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Moderne Kunst

401R

Hanns Kralik

Neufeld a.d. Leitha 1900 – 1971 Düsseldorf

Aus meinem Fenster (Düsseldorf, Nordstr. / Ecke Venloer Str.). Um 1930

Öl auf Leinwand. 89,2 × 66,5 cm. (35 ⅛ × 26 ⅛ in.) Unten links signiert: KRALIK.  [3335] Gerahmt 

EUR 20.000 – 30.000
USD 23,800 – 35,700

Verkauft für:
60.000 EUR (inkl. Aufgeld)

Aus meinem Fenster (Düsseldorf, Nordstr. / Ecke Venloer Str.)

Auktion 331Freitag, den 11. Juni 2021, 11.00 Uhr

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Es liegt eine eigentümliche Stimmung über diesem Bild. Die Straßen sind noch fast menschenleer – allerdings fährt die Trambahn schon. Der Himmel ist rabenschwarz, als sei es tiefste Nacht, aber die Sonne, die im Osten aufgegangen ist, wirft bereits harte Schlagschatten auf den Asphalt.
Hanns Kralik hat diese Szenerie an der Ecke Nordstraße/Venloer Straße im ersten Düsseldorfer Stadtbezirk Pempelfort stark fasziniert: Um das Jahr 1930 malte er nicht weniger als sechs Versionen des Motivs. Sie weichen alle in leichten Nuancen voneinander ab. Mal sind die Kontraste stärker als auf unserem Bild, mal die Farben insgesamt kräftiger, mal wirkt ihre Tonalität einheitlicher. Eine dieser Versionen befindet sich im Stadtmuseum Düsseldorf, eine andere in der Sammlung des Art Institute in Chicago.
Dabei verwendete Kralik große Sorgfalt darauf, die städtische Architektur topografisch und in ihren gestalterischen Details korrekt wiederzugeben. Die Häuser an der Nordstraße stehen, abgesehen von dem markanten dreistöckigen Gebäude im Stil des Art déco, heute dort fast noch genauso. Mit Recht gilt Kralik als einer der interessantesten Vertreter der rheinischen Neuen Sachlichkeit. Der Sohn einer Bergarbeiterfamilie wuchs im Ruhrgebiet auf und arbeitete schon im Alter von 14 Jahren selbst unter Tage. Mit zwanzig begann er nebenher ein Studium an der Kunstgewerbeschule in Krefeld, 1925 schrieb er sich an der Kunstakademie Düsseldorf ein. Er stand in Verbindung mit der Künstlergruppe Junges Rheinland, wurde als Mitglied der KPD 1933 interniert, Ende 1934 gelang ihm und seiner Frau Lya die Flucht nach Paris.
Während des Zweiten Weltkrieges war er in der Résistance, im Juli 1945 kehrte er nach Düsseldorf zurück, um dort die Stellung als Kulturdezernent anzutreten. 1950 wurde er, immer noch in der KPD, entlassen, danach widmete er sich wieder ganz seiner Kunst. Den scharfen, forschenden Blick auf seine Umwelt hat er sich stets bewahrt – doch das Bild „Aus meinem Fenster“ ist zweifellos sein Hauptwerk.
UC

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