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Los

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Lovis Corinth

Tapiau/Ostpreußen 1858 – 1925 Zandvoort

„Fräulein Heck“ (Im Boot auf dem Starnberger See). 1897

Öl auf Leinwand. 58,5 × 86 cm (23 × 33 ⅞ in.).
Auf diesem Bild ist das folgende Kunstwerk zu sehen: Lovis Corinth. „Fräulein Heck“ (Im Boot auf dem Starnberger See). 1897.

Hintergrund:

Auf diesem Bild ist das folgende Kunstwerk zu sehen: Lovis Corinth. „Fräulein Heck“ (Im Boot auf dem Starnberger See). 1897.
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Schätzung:

EUR 200.000

 

- 300.000

USD 225.000

 

- 337.000

Auktion 378

Do, 26.11.2026, 18:00 Uhr

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Informationen

Öl auf Leinwand. 58,5 × 86 cm (23 × 33 ⅞ in.). Werkverzeichnis: Berend-Corinth/Hernad 140. Retuschen. [3099] Gerahmt

Max Halbe, München / Karl Schmidt, Köln (1952) / Privatsammlung, Baden-Württemberg / Privatsammlung, Berlin / Privatsammlung, Norddeutschland / Privatsammlung, Berlin

Lovis Corinth. Katalog der Ausstellung des Lebenswerkes. Berlin, Galerie Paul Cassirer in den Räumen der Secession, 1913, Kat.-Nr. 41 („Auf dem Starnberger See“) / Lovis Corinth. Ausstellung von Gemälden und Aquarellen zu seinem Gedächtnis. Dritte Auflage. Berlin, Nationalgalerie, 1926, Kat.-Nr. 51 („Frau Max Halbe im Kahn“) / Lovis Corinth. Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und druckgraphische Zyklen. Köln, Wallraf-Richartz-Museum in der Kunsthalle, 1976, S. 25, Kat.-Nr. 7, Tafel 6

Alfred Rohde: Der junge Corinth. Berlin, Rembrandt-Verlag, 1941, S. 132, Abb. 96, und S. 142 / Otto Brües: Der Schirm und die Maler. Divertimento zu 30 Reproduktionen von Darstellungen des Schirms in der Kunst. Hrsg. v. Karl Schmidt. Köln, Droste Verlag, 1952, o. S., m. Abb. („Kahnfahrt auf dem Starnberger See") / Gottfried Sello: Qualität jenseits des Fortschritts. Corinth-Ausstellung in Köln. In: Die Zeit, 6.2.1976, Nr. 7, m. Abb. / Thomas Corinth: Lovis Corinth, Eine Dokumentation. Tübingen, Verlag Ernst Wasmuth, 1979, S. 53 u. S. 164 / Horst Uhr: Lovis Corinth. Berkeley/Los Angeles/Oxford, University of California Press, 1990, S. 107 u. S. 109, Abb. 72 / Ausst.-Kat.: Lovis Corinth. Wien, Kunstforum der Bank Austria, und Hannover, Forum des Landesmuseums, 1992/93, S. 41, Abb. 4 (nicht ausgestellt)

„Gegenwärtigkeit und Leben“ – Lovis Corinths Meisterschaft „en plein air“

„Sur le motif. Peindre en plein air“ hieß eine der schönsten Ausstellungen der letzten Jahre (Fondation Custodia, Paris). Schon seit der großen Umbruchszeit um 1800 verließen Künstler überall in Europa ihre Ateliers, um unter freiem Himmel zu malen. Die Pariser Präsentation war deshalb so anregend, weil sie nicht nach Kunstschulen und ortsgebundenen Zusammenhängen im engeren Sinne, sondern konsequent nach den Motiven fragte, die sich die unterschiedlichsten Künstlerinnen und Künstler von Skandinavien bis Südeuropa auf ihren Streifzügen in der Natur immer wieder suchten. Malten sie sich gegenseitig beim Malen, ist es stets der Schirm, der zum Schutz vor Sonne und Regen irgendwo in der Landschaft steckt.
Das Malen „en plein air“ ist sicherlich einer der wichtigsten und folgenreichsten Schritte für die Entwicklung der Kunst in Richtung Moderne. Das Verlassen des Ateliers war nicht zuletzt ein Schritt in die Freiheit, mit dem all die Lehrbücher und geschichtsträchtigen Vorbildsammlungen hinter sich gelassen wurden, um den eigenen Weg zum Bild zu finden. Der Fokus wechselte vom Rückbezug zur Vergangenheit auf die Auseinandersetzung mit der eigenen Gegenwart. Der Wandel der Kunst folgte dem Wandel der Gesellschaft, ihren ständig neuen Ansichten, Bedürfnissen, Vorlieben und nicht zuletzt den rasanten technologischen Entwicklungen (Vernetzung via Eisenbahn, fertig angemischte Ölfarben in Tuben u.v.m.). Der konsequente Gegenwartsbezug nahm schon bald auch die Stadt und vorzugsweise das zunehmend mondäne Leben der „Großstädter“ zwischen geschäftigem Treiben, kulturellem und gesellschaftlichem Amüsement und Landlust in die Motivgeschichte der Malerei „en plein air“ mit auf. Wir denken an den wunderbaren Manet, an die Impressionisten und ihre Nachfolger, deren lebensnahe Meisterschaft uns bis heute berührt.
Lovis Corinth zählt uneingeschränkt zu den herausragenden deutschen Künstlern, die hier zu nennen sind. Corinth – das ist „Gegenwärtigkeit und Leben“, wie Max Osborn anlässlich der groß angelegten Retrospektive seines Œuvres in der Berliner Nationalgalerie 1926 feststellt (zit. nach: Heckmann, Corinth 2026, S. 28). Auch das Gemälde „Fräulein Heck im Boot auf dem Starnberger See“ hatte der Direktor Ludwig Justi für diese wichtige Präsentation ausgewählt. Für ihn war Corinth „der größte deutsche Maler seiner Zeit“ (Justi 1931; zit. ebd., S. 11). Aktuell führt die Berlinische Galerie sein Werk in einer umfassenden Ausstellung eindrucksvoll vor Augen („Lovis Corinth. Dann kam Berlin“). Ein Fest seiner Malerei. So wie dieses Bravourstück, das Corinth noch während seiner Zeit in München und am Starnberger See malte.
Ein Kahn, der von einem nur als Schattensilhouette flüchtig wahrgenommenen Ruderer im Bug vorangetrieben wird, gleitet an einem wolkendurchzogenen Sommertag über einen See. Die Bewegung und ein leichter Wind sind spürbar. Wir sehen eine junge Frau direkt vor uns mittig im offenen Holzboot sitzen. Sie ist modisch gekleidet in einer azurblauen Bluse (wohl aus Seide) mit leicht angepufften, langen Ärmeln, einem dazu passenden braunen, schmal ausgestellten Rock, den ein schwarzer Gürtel mit einer goldenen Spange in Taillenhöhe ziert. Ihr dichtes braunes Haar ist unter einem blumenbesetzten Hut zusammengebunden. Ihre linke Hand verweilt sanft auf ihrem Oberschenkel, mit der rechten hält sie einen apfelroten Schirm, dessen Stock halsnah auf ihrer linken Schulter ruht. Er ist aufgespannt und hinterfängt schützend ihren Kopf. Das reflektierende Rot spiegelt sich in der Schulterpartie ihrer Bluse. Leicht zur (von uns aus) linken Seite gerichtet, begegnen wir ihr in einem Moment des nachdenklichen Innehaltens, des In-sich-Gekehrtseins. Ihr Kopf ist ein wenig geneigt. Ihre Augen blicken auf das vor ihr liegende Wasser und zugleich in sich hinein, gerade so, als würde sie über das eben Gesagte nachdenken oder auch tagträumend einen Moment lang nur bei sich und gar nicht in dieser realen Situation sein. Sie ist ganz pur. Nur sie selbst.
Dabei sitzt direkt vor ihr der Maler Lovis Corinth, der sie zu diesem Ausflug eingeladen hat. Er beobachtet sie sehr genau. Und überträgt die Stimmung dieses erkannten und eingefangen Augenblicks in seine Malerei: mit schnellem, sicherem Pinsel wählt er den Bildausschnitt, die malerische Behandlung seiner Begleiterin wie der umliegenden Landschaft. Er fängt ihre Haltung ein, ihre Erscheinung, ihren Ausdruck, die Lichtreflexe, die Farben, ohne kleinlich zu werden und diesen Moment in seiner Kostbarkeit zu stören, gar einzuengen und zu erstarren. Wir schauen ihm über die Schulter, sitzen mit in diesem Kahn, erleben die Situation mit seinen Augen, gerade so, wie er sie wahrgenommen hat.
Wie wir aus dem Werkverzeichnis von Charlotte Behrend-Corinth wissen, ist es Bertha Heck, die Corinth darum gebeten hatte, ihm bei einer Bootstour auf den Starnberger See Modell zu sitzen. Sie ist die Schwester von Luise, die den Schriftsteller und Mitbegründer der Münchner Volksbühne Max Halbe geheiratet hatte und selbst eine zentrale Stellung im Gesellschaftsleben der Kunst-, Literatur- und Theaterszene rund um ihren Mann einnahm. Corinth pflegte in den späten 1890er-Jahren ein vertrautes Verhältnis zur Familie Halbe, wovon nicht zuletzt die wunderbare Frühstücksszene im Lenbachhaus zeugt (Abb. vorherige Seite). Auch hier sitzt Bertha mit am Familientisch im Garten von Halbes Anwesen in Bernried, seinerzeit ein beliebter Treffpunkt der Münchner Bohème (die vierte Person ist wohl der Dichter und Schauspieler Karl Rössler). Die ungezwungene Atmosphäre, noch mit der Wäsche auf der Leine, vermittelt einen malerisch souverän eingefangenen Moment, der die familiäre Stimmung eines ausgelassenen Sommervormittages unter Freunden eindrucksvoll einfängt und beschreibt.
Selbstbewusst datiert Corinth sein Bild exakt auf den 28. bis 31. August 1899. Er gibt damit nicht nur seine Teilnahme und die persönliche Nähe zu Familie zu erkennen, sondern bringt auch deutlich sein Talent als Pleinairmaler zum Ausdruck. Sein einfühlsames Porträt von Bertha Heck im offenen Boot auf dem Starnberger See steht in einem engen Zusammenhang mit dieser zwei Jahre später gemalten Frühstücksszene. Beide Gemälde zählen zu den Meisterwerken seines Münchner Œuvres kurz vor seinem Umzug nach Berlin. Sie zeigen den höchst gegenwärtigen Künstler, der mit einer enormen Sicherheit aus dem Augenblick heraus einen Eindruck einzufangen, emotional zu erfassen und in seiner Unmittelbarkeit malerisch umzusetzen verstand. Ähnlich wie die großen französischen Impressionisten entwickelt auch er dabei eine ganz eigene, charakteristische Handschrift, die die Dynamik seines Schaffensdrangs sowie seine Persönlichkeit als Künstler spiegelt.
Das Porträt der jungen Frau auf dem Schiff lädt geradezu dazu ein, sich auch motivgeschichtlich noch einmal kurz umzusehen. Selbstverständlich kommt einem sofort Claude Monets berühmtes Atelierboot in den Sinn, mit dem er seit Mitte der 1870er-Jahre von Argenteuil aus die Seine durchschipperte. Das Malen auf dem Wasser, das die Reflexionen des natürlichen Lichts ungleich intensiver wahrnehmen lässt, die Beweglichkeit wie auch der ständige Perspektivwechsel waren enorm reizvoll für den Impressionisten. Auch Édouard Manets berühmtes Gemälde „En Bateau“ entstand in Argenteuil, als dieser den jüngeren Monet 1874 in den Sommerferien besuchte (Metropolitan Museum of Art, New York). Der Mann in Segelclub-Kleidung ist wahrscheinlich sein Schwager, die Frau möglicherweise, so Julius Meier-Graefe, Monets Frau Camille. Tatsächlich porträtierte Manet in diesem Sommer auch Monet selbst beim Malen auf seinem Boot, zusammen mit seiner Frau Camille, die ihm dabei zusieht (Neue Pinakothek, München). Die Idee, sich ein solches Studio-Boot zu bauen, um von hier aus „en plein air“ zu malen, hatte Monet von Charles-François Daubigny übernommen, den bedeutenden Barbizon-Maler, den Monet sehr verehrte. Schon er hatte sich 1857 ein schwimmendes Atelier zusammengezimmert (er nannte es „le Botin“, [„kleine Schachtel“]).
Das Porträt einer jungen Frau auf einem Ruderboot führt zudem Auguste Renoirs zauberhaftes Gemälde „Jeune Fille à la Barque“ aus dem Jahr 1877 vor Augen, die ähnlich frontal, allerdings mit zwei schmalen Leinen in der Hand, vor dem Maler sitzt und uns ansieht, während um sie herum Kanufahrer durchs Wasser schnellen (Privatbesitz). Es gibt eine ganze Reihe an Meisterwerken, mit denen Corinths Bravourstück der Pleinairmalerei sich verbindet. Ein letztes mag überraschen, aber es gehört ebenso hier hinein: Um 1870/72 hielt Adolf Menzel, der herausragende Porträtist des Berliner Lebens, Emilie Fontane, die Frau des Schriftstellers Theodor Fontane, wohl spontan in einer wirklich hinreißenden kleinen Gouache fest, die er ihr anschließend zum Geschenk machte. Sie sitzt lesend an der Reling auf einem Dampfer, so vertieft in ihr Buch, dass sie weder Wetter noch Leute um sich herum wahrnimmt. Ein Schirm, dessen Stange sie eng an ihrem Hals auf der Schulter abgelegt hat, schützt sie vor Sonne und Wind. Auch wenn Corinth diese kleine Gouache von Menzel sicherlich nicht kannte: Ihre Neugierde am Leben und ihr großes Talent, besondere Momente zu erkennen und malerisch zu erfassen, verbindet auch diese beiden ungleichen Künstler. Der stille, in sich gekehrte Augenblick der jungen Bertha Heck in diesem Boot auf dem Starnberger See gibt ein herausragendes Beispiel seiner Meisterschaft „en plein air“. Anna Ahrens

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