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Los

736

Eugen Schönebeck

Heidenau/Sachsen 1936 – lebt in Berlin

„Porträt“. 1965

Öl auf Leinwand. 71,3 × 61,4 cm (28 ⅛ × 24 ⅛ in.).
Auf diesem Bild ist das folgende Kunstwerk zu sehen: Eugen Schönebeck. „Porträt“. 1965.

Hintergrund:

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Schätzung:

EUR 60.000

 

- 80.000

USD 67.400

 

- 89.900

Auktion 380

Fr, 27.11.2026, 16:00 Uhr

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Informationen

Öl auf Leinwand. 71,3 × 61,4 cm (28 ⅛ × 24 ⅛ in.). Unten links signiert: Schönebeck. Rückseitig mit Pinsel in Weiß signiert und betitelt und mit Pinsel in Grün datiert: E. Schönebeck „Porträt“ 1965. Auf dem Keilrahmen mit Kugelschreiber in Blau signiert und datiert: Schönebeck 1965. Werkverzeichnis: Funck G 39 (mit abweichenden Maßen). [3080] Gerahmt

Privatsammlung, Berlin (in den 1970er-Jahren vom Künstler erworben)

Eugen Schönebeck 1957–1967. Frankfurt a. M., Schirn Kunsthalle, 2011, Abb. S. 38

Das Gemälde „Porträt“ von Eugen Schönebeck ist reliefartig aufgebaut. Vor einem flächig aufgefassten Hintergrund mit ornamentalen Momenten erhebt sich der plastisch ausgearbeitete, schattenreiche Kopf eines jungen Mannes. Der Kontrast von Vorder- und Hintergrund wird durch die Pinselführung verstärkt: Während Schönebeck den Hintergrund mit einem dünnen und gleichmäßigen Farbauftrag gestaltete, brachte er den Kopf mit mehreren pastoseren Farbschichten auf die Leinwand. Zwei eigenwillige Formen, die an Kinn und Wange des Dargestellten stoßen, erweisen sich als Bindeglieder der unterschiedlichen malerischen und farblichen Auffassungen von Vorder- und Hintergrund. Erst wenige Jahre vor der Entstehung des vorliegenden Porträts hatte sich Eugen Schönebeck zunehmend von den informellen Einflüssen, die sein malerisches Frühwerk und die Zusammenarbeit mit Georg Baselitz prägten, entfernt und sich figurativen Bildschöpfungen zugewendet. Der Darstellung gefolterter und verstümmelter Körper folgten Kreuzigungsszenen, mit denen das – auch hier wiederzufindende – Balkenkreuz Einzug in seine Malerei hielt. Für einige Jahre sollte es als Irritationsmoment und Symbol des Leidens zentraler Bestandteil von Schönebecks Motivkanon bleiben. In formaler Variation findet es sich beispielsweise in dem Gemälde „Der wahre Mensch“ (1964), das eine Werkgruppe zumeist großformatiger Porträts einläutete, zu der auch die vorliegende Arbeit zählt. Wie der Titel offenbart, griff Schönebeck in diesen Bildnissen das Postulat eines „neuen Menschen“ der sozialistischen Staaten auf. Klare Umrisslinien und flächige Farbaufträge kennzeichnen die künstlerischen Reflexionen der Propagandalosung. Formal und inhaltlich kündigen sie eine Reihe von Bildnissen an, in denen sich Schönebeck ab 1965 mit den Heroen des Ostens auseinandersetzte. Die Porträts von Lenin, Mao Tse-tung, Trotzki und anderen zählen bereits zu seinen letzten Gemälden. 1967 stellte Eugen Schönebeck die Ölmalerei nahezu ein. Sein ebenso qualitätsvolles wie überschaubares malerisches Œuvre wird im aktuellen Werkverzeichnis auf 52 Gemälde beziffert. Wie „Der wahre Mensch“ ist auch das hiesige „Por­trät“ auf die Wandmalereien des mexikanischen Muralisten David Alfaro Siqueiros aus den 1950er- und 1960er-Jahren zurück­zuführen. Der überzeugte Kommunist Siqueiros faszinierte Schönebeck nicht nur aus künstlerischen, sondern auch aus politischen Gründen. Eine von Siqueiros großformatigen Arbeiten zur mexikanischen Revolution regte ihn zum vorliegenden „Porträt“ an: Aus einer Menschenmenge streikender Bergarbeiter löste der Künstler einen Protagonisten, der dem Betrachter seine eigenwillig abstrahierte fahneschwingenden linke Faust entgegenstreckt. Einen fahnenschwingenden Verfechter politischer Veränderung präsentiert Schönebeck jedoch nicht. Stattdessen setzte er einen gebrochenen Helden ins Bild, der seine Dynamik und den Rückhalt der Masse eingebüßt hat. Pay Matthis Karstens

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