Neuguinea. Um 1880/90

Präparate: Königs-Paradiesvogel (Cicinnurus regius), Kleiner Paradiesvogel (Paradisaea minor), Schild-Paradiesvogel (Ptiloris paradiseus), Zwölffädiger Paradiesvogel (Seleucidis melanoleucus); Holz; Glas; Moos; Textil. 73 × 54 × 46 cm. (28 ¾ × 21 ¼ × 18 ⅛ in.) [3143]

ProvenienzPrivatsammlung, Batavia in Niederländisch-Ostindien (heute Jakarta) / Privatsammlung, Niederlande

Addendum/ErratumMit einem Gutachten von Drs. J.W. van den Berg, Registered Valuer for Art and Antiquities, Utrecht, vom 25. Oktober 2019, das bestätigt, dass alle Präparate vor 1947 entstanden und damit nicht unter den Artenschutz fallen.

EUR 10.000 – 15.000
USD 11,000 – 16,500

Taxidermischer Schaukasten mit „Paradiesvögeln“ aus Neuguinea

Auktion 312Donnerstag, den 28. November 2019, 15.00 Uhr

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Vergleichsliteratur und -objekt: Martha Sear: Curious and Peculiar? Women Taxidermists in Colonial Australia. In: Joan Kerr und Jo Holder (Hg.): Past Present. The National Women’s Art Anthology. Sydney, 1999, S. 85–99 / Rose Docker: The queerest shop in Australia. In: Explore. Australian Museum magazine, Jg. 34 (2012), Nr. 2, S. 3f.



Wir danken Martha Sear, National Museum of Australia, Sydney, für freundliche Hinweise.

Paradise Lost. Bis ins 19. Jahrhundert hinein wurden die tropischen Vögel Neuguineas ohne Füße präpariert, was den Ursprung der Mär begründete, diese Vögel hätten gar keine Extremitäten. Man glaubte, sie bewohnten ein irdisches Paradies und lebten in ununterbrochenem Flug. Der Irrglaube führte dazu, dass sie „Paradiesvögel“ genannt und selbst zum Mythos wurden.
Der natürliche Lebensraum dieser Paradiesvögel liegt in den Regenwäldern Australasiens. Die vier Paradiesvogelarten unseres Schaukastens finden sich allerdings ausschließlich auf Neuguinea, das außerhalb des Amazonas die reichste Biodiversität aufweist. In Anbetracht der aus der Wirklichkeit fallenden Schönheit der Natur dieser tropischen Region, klingt es immer noch glaubhaft, die Vögel würden in einem Paradies auf Erden schwelgen, wenngleich die Vorstellungen früher Naturkundler längst keine Gültigkeit mehr haben.
Jane Catherine Ward, seit 1839 verheiratete Tost, stammte aus der britischen Präparatorendynastie der Wards und hatte bereits fünfzehn Jahre lang am British Museum in London gearbeitet, bevor sie 1860 nach Australien auswanderte und in Sydney ebenfalls für das dortige Museum präparierte. Ihre Tochter Ada Tost (1848-1928) führte das Erbe der Mutter in Australien fort und gründete 1878 in Sydney mit ihrem Mann, dem Taxidermisten Henry Stewart Rohu, die Firma „Tost & Rohu“ für exotische Präparate, die als „the queerest shop in Australia“ Bekanntheit erlangte und bis in die 1920er-Jahre bestand. Im Umfeld der führenden Präparatorinnen Jane Catherine Ward und Ada Tost wurde dieser Schaukasten mit ausschließlich männlichen Paradiesvögeln so also in der australischen Metropole wohl von einer Frau montiert – Paradise Regained.

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