Rudi Weissenstein – Exil und Fotografie

Fotografien von Rudi Weissenstein, Ellen Auerbach und Christian Boltanski

Rudi Weissenstein | Christian Boltanski
Rudi Weissenstein. Ben Yehuda School Tel Aviv. 1939. © The PhotoHouse | Christian Boltanski. Die Jüdische Schule (aus dem Portfolio „The Frozen Leopard" II), 1992. © Christian Boltanski, Galerie Klüser

Eröffnung Donnerstag, 25. Juli 2019, 18 bis 21 Uhr
Es spricht Prof. Dr. Liliane Weissberg, University of Pennsylvania

Ausstellung 26. Juli bis 31. August 2019
Die Ausstellung wird kuratiert von Dr. Sarah Hadda


Fasanenstraße 27, 10717 Berlin


Öffnungszeiten
Montag bis Freitag 10 bis 18 Uhr
Samstag 10 bis 16 Uhr

 

Rudi Weissenstein (1910 Iglau, Böhmen - 1992 Tel Aviv) war einer der größten Fotografen Israels. Er dokumentierte das Alltagsleben des sich im Aufbau befindenden jüdischen Staates; dabei war der Traum einer Heimat sein großes Thema.

Hinter seinen optimistischen Bildern verbergen sich die komplexe Psychologie und ambivalenten Emotionen der Exilant*innen. Weissensteins Werke beschäftigen sich mit den Themen Hoffnung, Aufbau und Identität. Angetrieben und geprägt vom Verlust seiner alten Heimat, wird in seinen Bildern die Rolle von Identität bei der Erschaffung einer neuen Gesellschaft sichtbar. Dabei spielen individuelle Erfahrungen ebenso wie soziale Erinnerung eine wesentliche Rolle. Gerade sein Beispiel aus Palästina zeigt, wie divers die Exilbedingungen für Fotografen aus Deutschland waren. Wie viele andere musste sich Rudi Weissenstein seine Existenz mühsam aufbauen mit seinem Laden Pri Or (Hebräisch: Fotohaus), in dem er Touristen-, Strand- oder Aufnahmen von Soldaten verkaufte.

Einen ähnlichen Weg durchlief die Fotokünstlerin Ellen Auerbach (1906 Karlsruhe – 2004 New York City), die drei Jahre zuvor, 1933, auswanderte und mit ihrer Freundin Liselotte Grschebina in Tel Aviv unter dem Namen Ishon (Hebräisch: Augapfel – Pupille) ein kleines Studio für Kinderportraits gründete, bevor sie ihre Lebensreise weiter nach London und New York führte. Dank Leihgaben der Akademie der Künste Berlin finden auch Ellen Auerbachs Werke Eingang in die Ausstellung, um das Thema Exil und Fotografie zu vertiefen.

In der Ausstellung werden zudem Werke des Künstlers Christian Boltanski (*1944 – lebt in Paris) gezeigt. Boltanskis gepflasterte Fotowand „Die Jüdische Schule“ (aus dem Portfolio „The Frozen Leopard“ II, 1992) gemahnt beispielsweise an die Vergessenen, die wie Siegfried Kracauer es formulierte wie „unter einer Schneedecke vergraben“ zu sein scheinen.

Die Ausstellung mit größtenteils noch nie gezeigten Werken von Weissenstein untersucht so im Verbund mit Arbeiten seiner Zeitgenossin Ellen Auerbach nicht nur die kunsthistorischen Merkmale der Fotokunst Weissensteins, sondern vertieft und vergegenwärtigt über den Konnex mit Christian Boltanskis Werken das große Thema der Erinnerung – sowohl der eigenen als auch der kollektiven.

Die Eröffnung der Ausstellung findet am 25. Juli 2019 um 18 Uhr in der Fasanenstraße 27 in Berlin statt. Es spricht Prof. Dr. Liliane Weissberg (University of Pennsylvania).

Sarah Buschor

T 030 885 915 65
sarah.buschor@grisebach.com

Ellen Auerbach. Strand in der Nähe von Tel Aviv. 1934. © Akademie der Künste, Berlin, Kunstsammlung. Inv.Nr.: Auerbach 4935 / VG Bild-Kunst, Bonn, 2019.
Ellen Auerbach. Strand in der Nähe von Tel Aviv. 1934.
© Akademie der Künste, Berlin, Kunstsammlung.
Inv.Nr.: Auerbach 4935 / VG Bild-Kunst, Bonn, 2019.