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Los

308R

Hans von Marées

Elberfeld 1837 – 1887 Rom

„Cheiron und Achilles (Verso: Sitzende Frau)“. 1883

Rötel auf Papier. 58,9 × 43,5 cm (23 ¼ × 17 ⅛ in.).
Auf diesem Bild ist das folgende Kunstwerk zu sehen: Hans von Marées. „Cheiron und Achilles (Verso: Sitzende Frau)“. 1883.

Hintergrund:

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Schätzung:

EUR 8.000

 

- 12.000

USD 8.990

 

- 13.500

Auktion 379

Fr, 27.11.2026, 11:00 Uhr

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Informationen

Rötel auf Papier. 58,9 × 43,5 cm (23 ¼ × 17 ⅛ in.). Werkverzeichnis: Meier-Graefe 798 und 798 A. [3076] Gerahmt

Wir danken Dr. Angelika Wesenberg, Berlin, für freundliche Hinweise.

Mary Balling, Partenkirchen / Peter Nathan, Zürich / Privatsammlung, Schweiz

Europäische Meister 1790–1910. Kunstmuseum Winterthur, Juni/Juli 1955, Kat. Nr. 258 / Hans von Marees. Gemälde und Zeichnungen. München, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Neue Pinakothek, 1987, Kat. Nr. 91, Abb. S. 297

Hans von Marées, 1837 geboren, damit etwa gleich alt wie die führenden französischen Impressionisten, verfolgte in seiner Wahlheimat Rom ein gänzlich anderes Programm als jene: Er wollte nicht Eindrücke des alltäglichen Lebens wiedergeben, er schuf zeitlose Idyllen, vielfach im Anschluss an die Antike. In großen, symbolischen Figuren, die ruhig miteinander, meist nebeneinander agieren, suchte er den Geist einer vermeintlich harmonischen Vorzeit zu beleben.
Ab den 1870er-Jahren, mit der Arbeit an den Fresken in der Zoologischen Station von Neapel, entstanden neben dem malerischen Werk Tausende von Zeichnungen. Auf diese Weise wollte Marées seine Vorstellungen klären. Figuren und Szenen erscheinen, nur leicht variiert, in ganzen Entwurfsreihen. Meist sind sie mit einem weichen Rötelstift angelegt, der den Zeichnungen malerische Qualität verleiht und dessen Farbe sich an bedeutsamen Stellen verdichtet. Wir unterscheiden flüchtige Skizzen, Studien nach der Natur, wie jene der sitzenden Frau auf einer der Rückseiten unserer Bilder, und Kompositionsideen aus mehreren idealen Figuren, so das Paar vor Bäumen auf der Rückseite des anderen Blattes. Eindrücklicher ausgeführt sehen wir auf der Vorderseite den Kentaur Cheiron und seinen Schüler Achilles. Unwichtiges – die Pferdebeine, die Assistenzfiguren – bleibt angedeutet, das Zueinander der beiden Figuren ist in suchenden Strichlagen genau erfasst und dadurch auf dem Blatt auch farbig hervorgehoben. Mitunter dienten einzelne Figuren sogar als Anregung zu Skulpturen, wie jene Studien zum alten Nestor, dem sagenhaften Herrscher von Pylos. Das Interesse des Zeichners lag hier bei der Wiedergabe des Gesichts. Marées selbst wirkte zu dieser Zeit als ein Nestor im Kreis ihn verehrender Künstler, Bildhauer zumeist.
Doch hat Marées seine Zeichnungen selbst kaum geachtet, wie von Besuchern und seinen Schülern berichtet. Sie häuften sich an, bis sie von ihm vernichtet wurden; nur Zufälliges hat sich erhalten. Früh jedoch wurde die hohe zeichnerische Qualität dieser Blätter erkannt und dem Konvolut ein eigenständiger Kunstwert zugeschrieben. Mancher wertete sie gar höher als die durch ständige Übermalung dunkel und schwer gewordenen Bilder. Die Persönlichkeit des Künstlers begegnet dem Betrachter in den rasch, wie nebenbei entstandenen Zeichnungen am direktesten. Der kritische Blick entdeckt auch „Verzeichnungen“, unbedenklich zugunsten seelischer oder formaler Ausdruckswerte hingenommen. Diese Freiheit gegenüber naturalistischer Richtigkeit und auch die Vorliebe für am Ende doch klar umrissene Figuren bringen seine Kunst der Moderne nahe. Etliche Künstler am Beginn des 20. Jahrhunderts, Bildhauer wie Maler, haben sich auf Marées berufen: Karl Hofer, Wilhelm Lehmbruck, Oskar Schlemmer …
Angelika Wesenberg

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