Lupe Stift

Sommerauktionen 2020

Von Dürer bis Balkenhol – Ausgewählte Werke

42

Neo Rauch

Leipzig 1960 – lebt in Leipzig

„Leitung“. 1997

Öl auf Sperrholz. 55 × 43 cm. (21 ⅝ × 16 ⅞ in.) Rückseitig mit Farbstift in Blau betitelt, signiert und datiert: Leitung N.Rauch 97. Darunter mit der Werknummer bezeichnet: 167.  [3444]

ProvenienzGalerie EIGEN+ART, Berlin / Privatsammlung, Deutschland (1997 in der Galerie EIGEN+ART erworben)

EUR 80.000 – 120.000
USD 86,000 – 129,000

Verkauft für:
181.250 EUR (inkl. Aufgeld)

„Leitung“

Auktion 319Donnerstag, den 9. Juli 2020, 18.00 Uhr

Los empfehlen

Literatur und AbbildungHans Werner Holzwarth (Hg.): Neo Rauch. Köln, Taschen, 2012, S. 129 / Kunstmuseum Wolfsburg (Hg.): Neo Rauch. Neue Rollen. Köln, DuMont, 2006, S. 26, S. 88/89

In den vergangenen 25 Jahren hat der Maler Neo Rauch die Kunst in Deutschland geprägt wie wenige andere Künstler. Er gilt als Mitbegründer der Neuen Leipziger Schule, Rauchs Werke hängen in Museen weltweit, sind in den prominentesten Privatsammlungen vertreten.
Als der Künstler 1997 das Gemälde „Leitung“ malte, konnte von alledem noch nicht die Rede sein. Rauch stand am Anfang seiner Karriere, arbeitete als Assistent seines ehemaligen Lehrers Arno Rink an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst und hatte in der vom Neo-Konzeptualismus dominierten deutschen Kunstszene allenfalls den Status eines Außenseiters inne.
Im krassen Gegensatz dazu steht die Kunst, die er damals schuf. Nicht wenige erachten Rauchs Bildschöpfungen der 1990er-Jahre als seine stärkste, kraftvollste Phase. Das Gemälde „Leitung“ ist in vielerlei Hinsicht exemplarisch für diese Epoche. Das fängt an mit einer vermeintlichen Nebensächlichkeit wie dem Bildträger: Rauch malt auf allem, was er kriegen kann, nicht nur auf Leinwänden, sondern eben auch, wenn es sein muss, auf Sperrholz.
Das Motiv des Bildes wiederum erscheint unauflösbar rätselhaft. Die Komposition verbindet realistische, fast comic-haft stilisierte Elemente mit abstrakten, frei assoziierten Partien. Man sieht eine männliche Figur im Retro-Habit und Ausfallschritt, die eine Kabelrolle auf dem Rücken trägt.
Einerseits grenzt Rauch die inhaltlich verschiedenen Bildgegenstände durch die Anwendung unterschiedlicher künstlerischer Mittel (zum Beispiel Faktur oder reine Flächigkeit) gegeneinander ab. Andererseits verbindet er sie durch die angewandten kompositorischen Mittel (etwa in der Verzahnung der unterschiedlichen Raumwirkung der Farben) und stellt dadurch in eigener Schöpferkraft eine künstlerische Totalität her, in der Alles mit Allem nach seinem Befinden zusammenhängt. Insoweit ist dieses Werk ein maltechnisches Kabinettstück, welches einmal mehr belegt, dass gerade bei großer Kunst die handwerklichen Mittel wesentlicher Bestandteil des Bildinhaltes sind.
Am Boden liegt eine zweite Kabelrolle, man erkennt Büsche, Strommasten – einer davon mit einer Art Staffelei –, im Hintergrund ein Gebäude, und nichts ergibt auf den ersten Blick in irgendeiner Weise Sinn. Das ist die Freiheit, die der Maler seinem Publikum bietet: Auf der Suche nach Erklärungen darf jeder seine Gedanken mäandern lassen, wie er will und es vermag.
UC

* Werk aus der kraftvollen Frühphase des Mitbegründers der Neuen Leipziger Schule
* Exemplarisch für das Schaffen des international geschätzten Künstlers
* Kommt aus einer deutschen Privatsammlung frisch auf den Kunstmarkt

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