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Kunst des 19. Jahrhundert

128

Adrian Ludwig Richter

1803 – Dresden – 1884

Überfahrt am Schreckenstein. Um 1855

Bleistift auf Bütten. 11,9 × 18,3 cm. (4 ⅝ × 7 ¼ in.) Unten rechts monogrammiert: L. R. Vorzeichnung zum gleichnamigen Holzschnitt Hoff/Budde 326 (erschienen in der 3. Lieferung von Ludwig Richter: Beschauliches und Erbauliches. Leipzig, Georg Wigand's Verlag, 1855). Leicht gebräunt mit Lichtrand.  [3078]

ProvenienzEhemals Kunsthandlung Amsler & Ruthardt, Berlin (nach 1955) / Privatsammlung, Süddeutschland

EUR 3.000 – 4.000
USD 3,490 – 4,650

Verkauft für:
3.250 EUR (inkl. Aufgeld)

Überfahrt am Schreckenstein

Auktion 334Mittwoch, den 1. Dezember 2021, 15.00 Uhr

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Wir danken Winfried Werner, Dresden, für die Bestätigung der Authenzität der Zeichnung und für die Hinweise auf den Holzschnitt und die Versteigerung.

Literatur und AbbildungAuktion 33. Berlin, Gerd Rosen, 1.-5.12.1959, Kat.-Nr. 863, mit Abbildung

Im Herbst des Jahres 1834 unternahm der Dresdner Maler Ludwig Richter eine Wanderung in das böhmische Elbtal. Dabei beobachtet er die Überfahrt eines Kanes am Schreckenstein, die er in seinem Skizzenbuch festhielt. Von diesem Ereignis inspiriert, entwickelte er über zahlreiche Studien und Vorzeichnungen sein berühmtes Bildmotiv. Heute zählt das 1837 fertiggestellte, konzeptionelle Gemälde zu einem der Schlüsselwerke der Spätromantik, ein Glanzstück der Romantiker-Schau im Albertinum in Dresden. Auf einem Fährboot sind Menschen unterschiedlichen Alters versammelt, innehaltend im Moment und in Gedanken versunken, gleiten sie auf dem Fluss dahin. Das außergewöhnliche Bild wurde gleich im Jahr seiner Fertigstellung auf der Dresdner Akademie Ausstellung präsentiert und sodann von dem Kunstsammler Johann Gottlob von Quandt erworben. „Das Bild [ergriff] durch die gesunde Romantik seiner Auffassung mächtig jeden, der sich hinein vertiefte. Man dachte unwillkürlich an den Strom des Lebens“, vermerkt der zeitgenössische Kunstschriftsteller Friedrich Pecht. Schon damals als Motiv sehr geschätzt, sorgte der Künstler durch einen entsprechenden Holzstich für dessen Verbreitung. Bei dem vorliegenden Blatt handelt es sich also nicht um eine Vorstudie, sondern um eine Zeichnung Ludwig Richters nach seinem Gemälde, die wiederum, leicht abgewandelt, sehr wahrscheinlich als Vorlage für den Stich diente. Um dem Medium Druck gerecht zu werden, war es für Richter notwendig geworden, manche Partien zu vereinfachen. So sind beispielsweise das Gesicht und der Oberkörper des Bräutigams etwas gedreht, um Überlagerungen zu vermeiden. Vergleiche dazu: „Die Überfahrt am Schreckenstein, Blatt 4“ aus der Folge „Beschauliches und Erbauliches. Dritte Lieferung“ von 1855, Stecher: Moritz Ferdinand Geringswald, Kupferstich-Kabinett Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden.

Claudia Maria Müller

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