Los
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Torschok 1864 – 1941 Wiesbaden
„Mädchenkopf“. Um 1916
Hintergrund:
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Schätzung:
EUR 300.000
- 400.000
USD 337.000
- 449.000
Auktion 378
Do, 26.11.2026, 18:00 Uhr
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Galka Scheyer, Hollywood (?) / Privatsammlung, New York / Privatsammlung, Deutschland (1990 bei Christie's, New York, erworben)
Auktion: Anonymous Sale. New York, Parke-Bernet Galleries, 14.1.1959, Kat.-Nr. 78, Abb. S. 52 / Auktion: Impressionist and Modern Paintings and Sculpture (Part II). New York, Christie's, 16.5.1990, Kat.-Nr. 387, m. Abb.
Rot, Ocker, Türkis, Schwarz, Dunkelgrün und Altrosa – das Farbspektrum, das Alexej von Jawlensky für diesen „Mädchenkopf“ wählte, zeigt, worum es dem Maler dabei wirklich ging. Offensichtlich wollte er das Bildnis des Mädchens (und sein Verhältnis zu ihm) sublimieren, es auf eine geistige Ebene heben – was ihm meisterhaft gelang.
Gleichzeitig ist das Porträt nicht vollständig von der Realität gelöst. Die großen, wachen Augen, die markante Nase, die auf ein klassisches Profil schließen lässt, der fein gezeichnete Mund, das sind insgesamt doch recht individuelle Gesichtszüge: Es liegt nahe, in diesem „Mädchen“ eine Person zu sehen, die Jawlensky nahestand. Und da gab es jemanden, der einem zuerst einfallen muss: Helene Nesnakomoff (1885-1965). Sie kam als Lehrling ihrer Zofe in den Haushalt von Marianne von Werefkin und Jawlensky, als sie ungefähr zehn war. Etwa sechs Jahre später zeugte der Maler mit ihr skandalös früh ein Kind, ihren Sohn Andreas (1902-1984).
Doch entweder malte Alexej von Jawlensky sie aus der Erinnerung, oder sie scheidet als Porträtierte aus – um 1916 war Helene an die dreißig. Und letztlich spielt es auch keine Rolle, wer das Mädchen war, dem der Künstler hier ein Denkmal setzte. Jedenfalls erachtete Jawlensky die Heranwachsende für würdig, ihm Modell zu sitzen, um ihn zu einer neuen künstlerischen Höchstleistung zu treiben.
Das Bild entstand zu einer Zeit, die für Werefkin und Jawlensky, für Nesnakomoff und Andreas große Prüfungen bereithielt. Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges endete das gute Leben der vier in München-Schwabing. Materielle Sicherheit, soziale Anerkennung und allgemein eine kreative Atmosphäre, auf all das mussten sie verzichten, nachdem sie im August 1914 Deutschland innerhalb von 48 Stunden hatten verlassen müssen und in die Schweiz geflohen waren. In Saint Prex am Genfer See waren die Verhältnisse beengt: die Wohnung winzig, das Zusammenleben mit Marianne von Werefkin, die Jawlensky bis dahin großzügig unterstützt und gefördert hatte, belastet und angestrengt.
Umso erstaunlicher, dass Jawlensky imstande war, ein so berückendes Gemälde wie den „Mädchenkopf“ zu schaffen. Der Charakter dieses Bildes, seine Ausstrahlung, ist bei aller Vergeistigung durch und durch positiv, optimistisch, ja fast fröhlich. Jawlensky muss dies aus sich selbst geschöpft haben – aus sich selbst und aus der einnehmenden Persönlichkeit der unbekannten Dargestellten. Ulrich Clewing
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