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Renée Sintenis

Glatz/Schlesien 1888 – 1965 Berlin

„Große Daphne“. 1930

Bronze mit grünlichgrauer Patina, auf Steinsockel montiert. Maße ohne Sockel: 144 × 31 × 31 cm (56 ¾ × 12 ¼ × 12 ¼ in.).
Auf diesem Bild ist das folgende Kunstwerk zu sehen: Renée Sintenis. „Große Daphne“. 1930.

Hintergrund:

Auf diesem Bild ist das folgende Kunstwerk zu sehen: Renée Sintenis. „Große Daphne“. 1930.

Schätzung:

EUR 250.000

 

- 350.000

USD 281.000

 

- 393.000

Auktion 378

Do, 26.11.2026, 18:00 Uhr

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Informationen

Bronze mit grünlichgrauer Patina, auf Steinsockel montiert. Maße ohne Sockel: 144 × 31 × 31 cm (56 ¾ × 12 ¼ × 12 ¼ in.). Unten seitlich signiert: R. Sintenis. Hinten unten der Gießerstempel: H. NOACK Berlin. Werkverzeichnis: Berger/Ladwig/Wenzel-Lent 117. Guss nach 1945. [3146]

Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen (1993 bei Grisebach, Berlin, erworben, seitdem in Familienbesitz)

Auktion 34: Ausgewählte Werke. Berlin, Villa Grisebach Auktionen, 26.11.1993, Kat.-Nr. 45, m. Abb. 

Renée Sintenis‘ „Große Daphne“: die Metamorphose als Ausdruck weiblicher Selbstbestimmung

Es ist der Moment der beginnenden Verwandlung, den Renée Sintenis in ihrer Bronze „Große Daphne“ festhält: In einer grazilen, an eine Tänzerin erinnernden Pose hebt Daphne die Arme über den Kopf. In den dicht übereinandergelegten Händen kündigt sich die nahende Verästelung an. Ihr Haar hat bereits die Form einzelner Lorbeerblätter angenommen, die sich rankenartig an den Armen nach oben schlängeln. Die leicht gebeugten, eng zusammenstehenden Beine scheinen sich im nächsten Moment in einen Stamm zu verwandeln. Feine Lorbeerblätter sprießen zwischen den Unterschenkeln hervor und klettern am linken Oberschenkel empor.
Eine durchlebte innere Spannung ist in der Gestaltung des Körpers spürbar: Die schlanke, konturbetonte Figur dreht sich leicht aus der Hüfte heraus und entfaltet sich rhythmisch fließend. Daphne neigt den Kopf und senkt den Blick. Versunken in den Prozess ihrer „Naturwerdung“, scheint sie sich der Verwandlung mittlerweile ganz hinzugeben.
Die Metamorphose der jungen Jägerin Daphne, Tochter des Flussgottes Peneus, zählt zu den berühmtesten Episoden aus Ovids „Metamorphosen“ (I, 452–552). Sintenis widmet sich als eine der ersten Künstlerinnen einem Thema, das seit Jahrhunderten ihre männlichen Künstlerkollegen inspiriert hat (Abb. nächste Seite).
1888 in Glatz in Schlesien geboren und in der idyllischen Landschaft von Neuruppin aufgewachsen, lebte Sintenis ab 1905 mit ihren Eltern in Berlin. Bereits mit 17 Jahren entschloss sie sich, Künstlerin zu werden, wobei die Bildhauerei sie am meisten interessierte. Vor dem Ersten Weltkrieg entstanden nahezu ausschließlich Darstellungen von jungen, schlanken Frauen, in denen sie sich selbst suchte. Die kleinen Tierbronzen folgten wenig später.
Nach dem Bruch mit ihren Eltern hatte sie sich verändert. Sie wohnte zunächst bei einer Freundin und ließ sich als Zeichen ihrer Unabhängigkeit den langen Haarzopf abschneiden. Fortan trug sie einen modischen Kurzhaarschnitt und verkörperte immer mehr den Prototyp der „Neuen Frau“. Mit ihrer Größe von 1,80 Metern, ihrer schlanken Gestalt und ihren markanten Zügen war sie eine auffällige Erscheinung. 1917 schuf Sintenis die kleine Version der Daphne, die den abschließenden Höhepunkt ihrer Gruppe weiblicher Figuren bildet und ihr selbst in ihrer Erscheinung besonders nahekommt. Das Werk wurde ein großer Erfolg: Ihr Galerist Alfred Flechtheim plante eine Auflage von 25 Exemplaren sowie drei Silbergüssen. „Daphne“ blieb die einzige menschliche Figur, die Sintenis auch in großem Format ausführte. 1930 beauftragte der Lübecker Museumsdirektor Carl Georg Heise die Künstlerin mit einer großen Version, die er als vergoldete Bronze im Garten des Behnhauses aufstellen ließ. 1939 erwarb auch das Museum of Modern Art in New York ein Exemplar der „Großen Daphne“ – zu einer Zeit, als Werke von Künstlerinnen dort noch selten zu sehen waren.
In der griechischen Mythologie flieht Daphne vor Apollos Begierde. Um sich zu retten, fleht sie ihren Vater um Hilfe an. Sie verwandelt sich schließlich in einen Lorbeerbaum. Die Metamorphose wird zur Rettung ihres Körpers und darüber hinaus zum Ausdruck weiblicher Selbstbestimmung. Auch Sintenis strebte zeitlebens ein selbstbestimmtes Leben an. Obwohl sie mit ihrem Protegé Emil Rudolf Weiß verheiratet war, wurden ihr Beziehungen zu prominenten Frauen, darunter die Schriftstellerin Christa Winsloe, nachgesagt. Ob das glamouröse Leben, das Sintenis seit den frühen 1920er-Jahren führte, ihrem Wesen entsprach, bleibt offen. Sie selbst betonte wiederholt ihre Schüchternheit und Naturverbundenheit. Vielleicht spiegelt sich gerade darin die Künstlerin in ihrer Daphne: in dem Spannungsverhältnis zwischen Autonomie, öffentlichem Leben und der Sehnsucht nach inniger Verbundenheit mit der Natur. Sandra Espig

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