Lupe

Herbstauktionen 2020

Sammlung Calábria

649

Almir da Silva Mavignier

Rio de Janeiro 1925 – 2018 Hamburg

Ohne Titel (K.B. 47). 1961

Öl auf Leinwand, in Objektkasten. 90 × 90 cm (103,5 × 103,5 × 8,8 cm). (35 ⅜ × 35 ⅜ in. (40 ¾ × 40 ¾ × 3 ½ in.)) Rückseitig mit Filzstift in Schwarz signiert, datiert und bezeichnet: Mavignier 1961 Ulm K.B. 47.  [3513]

EUR 50.000 – 70.000
USD 58,800 – 82,400

Verkauft für:
100.000 EUR (inkl. Aufgeld)

Ohne Titel (K.B. 47)

Auktion 326Freitag, den 4. Dezember 2020, 15.00 Uhr

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AusstellungMavignier. Bilder-Plakate. München, Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek; Herning, Kunstmuseum; Hamburg, Kunsthalle, 1990, ohne Nr., Abb. o.S. (deformiertes quadrat, hellgrün/rosa/weiß)

Als würden sie flimmern, vibrieren, sich gar bewegen, hin und her, scheinbar endlos – die Werke von Almir Mavignier sind nicht das, was sie auf den ersten Blick zu sein vorgeben. Sie bestehen hauptsächlich aus Punkten, mal aus größeren, mal aus feineren, die nicht etwa willkürlich auf der Leinwand platziert sind, sondern einem offenbar strengen Raster folgen. Betrachtet man die eindrucksvollen Werke Mavigniers, entfalten sie auf den zweiten, intensiveren Blick ihre magische, ununterbrochene Wirkung und Kraft. Die meist aus Öl- oder Acrylfarbe bestehenden Punkte, die der Künstler rasterartig auf die Leinwand bringt, ziehen den Betrachter vollends in den Bann – sie fordern das menschliche Auge heraus. Den vermeintlich fließenden Farbverlauf, den der Betrachter in „Ohne Titel (K.B.47)“ zu erkennen meint, erschafft Mavignier nicht etwa durch Pigmentmischung, sondern durch die unterschiedlich dreidimensionale Beschaffenheit der Punkte. Bestehen die Farbblöcke aus zwei verschiedenen Farben, sind die Punkte, die vom Zentrum senkrecht nach außen hin gleichmäßig an Fülle und Kraft verlieren, in einem Ton gehalten. Durch die reliefartige Struktur entsteht je nach Lichteinfall ein Licht- und Schattenspiel; die Umkehrung der Farbblöcke außerhalb des Punktefeldes verstärkt die Wirkung. Die intensive ästhetische Erfahrung, die zwischen Betrachter und Werk entsteht, hat sicherlich auch Mário Calábria an der ab 1954 entstehenden Serie der Punktbilder Mavigniers fasziniert. Oder um es in seinen eigenen Worten zu schreiben: „Sein Werk ist eine Liebeserklärung an die Arbeit, die Entwicklung seiner Kunst folgt einer kartesischen Argumentation der Reduktion des Phänomens des Bildhaften, und in seinen Farben liegen die Wurzeln des Brasilianers, der er nie aufgehört hat zu sein. Almir da Silva Mavignier, dieser deutsche Carioca [dt.: aus Rio]“ (Mário Calábria: Memórias. De Corumbá a Berlim. Record, Rio de Janeiro 2003, S. 273 ff., Übersetzung Vera Lúcia Calábria). SSB

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