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371

Ernst Wilhelm Nay

Berlin 1902 – 1968 Köln

„Fischer“. 1936

Öl auf Leinwand. 80 × 105 cm (31 ½ × 41 ⅜ in.).
Auf diesem Bild ist das folgende Kunstwerk zu sehen: Ernst Wilhelm Nay. „Fischer“. 1936.

Hintergrund:

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Schätzung:

EUR 80.000

 

- 120.000

USD 89.900

 

- 135.000

Auktion 379

Fr, 27.11.2026, 11:00 Uhr

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Informationen

Öl auf Leinwand. 80 × 105 cm (31 ½ × 41 ⅜ in.). Unten links signiert und datiert: E.-W. Nay 36. Rückseitig mit Pinsel in Schwarz signiert, datiert und bezeichnet: Nay 36 70. Werkverzeichnis: Scheibler 197. [3104] Gerahmt

Galerie Franz, Berlin / Privatsammlung, Rheinland (in der Galerie Franz erworben, seitdem in Familienbesitz; 1978–2023 als Dauerleihgabe im Suermondt-Ludwig-Museum, Aachen)

E.W. Nay. Retrospektive. Düsseldorf, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, 1959, Kat.-Nr. 13 / Deutsche Kunst im 20. Jahrhundert – Malerei und Plastik aus Privatbesitz. Aachen, Suermondt-Museum, 1964, Kat.-Nr. 114, Abb. 65 / Klassiker der Moderne – Bilder aus Privatbesitz. Aachen, Suermondt-Ludwig-Museum, 1978, Kat.-Nr. 16, Abb. S. 21 / Lofotenbilder – zu Ehren von Carl Georg Heise (1890–1979). Lübeck, Overbeck-Gesellschaft, 1990, Kat.-Nr. 4, Abb. S. 10

Nachdem Ernst Wilhelm Nay das Studium an der Hochschule für bildende Künste in Berlin 1928 als Meisterschüler Karl Hofers abgeschlossen hatte, unternahm er mehrere Reisen. Im Sommer 1930 hielt er sich mit einem Stipendium für einige Wochen auf der dänischen Insel Bornholm auf. Kurz danach erhielt er den Rom-Preis der Preußischen Akademie der Künste, der mit einem neunmonatigen Aufenthalt in der Villa Massimo in Rom verbunden war. 1935 reiste er dann mit Unterstützung des Sammlers Carl Hagemann nach Vietzkerstrand an der Ostsee (heute Wicko Morskie in der polnischen Woiwodschaft Westpommern), wo jene Zeichnungen entstanden, die er später in seinem Berliner Atelier in die sogenannten „Dünen- und Fischerbilder“ umsetzte. Das Eintauchen in die Natur, das einfache, harte Leben der Fischer hautnah zu erleben, zu beobachten, wie sie den Zyklen von Ebbe und Flut ausgesetzt waren, wurde für den gebürtigen Berliner zu einer Offenbarung. „Die Natur selbst zeigte ihm die Bilder, nach denen sein Formwille auf der Suche war“, schrieb sein Biograf Werner Haftmann. „Vielleicht war es gerade das Großstädtische in ihm, das ihn zu diesem staunenden Erkennen fähig machte, denn es ist ja immer der Fremde, der in einer neuen Umwelt das Erstaunliche zu sehen vermag“ (zit. nach Werner Haftmann: E. W. Nay, erweiterte Neuauflage, Köln 1991, S. 70). Im Jahr darauf fuhr er noch einmal nach Vietzkerstrand. Wieder wohnte er bei einer Fischerfamilie, wanderte durch die Dünen, hörte das Meer rauschen und betrachtete die Männer, wie sie sich gegen die Gewalten stemmten. „So sah er überall Bilder, die gerade durch diesen Formraster mit einem inneren Vorstellungsbild zur Deckung kamen“ (a.a.O.). Das Gemälde „Fischer“ von 1936 muss Nay bald nach seiner Rückkehr geschaffen haben. Man erkennt darauf sechs Fischer nach dem morgendlichen Fischzug – und die Unmittelbarkeit der Eindrücke Nays ist in dem Bild beinahe mit Händen zu greifen. Die hellen und dunklen Figuren, die schwarzen Wogen mit den weißen Schaumkronen, der Strand, die Netze: An dieser Komposition ist alles Dynamik, Rhythmus, „aufatmender Ansturm der Wellen“ und „Ausatmen ihrer Bewegung im Rücksog“ (a.a.O. S. 77). Besonders die Darstellung der Fischer und des Meeres erinnert im Kolorit und in der formalen Gegenüberstellung von Vertikalen (die Figuren) und Diagonalen (der Seegang) an das Gemälde „Große Ausfahrt in Weiß“, das Nay im Jahr zuvor nach dem ersten Aufenthalt in Vietzkerstrand malte und heute in der Hamburger Kunsthalle verwahrt wird. Der Umstand, dass der Künstler diese Formerfindungen ein Jahr später in dem Bild „Fischer“ nahezu identisch wiederholt, weist darauf hin, wie viel ihm an ihnen lag. Und gleichzeitig ist es eine Vorausschau in die Zukunft, in die Zeit nach dem Krieg, als Ernst Wilhelm Nay die Variation, die Weiterentwicklung ein- und desselben Motivs zum Schaffensprinzip seines Spätwerks erhob. Ulrich Clewing

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