Los
13
Königsberg (heute Kaliningrad) 1867 – 1945 Moritzburg
„Selbstbildnis von vorn“. 1922/23
Hintergrund:
Hintergrund:
Hintergrund:
Schätzung:
EUR 18.000
- 24.000
USD 20.200
- 27.000
Auktion 378
Do, 26.11.2026, 18:00 Uhr
Zustandsbericht anfragen
Experten kontaktieren
Privatsammlung, Sachsen (um 1970 erworben, seitdem in Familienbesitz)
Die mehr als 100 „Selbstbilder“, die Käthe Kollwitz im Laufe ihres Lebens geschaffen hat, sind einerseits Dokumente der Selbstbefragung. Gleichzeitig fungieren sie als Spielwiese für gestalterische Experimente, mit denen die Künstlerin zeigt, was sie kann. Und das wird sie im Lauf ihres Lebens auch immer wieder unterstreichen durch die Tatsache, dass sie ihr Antlitz mit der Feder, dem Pinsel, der lithografischen Kreide auf Stein oder, wie in unserem Fall, mit dem Hohleisen ins Holz schnitzt. Und nicht zuletzt zielen diese Selbstporträts ja auf uns, die Betrachtenden, damit uns die Künstlerin und ihr Werk im Gedächtnis bleiben. Es sind Bilder mit Signalwirkung, die in unseren Köpfen sofort die Themen ihres künstlerischen Schaffens aufrufen. Käthe Kollwitz ist es gelungen, zugleich mit all der Subtilität, die ihren Selbstporträts innewohnt, ihr Gesicht zur Marke zu machen.
Wie genau sie in ihren Gestaltungsprozessen vorgeht, zeigt unser überarbeiteter Holzschnitt. Alexandra von dem Knesebeck führt in ihrem Werkverzeichnis insgesamt 14 verschiedene Zustände der Platte auf. Kollwitz hat also viele, meist ganz kleine Veränderungen vorgenommen, um zu einer für sie endgültigen Version zu kommen. Greifen wir zwei Veränderungen heraus, die sie hier mit Deckweiß auf dem Probeabzug des IV. Zustands ausführt. Durch zwei Pinselzüge vergrößert sie an der linken Seite den Kopf (vom Betrachterstandpunkt aus), die Fortführung der Haare auf der rechten Seite hingegen übernimmt sie nicht in die Weiterbearbeitung des Holzstocks. Weit größere Wirkung noch hat aber eine viel kleinere Korrektur. Das rechte Auge, bisher ein schwarzes Oval, erhält eine fein gebogene helle Linie, mit der die Iris markiert wird, wodurch das Auge erst richtig lebendig wird, denn der Blick bekommt eine Richtung und ein Gegenüber - nämlich uns.
Käthe Kollwitz verfügte über eine stupende Technik des Holzschneidens. Wie sie durch Weißlinienschnitt aus dem Dunkel das Licht geholt hat und damit ihr Antlitz lebendig werden lässt, sucht seinesgleichen in der Druckgrafik der Moderne. Martin Schmidt
Irrtum vorbehalten. Wir verweisen auf unsere Versteigerungsbedingungen.