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Los

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Friedensreich Hundertwasser

Wien 1928 – 2000 auf dem Seeweg vor Australien

„Garten im Regentropfen – Theater – Maul – Capanna 140“. 1962

Aquarell auf Packpapier mit Kreide-Polyvinyl-Grund. 39 × 55 cm (15 ⅜ × 21 ⅝ in.).
Auf diesem Bild ist das folgende Kunstwerk zu sehen: Friedensreich Hundertwasser. „Garten im Regentropfen – Theater – Maul – Capanna 140“. 1962.

Hintergrund:

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Hintergrund:

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Schätzung:

EUR 100.000

 

- 150.000

USD 112.000

 

- 169.000

Auktion 378

Do, 26.11.2026, 18:00 Uhr

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Informationen

Aquarell auf Packpapier mit Kreide-Polyvinyl-Grund. 39 × 55 cm (15 ⅜ × 21 ⅝ in.). Rückseitig mit Feder in Schwarz bezeichnet, betitelt und signiert und mit Bleistift datiert: „THEATER“ „GARTEN IN REGEN-TROPFEN“ „CAPANNA 140“ Hundertwasser ANGUILLARA (ROMA) 15.11.62. Werkverzeichnis: Schmied/Fürst 542. Vom Künstler ursprünglich zweifach gefaltet (als Brief), Randmängel. [3011] Gerahmt

1964 publizierte der Buchheim-Verlag in Feldafing von diesem Aquarell eine Postkarte.

Privatsammlung, Berlin (in den 1960er-Jahren bei der Galerie Aenne Abels, Köln, erworben)

Hundertwasser – Prima mostra personale a Roma. Rom, Galleria Medusa, 1962 / Hundertwasser ist ein Geschenk für Deutschland. Köln, Galerie Aenne Abels, 1963, Abb. Tf. 23 / documenta III. Kassel, Kabinette im Museum Friedericianum, 1964, Hundertwasser-Kat.-Nr. 4, S. 142 / Hundertwasser. Hannover, Kestner-Gesellschaft, 1964, S. 203, Abb. S. 99 / Du und Dein Paradiesgarten. Paradiesgartenmotive der Künstler L. Cranach und F. Hundertwasser. Wittenberg, Cranach Stiftung, 2006 / Friedensreich Hundertwasser. Gegen den Strich, Werke 1949–1970. Bremen, Kunsthalle, 2012/13, S. 212/13

Wieland Schmied: Hundertwasser. Feldafing, Buchheim Verlag, 1964, S. 29 und 45 / Regentag-Wassergläser für das Leben. Wien, 2011, S. 48/49 (englische Ausgabe) / Sepp Wille: Träume sind große Taten. Freiburg, Basel, Wien, Herder, 1993, S. 33

Wider das Lineal: Friedensreich Hundertwassers „Garten im Regentropfen – Theater – Maul – Capanna 140"

Verspieltheit und Ernsthaftigkeit verschmelzen im Werk von Friedensreich Hundertwasser gleichberechtigt miteinander. Das frühe Aquarell „Garten im Regentropfen – Theater – Maul – Capanna 140“ zeugt ebenso davon wie von der ungebrochenen Schaffenslust, die den österreichischen Künstler stets ein möglichst klein gefaltetes Blatt und einen Aquarellkasten in den Rocktaschen mit sich tragen ließ, um jede freie Minute unterwegs zum Malen nutzen zu können.
Wie im surrealistischen Spiel des „Cadavre exquis“, beschreibt Hundertwasser diesen Prozess der einzelnen Faltteile, die er schließlich zusammenfügt: „Bei diesem Bild sieht man ganz deutlich, daß ich vier einzelne Teile unabhängig voneinander gemalt habe. Ich bin dabei schon bestrebt, daß das Ganze eine Einheit wird – das heißt also: Wenn ich einen Teil male, stelle ich mir vor, was auf dem anderen schon entstanden ist, und versuche das fortzusetzen.“
Im Herbst 1962 in Venedig, wo er den österreichischen Pavillon auf der Biennale bespielte, weckte das mittelformatige „Garten im Regentropfen – Theater – Maul – Capanna 140“ vielfältige Assoziationen und Lesarten, die sich im Titel widerspiegeln und die bereits die großen Themenkomplexe in Hundertwassers späterem Schaffen vorwegnehmen: Natur, Architektur und ihr Zusammenspiel mit dem mensch-lichen Leben. Ausgeführt in Hundertwassers früh gefundenem Stil von leuchtenden Farben und gewundenen Linien, lässt sich in der Darstellung der kleinen Hütte ebenso ein Maul mit spitzen Zähnen oder eine Theaterbühne erkennen, deren grell-roter Vorhang im Begriff ist, sich zu heben. Die charakteristischen Elemente wie Tropfen und Umrahmungen bleiben hier nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern werden zu eigenständigen Bestandteilen des Werks.
Das lässt an die Tradition des Horror Vacui denken, zeigt aber auch den Einfluss von Künstlern wie Gustav Klimt oder Paul Klee auf Hundertwassers Formensprache, mit der er „dem Lineal“, der kühlen Reduktion, wie sie Adolf Loos in „Ornament und Verbrechen“ (1913) propagierte, den Kampf ansagte. Diese Ablehnung der harten, geometrischen Form dürfte auch der Assoziation mit militärischer Ordnung geschuldet sein, dem Marschieren im Rechteck. Es blieb Hundertwasser, der 1928 in Wien in jüdischer Abstammung geboren wurde und – von den Nationalsozialisten zwangsumgesiedelt – als einer von wenigen Verwandten die Schoah überlebte, ein Leben lang ein Graus.
Als das Aquarell zwei Jahre nach seiner Entstehung 1964 auf der documenta III in Kassel ausgestellt wurde, war Hundertwasser auf dem besten Weg, nicht nur der berühmteste, sondern auch umstrittenste Künstler Österreichs zu werden, wie es der Kritiker Pierre Restany später formulieren sollte. Denn neben seiner antifaschistischen Haltung erregte Hundertwasser Aufmerksamkeit als ökologischer Vordenker. Dabei sind seine Ideen von Fassadenbegrünungen und lebenswerten, fensterreichen Wohnräumen heute aktueller denn je – so überrascht es kaum, dass das von ihm gestaltete Kunst Haus Wien inzwischen die Klimabiennale Wien beheimatet. Obwohl heute Hundertwassers architektonische Entwürfe weltberühmt sind und seine Formsprache längst Eingang in die Popkultur gefunden hat, ist sein Werk im Kern doch ein malerisches, wie „Garten im Regentropfen – Theater – Maul – Capanna 140“ exemplarisch zeigt. Kathrin Heinrich

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