Pressemeldungen 2015

K.H. Hödicke kam mit 19 Jahren nach Berlin und blieb. Nach einem Semester Architektur an der TU wechselte er zu Fred Thielers Malereiklasse an der HdK und blieb auch dort: erst als Student – und später von 1974 bis 2005 als Professor. Kurze Aufenthalte führten ihn 1966 für ein Jahr nach New York und 1968 in die Villa Massimo nach Rom.

Zusammen mit Markus Lüpertz und Bernd Koberling schrieb er 1965 Geschichte, in dem sie die erste Produzentengalerie, die legendäre „Großgörschen 35“ gründeten, die weit über die Grenzen Berlins hinaus wirkte. 1977 kam die Teilnahme an der documenta 6, 1981 eine erste Retrospektive im Haus am Waldsee und zuletzt die große Retrospektive in der Berlinischen Galerie 2013. Berlin ist über die Jahrzehnte seines Schaffens zentrales Thema und Motiv: Beginnend in den 1960er Jahren mit den „Reflektionen“, Großstadt-Szenen in diffusem Licht, umgesetzt in fragmentarischen Kompositionen; sehr viel unmittelbarer dann mit den Architektur-Bildern der 70er und 80er Jahre; bis hin zu der malerischen Dokumentation Berlins als Großbaustelle in den 90er Jahren.

Hödicke porträtierte seine Stadt in jeder ihrer Phasen mit seinem unverwechselbaren Pinselstrich und wurde – nicht nur als Lehrer der „Neuen Wilden“ – zum wichtigen Vorbild einer ganzen jüngeren Generation.

Anlässlich der Neuerscheinung des Buches „K.H. Hödicke. Berlin Potsd. Pl.“, herausgegeben von Hans Neuendorf, findet am Abend der Eröffnung der Ausstellung ein Gespräch mit Karl Horst Hödicke und Holger Liebs (Chefredakteur, Monopol) statt.

Daniel von Schacky
T 030 885915 0

Ausstellung
Berlin, 12. Dezember 2015 bis 20. Februar 2016
Grisebach, Fasanenstraße 27 und 25
Mo bis Fr 10 bis 18 Uhr, Sa 11 bis 16 Uhr
(28. – 30.12. 11-16 Uhr geöffnet)

Herausragende Kunstwerke werden auch in einem atmosphärisch schwierigen Marktumfeld zu herausragenden Preisen verkauft: Das ist das Fazit der exzellent verlaufenen 250. Auktion von Grisebach in Berlin, die in einer guten Stunde brutto 11,4 Millionen Euro* einspielte. An der Spitze stehen das „Bildnis eines jungen Mädchens“ von Max Beckmann mit 1,225 Millionen Euro und das „Helle Sonnenblumenbild“ von Emil Nolde mit 1,04 Millionen Euro, die in eine deutsche und eine schweizer Privatsammlung gingen.

Von einer großen Zahl internationaler Bieter im Saal und an den Telefonen wurde in der Auktion „Ausgewählte Werke“ das außergewöhnliche Angebot an konzeptueller und abstrakter Kunst mit drei Weltrekorden honoriert: Walter Dexels Gemälde „Der elektrische Zähler“ von 1922 wurde von einer Schätzung von 120.000-150.000 Euro auf eine Summe von 512.000 Euro gehoben, Friedrich Vordemberge-Gildewarts „Composition No. 42“ von 1928 von 100.000-150.000 Euro auf 350.000 Euro und Hans Uhlmanns „Kopf“ erreichte mit 200.000 Euro eine neue Preisdimension für den Künstler. Insgesamt baute Grisebach durch starke Zuschläge die Marktführerschaft neben dem Impressionismus und Expressionismus auch für deutsche Kunst der 1920er Jahre weiter aus. Karl Hofers „Sitzender Akt mit blauem Kissen“, ehemals in der Sammlung Littmann und später auf der Ausstellung „Entartete Kunst“ in München gezeigt, stieg von 250.000-350.000 Euro auf 697.000 Euro und verdoppelte damit die obere Schätzung. Er sorgte für den vierten Weltrekord in dieser Auktion.

Zwei bedeutende Gemälde von Paula Modersohn-Becker und Max Liebermann konnten ebenfalls sehr hohe Zuschläge realisieren: Modersohn-Beckers „Bäuerin mit zwei Ziegen vor Gehöft“ erzielte 537.000 Euro und Liebermanns „Große Seestraße in Wannsee“ stieg nach minutenlangem Bietgefecht von 350.000 Euro auf 890.000 Euro (Privatsammlung, Schweiz). Der legendäre „Rote Koffer“ von Marcel Duchamp aus dem Jahr 1966 konnte seine Schätzung von 200.000 Euro mit 450.000 Euro ebenfalls mehr als verdoppeln.

An der Spitze der Abteilung „Contemporary“ stehen zwei Gemälde von Günther Förg und Wojciech Fangor, die für jeweils 187.000 Euro verkauft wurden. Im 19. Jahrhundert sorgte ein Interieur von Wilhelm Leibl aus dem früheren Besitz von Max Liebermann für Furore, das für 287.000 Euro (Schätzung 40.000-60.000 Euro) in eine europäische Privatsammlung ging. Die Auktion „Orangerie“ konnte erneut „Ausgewählte Objekte“ für über 1 Million Euro an eine internationale Geschmackselite verkaufen, an der Spitze steht ein Paar chinesischer Kabinettschränke, die für 230.000 Euro nach Asien gingen.

Das positive Ergebnis der Frühjahrsauktionen und der Sammlung Rohde-Hinze setzte Grisebach mit der Jubiläumsauktion im November fort. Mit einem Gesamtergebnis von 56 Millionen Euro ist 2015 das erfolgreichste Jahr in der Geschichte des Auktionshauses.

Bernd Schultz: „2015 wird das erfolgreichste Jahr in der Geschichte der Villa Grisebach. Und die enormen Zuschläge für die Kunst der 1920er Jahre zeigen, dass unsere besondere langjährige Aufmerksamkeit für diese Zeit Früchte trägt und uns gelassen in die Zukunft schauen lässt. Wir freuen uns über die Millionenzuschläge für Beckmann und Nolde. Das sind Spitzenergebnisse für zwei von der Villa Grisebach seit ihrer Gründung 1986 besonders gepflegte Künstler.“

Micaela Kapitzky
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micaela.kapitzky@grisebach.com

* alle Ergebnisse inkl. Aufgeld

Einen Gesamtumsatz von 612.100 Euro* erzielte die diesjährige Herbstauktion für Moderne und Zeitgenössische Photographie bei Grisebach (Verkaufsquote 88%).

Der höchste Zuschlag der Auktion galt dem kleinen Buch „La Poupée“ von Hans Bellmer, das für 43.750 Euro von einem französischen Bieter erworben wurde 
(Schätzpreis 35.000–40.000 Euro), gefolgt von den beiden seltenen frühen Portraitaufnahmen des polnischen Künstlers Stanislaw Ignacy Witkiewicz. Ein Telefonbieter aus den USA ersteigerte das Bildnis „Jadwiga Janczewska II“ für 42.500 Euro (Schätzpreis 20.000–25.000 Euro), während der Pigmentprint „Janina Illukiewicz“ für 28.750 Euro (Schätzpreis 10.000–15.000 Euro) einem französischen Sammler zugeschlagen wurde.

Erneut löste ein Vintage-Abzug des Worpsweder Photographen Werner Rohde ein reges Bietgefecht aus und konnte am Ende seine Schätzung vervielfachen. Für 22.500 Euro ging das „Selbstporträt als Clown“ aus dem Jahr 1928 schließlich in eine deutsche Sammlung (Schätzpreis 700–800 Euro).

Weiter großes Interesse gab es für den kleinen Vintage-Abzug „Grand Prix de L’A.C.F.“ (1913) von Jacques Henri Lartigue, der für 12.500 Euro von einem deutschen Sammler erworben wurde (Schätzpreis EUR 10.000–15.000), für Werner Bokelbergs großformatige Collage „Uschi Obermeier“, die für 16.250 Euro ebenfalls in eine deutsche Sammlung ging (Schätzpreis 8.000–12.000 Euro), für Portfolien von Peter Keetman und Kenneth Josephson, die für 15.000 Euro bzw. 12.500 Euro von einem österreichischen Käufer ersteigert wurden (Schätzpreis jeweils 8.000–12.000 Euro) sowie für das ungewöhnliche Motiv „Aimable Pendu“ des Franzosen Pierre Jahan, das seinen Schätzpreis von 800–1.200 Euro auf 6.875 Euro erhöhen konnte (Privatsammlung, Deutschland).


Franziska Schmidt
T 030 885915 27
franziska.schmidt@grisebach.com

* alle Ergebnisse inkl. Aufgeld

Mit einem rundum erneuerten optischen Auftritt präsentiert sich die Villa Grisebach zu ihrer 250. Auktion Ende November. Im Mittelpunkt des Interesses stehen zwei auf je 1 Million Euro geschätzte Hauptwerke von Emil Nolde und Max Beckmann aus den 1930er Jahren – das kapitale „Helle Sonnenblumenbild“ von 1936 von Nolde und das träumerische „Bildnis eines jungen Mädchens“, das Beckmann im Amsterdamer Exil schuf. Die Auktion der Ausgewählten Werke am 26. November erlaubt einen exzellenten Blick auf die Künstler der Klassischen Moderne, die für die Erfolgsgeschichte von Grisebach seit 1986 prägend waren: So erwarten die Sammler exemplarische Werke von Max Liebermann, Paula Modersohn-Becker, Lesser Ury und Karl Hofer, dessen „Sitzender Akt mit blauen Kissen“ im Jahre 1937 in der Münchner Ausstellung „Entartete Kunst“ hing und nun auf 250.000–350.000 Euro geschätzt ist. Mit den Gemälden „Der elektrische Zähler“ von Walter Dexel (1922) und „Composition No. 42“ von Friedrich Vordemberge-Gildewart (1928) sind zudem gewichtige Werke zweier Hauptvertreter der konstruktivistischen Kunst der 1920er Jahre vertreten (EUR 120.000-150.000 resp. EUR 100.000-150.000).

Besonders hervorzuheben ist, daß in der Auktion der „Ausgewählten Werke“ erstmals alle drei großen Editionsprojekte von Marcel Duchamp angeboten werden können: An der Spitze steht der „Rote Koffer“ (EUR 200.000–300.000), eine Art Miniaturmuseum aller Duchamp-Werke vom Künstler selbst reproduziert, daneben werden auch die „Weiße Schachtel“ und die „Grüne Schachtel“ sowie eine bislang unbekannte Portraitzeichnung Duchamps von der Hand seiner Mäzenin Katherine Dreier aus dem Jahr 1918 angeboten.


Das starke Angebot der Nachkriegszeit, an deren Spitze zwei fulminante Gemälde Ernst Wilhelm Nays („Balance jouyeuse“ von 1956 und „Dominant Gelb“ von 1959) und ein „Montaru“-Bild von Willi Baumeister (EUR  200.000-300.000) stehen, leitet dann über zu der Offerte der „Zeitgenössischen Kunst“. Hier ragt ein umfangreiches Konvolut von Werken Andy Warhols heraus, darunter zwei frühe Blumen-Leinwände von 1964 (EUR 150.000-200.000), denen ein vielfältiges Angebot der malerischen Positionen deutscher Kunst seit 1970 folgt, mit zahlreichen Werken von Gerhard Richter, Imi Knoebel, Georg Baselitz und Günter Förg.


Traditionell beginnt die Auktionswoche am Mittwoch, dem 25. November mit der Versteigerung der Werke aus dem 19. Jahrhundert: Hier stechen eine Marmorskulptur von Johann Gottfried Schadow von 1798 hervor, die immer in Familienbesitz war (EUR 100.00-150.000), und ein Hauptwerk des französischen Malers Théodule Ribot, das in drastischer Weise einen Betrunkenen zeigt (EUR 160.000-180.000)

Insgesamt werden an vier Auktionstagen 1.658 Kunstwerke mit einer mittleren Gesamtschätzung von 23 Millionen Euro in acht Katalogen in der Fasanenstraße angeboten. Nach der Auktion „Kunst des 19. Jahrhunderts“ werden am 25. November „Photographien“ versteigert (siehe gesonderte Pressemitteilung). Am Donnerstag, dem 26. November werden die Auktionen „Orangerie“ (siehe gesonderte Pressemitteilung) und „Ausgewählte Werke“ versteigert. Am Freitag, 27. November, „Moderne Kunst“, „Graphik und Editionen“ und „Contemporary“. Die Auktion „Third Floor“ schließt am Sonnabend, dem 28. November, die Jubiläumsauktionen ab. Die Vorbesichtigung in Berlin beginnt am 20. November in der Fasanenstraße 25, 27 und 73.

Bernd Schultz: „Wir freuen uns, daß wir mit der 250. Auktion ein Angebot an Kunstwerken zusammentragen konnten, das einen exzellenten Eindruck von dem vermittelt, wofür Grisebach steht.“

Micaela Kapitzky
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micaela.kapitzky@grisebach.com

Nach dem internationalen Erfolg der Sonderauktion der Sammlung Rohde-Hinze weckt die nächste Orangerie-Auktion wieder neue Lust am Sehen. Der Katalog ist ein hochkarätiges cross over von italienischer Gotik über Barock und Klassizismus bis zum Pariser Art déco.

Wiederentdeckung der Kunstgeschichte: Glanzstück der Orangerie-Auktion am 26. November  ist die Verkündigungsgruppe von Andrea Pisano (150.000–200.000 Euro). Die Marmorskulpturen entstanden um 1345, also kurze Zeit nach den Bronzetüren des Baptisteriums, die Kunstgeschichte schrieben. Auch bei der Verkündigungsgruppe ist der starke Einfluß Giottos zu bemerken, nach dessen Entwürfen Pisano arbeitete und dem er 1340 im Amt des Dombaumeisters gefolgt war.

Reise um die Welt: Aus dem China der Ming-Dynastie stammen zwei seltene Möbelgruppen, die aus dem ausschließlich dem kaiserlichen Hof vorbehaltenen Huanghuali-Holz geschaffen wurden (Paar Kabinettschränke: 80.000 Euro und Sideboard: 60.000 Euro).

Der Bogen der Schätze aus aller Welt spannt sich ferner von den Netzuke einer norddeutschen Sammlung (ab 400 Euro), über farbenprächtige Quilts des 19. Jahrhunderts aus den USA (je 6.000–8.000 Euro), ein großes Fliesenfeld der persischen Qajar-Dynastie (15.000–20.000 Euro) bis hin zu einem raren Labidjar-Kelim aus Usbekistan (5.000–7.000 Euro).

Große Meister des europäischen Kunsthandwerks: Mit außergewöhnlichen Kunstwerken vereint die Auktion Künstlernamen wie Matthias Wallbaum, Johann Christian Hoppenhaupt, John Linnell, René Dubois, Jean-Henri Riesener, Thomas Hope, Karl Friedrich Schinkel, Dagobert Peche und Josef Hoffmann.

Malerei und Graphik mit Geschichte: Gemälde, Zeichnungen und Druckgraphiken der Orangerie stammen von Giovanni Battista Piranesi, Gerard von Kügelgen, Anton Graff, Hieronymus Bosch und Francisco de Goya. Herausragend ist das eigenwillige Portrait des legendären Earl-Bishop of Bristol von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (20.000–25.000 Euro), denn es nimmt den berühmten Beinüberschlag seines Frankfurter Goethe-Portraits vorweg.

Provenienzen mit Konversationsqualität: Aus der Sammlung des Begründerpaares der graphischen Sammlung Albertina in Wien, Herzog Albert von Sachsen-Teschen und Erzherzogin Christine von Österreich, stammt eine Deckelvase aus cremefarbenem Onyx (30.000–35.000 Euro). Die Vorzeichnung hierzu wurde im Metropolitan Museum of Art in New York entdeckt.

Ein Teller mit Chinoiserien und dem sog. Salamimedaillon (20.000–30.000 Euro) aus der Frühphase der Porzellanmanufaktur Meissen wurde für das von Hitler geplante Museum in Linz den Sammlungen Franz Oppenheimers und Fritz Mannheimers abgepreßt – die gütliche Einigung mit den Erben erlaubt es, dass dieses Kunstwerk nun seine Aura wieder voll entfalten kann.

Aus dem Nachlaß von Gunter Sachs stammt ein Paar der cathedral-Fauteuils von Jacques-Émile Ruhlmann von 1913 (200.000–250.000 Euro) aus Makassarholz und Elfenbein.

Dr. Stefan Körner
T 030 885915 64
stefan.koerner@grisebach.com

Auktion Nr. 248 am 25. November 2015, 17.30 Uhr

Am Mittwoch, den 25. November werden bei Villa Grisebach in Berlin über 200 Losnummern Moderner und Zeitgenössischer Photographie versteigert.

Spitzenlos der Auktion ist ein Positiv-Photogramm des Bauhauskünstlers Laszlo Moholy-Nagy. Es entstand im Jahr 1925, in dem Moholy-Nagy besonders intensiv an seiner „kameralosen Fotografie“ arbeitete, die er erstmals „Fotogramme“ nannte. Ein Positiv-Photogramm stellt die direkte Umkehrung des negativen Original-Photogramms dar – ein Unikat auf Papier. Durch Kontaktkopie mit dem negativen Originalphotogramm entsteht eine Variante, bei der die Tonwerte umgekehrt, d. h. die schwarzen Formen auf hellem Grund wiedergegeben sind. Das vorliegende ungewöhnlich gut erhaltene Vintage stammt ursprünglich aus dem Besitz von William G. Larsson, der an der von Moholy-Nagy 1939 gegründeten Chicago School of Design lehrte (EUR 80.000/120.000).

In die Kunst des Surrealismus führt Hans Bellmers kleines Buch „La Poupée“ von 1936, in dem der Künstler eine von ihm selbst gestaltete, fast lebensgroße Puppe in 10 Photographien auf unterschiedliche, teils verstörende Weise inszeniert (EUR 35.000/45.000). Versteigert werden außerdem zwei der wenigen erhaltenen Portraitphotographien des polnischen Avantgardekünstlers Stanislaw Ignacy Witkiewicz. Die eindrucksvollen Aufnahmen zählen zu den ersten Portraits der Photographiegeschichte, die ein „inneres Bild“ des Menschen zeigen: „Jadwiga Janczewska“, um 1913 (EUR 20.000/25.000) und „Janina Illukiewicz“, um 1912 (EUR 10.000/15.000). Weitere Höhepunkte aus dem Bereich der Modernen Photographie sind Vintages von Walker Evans: „Frame House, Connecticut“, 1933 (EUR 12.000/18.000) und Jacques Henri Lartigue: „Grand Prix de l’A.C.F., Amiens, 12“, 1913 (EUR 10.000/15.000), Leni Riefenstahls „Olympia-Portfolio“, 1998 (EUR 20.000/30.000) sowie Arbeiten von Gertrud Arndt, Ruth Bernhard, Henri Cartier-Bresson, Hugo Erfurth, André Kertész, Paul Outerbridge, Roman Vishniac u.a.

Ein vielfältiges Angebot gibt es auch im Bereich der Zeitgenössischen Photographie, versteigert werden u. a. Arbeiten von Peter Beard: „Elephant Tussle, Aberdare Forest“, 1972 (EUR 9.000/12.000), Anton Corbijn: „Keith Richards, Connecticut“, 1999 (EUR 10.000/15.000), Ruud van Empel: „Dawn I“, 2008 (EUR 4.000/6.000), Erwin Olaf: „Grief, Irene“, 2007 (EUR 8.000/12.000), Joel Meyerowitz: „Truro“, 1976 (EUR 8.000/12.000), Thomas Ruff: „Substrat 2 I“, 2002–2003 (EUR 4.000/6.000), Albert Watson: „Kate Moss, Marrakech”, 1991 (EUR 5.000/7.000).

Franziska Schmidt
T 030 885915 27
franziska.schmidt@grisebach.com

Die letzte bedeutende Sammlung Alter Kunst aus dem Berlin der zwanziger Jahre wurde am Wochenende mit spektakulären Zuschlägen in der Villa Grisebach versteigert: Die aus 384 Kunstwerken bestehende Sammlung Rohde-Hinze, die als verschollen galt, wurde zu einer Gesamtsumme von € 6.750.000* versteigert – damit wurde sogar die obere Schätzung um 2,5 Millionen Euro übertroffen. So war dies die bislang erfolgreichste Auktion der Sparte „ORANGERIE. Ausgewählte Objekte“ bei Grisebach. Hervorzuheben ist ebenfalls die Zuschlagsquote von fast 90 Prozent – ein für die Sparte Kunsthandwerk und Alte Meister herausragendes Ergebnis.

Europäische, amerikanische und asiatische Bieter lieferten sich zum Teil minutenlange Gefechte um die marktfrischen Werke. Besonders begehrt waren bedeutende italienische und niederländische Gemälde sowie rare Asiatica.

Preislich an der Spitze steht der „Wasserfall“ des Holländers Jacob van Ruisdael, den sich ein deutscher Privatsammler für € 805.000 sichern konnte (Schätzung € 180.000–240.000). Dies wäre ganz im Sinne der Sammlungsgründer gewesen: Denn es war genau dieses Gemälde, das die Sammlung begründete und zuletzt 1925 in der berühmten Ausstellung „Kunst aus Privatbesitz“ in der Berliner Akademie der Künste ausgestellt war. Der flämische Meister Anthonis van Dyck schuf einen ausdrucksstarken Apostelkopf, der mit einem Preis von € 293.750 seine Schätzung von € 60.000–80.000 weit hinter sich ließ. Lavinia Fontanas Knabenportrait von 1581 konnte mit € 212.500 seine Schätzung wie manches andere Werk der drei Auktionen sogar mehr als verzehnfachen.

Auch die Versteigerung von Kunsthandwerk mit einzigartigen Porzellanen der Manufakturen Meissen und KPM sorgte immer wieder für extreme Preissprünge. Am signifikantesten aber war die Entwicklung in der Abteilung der Asiatica. Hier wurden zwei Buddha-Skulpturen aus dem 18. Jahrhundert (Startpreis zusammen € 30.000) nach heftigen Gefechten zwischen chinesischen Bietern im Saal und an den Telefonen für insgesamt € 531.250 versteigert.

Gesellschafter Bernd Schultz: „Es war uns eine besondere Freude und Ehre, die legendäre Sammlung Rohde-Hinze kunsthistorisch aufzuarbeiten und nun mit einem spektakulären Ergebnis für den Nachlaß zu versteigern. Der Halbjahresumsatz bei Grisebach beträgt damit € 33 Millionen. Jetzt freuen wir uns auf unsere große 250. Auktion Ende November.“

Micaela Kapitzky

 *alle Preise inkl. Aufgeld

Am 3. und 4. Juli kommt es nach den Preisrekorden im Juni zu einem nächsten Höhepunkt der Frühjahrsauktionen der Villa Grisebach in der Sparte ORANGERIE: Die Versteigerung von Alten Meistern und erlesenem Kunsthandwerk aus der legendären und lange verschollenen Sammlung Rohde-Hinze, mit einer mittleren Gesamtschätzung von 3,5 Millionen Euro.Zu den Glanzlichtern zählen neben einem Apostelkopf von Anthonis van Dyck (60.000-80.000 Euro) gleich vier Werke von Jan Brueghel d.J., darunter eine große Paradies-Darstellung (300.000-500.000 Euro), sowie die Tafeln des berühmten Cyriacus-Altars von Bartholomäus Bruyn (150.000-250.000 Euro). Die italienische Malerei ist durch ein Spitzenwerk von Lavinia Fontana (20.000-30.000 Euro) und die holländische Malerei durch Meisterwerke von Salomon van Ruysdael (200.000-300.000 Euro) und Jacob Duck (20.000-30.000 Euro) vertreten.

Bei den moderat geschätzten Kunstwerken der Angewandten Künste treffen barockes Augsburger Silber, besonders frühe und teilweise einzigartige Porzellane von Meissen, Teile aus den Servicen für König Friedrich den Großen der KPM Berlin (ab 1.000 Euro), Kaukasus-Teppiche und Asiatica (z.B. eine Guanyin der Ming-Dynastie, 20.000 Euro) zusammen.

Die Auktion, für die zusammen mit über 120 nationalen und internationalen Fachwissenschaftlern ein zweibändiger Katalog entstand, ist das Altmeister-Debut bei Grisebach. In Essays von Prof. Dr. Bénédicte Savoy (Leiterin des Fachbereichs Kunstgeschichte an der TU Berlin) und Dr. Stefan Körner (Leiter der ORANGERIE) wird die Geschichte des Berliner Kunsthandels in den 1920er Jahren und dieser Sammlung wieder lebendig.Für die Vorbesichtigung ab dem 27. Juni wurden die Räume der historischen Villa Grisebach farbig gefaßt und die Kunstwerke nach Vorbild der Stilräume Wilhelm von Bodes arrangiert. Eine Ausstellung informiert über die Sammlungsgeschichte und zeigt Originaldokumente aus dem Firmenarchiv, das dem Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin übergeben wurde.

Substantielle Einlieferungen aus dem Rheinland und Bayern sorgten bei den Frühjahrsauktionen der Villa Grisebach für außerordentliche Preissteigerungen mit zahlreichen Weltrekorden in den Bereichen Klassische Moderne, Zeitgenössische Kunst und 19. Jahrhundert. An vier Tagen mit insgesamt acht Auktionen im neuen Auktionssaal in der Fasanenstraße 27 wurde ein Gesamtumsatz von 23 Millionen EUR* erzielt. Es waren so viele Bieter aktiv wie noch auf keiner Auktion der Villa Grisebach zuvor.

Mit € 865.000 an der Spitze stehen zwei Werke aus der Abendauktion: Das gelbleuchtende Gemälde „Ein Sonntag“ von Max Pechstein aus dem Jahr 1922 und der Überraschungserfolg für eine winzige Wolkenstudie von René Magritte aus dem Jahr 1963, die ihre Schätzung von € 150.000 mehr als verfünffachte. Paul Klees „Haus zum blauen Stern“ wurde für € 745.000 verkauft (Schätzung € 200-300.000). Zum gleichen Preis gelang es, van Goghs Frühwerk „Kopf einer Bäuerin“ in eine kalifornische Privatsammlung zu verkaufen – das ist der höchste Preis, der je auf einer Auktion in Deutschland für ein Werk von Vincent van Gogh bezahlt wurde.

Außerordentlich stark präsentierte sich die Abteilung „Zeitgenössische Kunst“, die ihren Umsatz im Vergleich zur letzten Auktion auf 4,3 Millionen nahezu verdoppeln konnte. An der Spitze steht hier ein Aquarell von Joseph Beuys, das nach minutenlangem Bietgefecht von einer Schätzung von € 70.000 auf € 450.000 gehoben wurde und damit die teuerste Arbeit von Joseph Beuys ist, die je in Deutschland versteigert wurde. Hohe Zuschläge gab es daneben für Werke von Cy Twombly, Robert Rauschenberg, Otto Piene, Günther Förg und C.O. Paeffgen, dessen „Akt“-Gemälde von € 20.000 auf € 193.700 stieg.

Mit 2,6 Millionen Euro Gesamtumsatz steht das 19. Jahrhundert bei Grisebach inzwischen deutlich an der Spitze dieser Auktionssparte in Deutschland. Es gab zwei Weltrekorde: Wilhelm Leibls „Bauernmädchen“ wurde für € 350.000 in eine deutsche Privatsammlung verkauft und Carl Gustav Carus’ „Phantasie aus der Alpenwelt“ für € 225.000 an das Nationalmuseum Stockholm. Am 3. und 4. Juli kommt es zum nächsten Höhepunkt der Frühjahrssaison der Villa Grisebach in der Sparte ORANGERIE: Die Versteigerung von Alten Meistern und Kunsthandwerk aus der legendären und lange verschollenen Sammlung Rohde-Hinze, die eine mittlere Gesamtschätzung von 3,5 Millionen Euro hat.

Bernd Schultz: „Wir freuen uns, daß wir solch starke Ausrufezeichen in den Sparten Klassische Moderne, Zeitgenössische Kunst und 19. Jahrhundert setzen konnten. Jetzt richten wir unsere ganze Kraft auf die Sammlung Rohde-Hinze – und dann auf die 250. Auktion der Villa Grisebach im Herbst.“

Micaela Kapitzky

 * Preise inkl. Aufgeld

Spektakulärer Höhepunkt der Photographie-Auktion bei Grisebach war ein langes Bietgefecht um den seltenen Vintage-Abzug „Dunkle Figur“ von Werner Rohde aus dem Jahr 1928, bei dem schließlich ein deutscher Bieter mit EUR 187.500* erfolgreich war (Schätzpreis EUR 2.000/3.000). Damit ist die ungewöhnliche photographische Komposition des Worpsweder Künstlers der teuerste Vintage-Abzug, der jemals auf einer Photographie Auktion in Deutschland versteigert wurde.

Mit einem Gesamtumsatz von EUR 906.000* wurde die diesjährige Frühjahrsauktion zur erfolgreichsten Auktion für Moderne und Zeitgenössische Photographie der Villa Grisebach (Verkaufsquote 141%).

Der zweithöchste Zuschlag der Auktion galt mit EUR 37.500* Rineke Dijkstras „Villa Franca di Xira, Portugal“, das an einen Telefonbieter aus den Niederlanden ging (Schätzpreis EUR 30.000/40.000). Ein amerikanischer Sammler ersteigerte die „Laugenblume“ von Karl Blossfeldt für EUR 27.500* (Schätzpreis EUR 22.000/32.000), während die „Komposition mit Flasche“ von Jaromir Funke für EUR 31.250* in die Schweiz ging (Schätzpreis EUR 25.000/30.000). Weitere hohe Zuschläge konnten Arbeiten von Man Ray, Elliott Erwitt, Walker Evans, André Kertesz und Sebastiao Salgado erzielen.

Hohe Preissteigerungen gab es u.a. für ein Werk von Sigmar Polke, dessen Solarisation für EUR 15.000* von einem französischen Sammler erworben wurde (Schätzpreis EUR 3.000/4.000), bei Leni Riefenstahls „Mick Jagger“, der für EUR 20.000* in eine deutsche Privatsammlung ging (Schätzpreis EUR 4.000/5.000), wie auch bei Michael Wesely, für dessen Langzeitbelichtung des New Yorker Museum of Modern Art ein amerikanischer Bieter EUR 22.500* bewilligte (Schätzpreis EUR 5.000/7.000).


Franziska Schmidt


* alle Preise inkl. Aufgeld

Eines der Hauptwerke des Grisebach-Angebots in Berlin ist ein bedeutendes Frühwerk von Vincent van Gogh. Das auf moderate 600.000/800.000 EUR geschätzte Bildnis „Profil einer Bauersfrau“ aus dem Jahre 1885 ist das kostbarste Werk von Vincent van Gogh, das in Deutschland seit1945 auf den Markt kommt. Das Ölgemälde steht in Zusammenhang mit van Goghs erstem Hauptwerk „Die Kartoffelesser“. Die lückenlose Provenienz des musealen Portraits reicht bis zu der Schwester des Künstlers zurück – zuletzt hing es einige Jahrzehnte in einer Privatwohnung in Bayern.

In der Abteilung „Ausgewählte Werke“ ragen ebenfalls Paul Klees „Das Haus zum blauen Stern“ von 1920 (200.000/300.000 EUR) und das zeitgleich entstandene sonnendurchflutete Landschaftsgemälde „Ein Sonntag“ von Max Pechstein (500.000/700.000 EUR) heraus. Mit bedeutenden Gemälden von Max Liebermann, Lovis Corinth, Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff, Erich Heckel, Oskar Schlemmer, Karl Hofer und René Magritte unterstreicht Grisebach auch diesmal seine Stellung als wichtigstes Auktionshaus für deutsche Kunst der Klassischen Moderne. Den Abschluß des Abends bildet Cy Twomblys großformatiges Werk aus dem Jahr 1981 mit einer Schätzung von100.000/150.000 EUR.


Das Angebot der Zeitgenössischen Kunst ist diesmal besonders umfangreich: Den Auftakt bildet ein Sonderkatalog mit vierzig Werken aus der „Sammlung Wandel“, alle aus dem Spannungsfeld abstrakter und konkreter Kunst; darunter ein furioses Querformat von Hans Hartung von 1960 (70.000/ 90.000 EUR), eines der ersten Volume- Bilder der legendären italienischen Künstlerin Dadamaino von 1958 (60.000/80.000 EUR) und das Arnulf Rainer- Gemälde „Die Gekämmte“ aus dem Jahr 1962 (60.000/80.000 EUR).

Darüber hinaus gibt es im Bereich „Contemporary“ ein qualitätvolles Angebot an Werken der ZERO-Künstler, die international hoch begehrt sind. Ein seltenes Gemälde von Eugen Schönebeck, ein sensibles Portrait von Maria Lassnig, ein Gemälde von Robert Rauschenberg aus dem Jahre 1989 (100.000/150.000 EUR) kommen am Freitag zum Aufruf. Mehrere Gemälde von Günther Förg, eine großformatige Photoarbeit von Andreas Gursky, eine Installation des Dänen Olafur Eliasson sowie markante Papierarbeiten von Sigmar Polke und Joseph Beuys ergänzen das Angebot.


Das 19. Jahrhundert wird angeführt von dem Gemälde „Phantasie aus der Alpenwelt“ von Carl Gustav Carus aus dem Jahre 1822 (180.000/240.000 EUR), in direkter Auseinandersetzung mit Caspar David Friedrich entstanden, und dem suggestiven Portrait eines Bauernmädchens von Wilhelm Leibl aus dem Jahre 1897, das auf 200.000/300.000 EUR geschätzt ist.


Mit über 1500 Gemälden, Photographien, Graphiken und Skulpturen sind die Frühjahrsauktionen bislang die umfangreichsten bei Grisebach (acht Kataloge). Die mittlere Schätzsumme liegt bei 17,3 Millionen EUR.


Micaela Kapitzky

Mittwoch, den 3. Juni werden über 250 Losnummern Moderner und Zeitgenössischer Photographie bei Villa Grisebach in Berlin versteigert. Zu den Ikonen der Photographiegeschichte gehören die Pflanzenbilder von Karl Blossfeldt, die er 1915–1925 für die Königlich Preussische Kunstgewerbeschule in Berlin herstellte. Mit der plastisch ins Bild gesetzten „Cotula Coronopifolia, Laugenblume“ kommt einer der seltenen, von Karl Blossfeldt selbst abgezogenen Vintage Prints zur Auktion (€ 22.000/32.000). Eine ausgesprochene Rarität ist auch das um 1929 entstandene Vintage-Photogramm des amerikanischen Photographen Walker Evans: Die geisterhafte Erscheinung einer Hand verrät surrealistischen Einfluss (€ 10.000/15.000). Beispiele piktorialistischer Photographie von Heinrich Kühn („Hans und Lotte auf der Wiese“, „Blumenstilleben“, je € 6.000/8.000) und Edward Weston („The Hand of E.M.“, € 6.000/8.000) sind ebenso vertreten wie der Portraitphotographie, u.a. von Nicholas Nixon („Brown Sisters“, € 7.000/9.000), Leni Riefenstahl („Mick Jagger“, € 4.000/6.000) und Herb Ritts („Jack Nicholson II, London“, € 4.000/6.000). Magisch anmutende Landschaften sind in Vintage Prints von Ellen Auerbach („Ain-Karim-Palestine“, € 2.500/3.500), René Burri („Kung Min-Lake. Summer Palace Beijing“, € 6.000/8.000) und Herbert List („Athen, Olympieion“, € 6.000/8.000) zu sehen.

Aus einer amerikanischen Privatsammlung kommen acht herausragende Vintage Prints, u.a. von Jaromir Funke („Komposition mit Flasche“, um 1925, € 25.000/30.000), Paul Citroen („Johnson Training again“, um 1923, € 5.000/7.000), Yva („Der Dieb“, 1926, € 6.000/8.000) und Man Ray („Adrienne mit Waschbrett“, 1938, € 10.000/15.000). Weiterhin werden im Bereich Moderne Photographie u.a. Werke von Berenice Abbott, Diane Arbus, Ilse Bing, Brassai, Henri Cartier-Bresson, Imogen Cunningham, Andreas Feininger, Will McBride, Duane Michals, Albert Renger-Patzsch, Werner Rohde, Jaroslav Rössler und Otto Steinert angeboten.

Hauptlos der Zeitgenössischen Photographie ist Rineke Dijkstras großformatiges Portrait eines portugiesischen Stierkämpfers „Villa Franca di Xira, Portugal, May 8“ (€ 30.000/40.000). Weitere Highlights sind Bernd und Hilla Bechers „Getreidesilo, Canton, Ohio, USA” (€ 15.000/20.000), Robert Mapplethorpes „Melody (Shoe)” (€ 12.000/16.000) und „Lisa Lyon” (€ 10.000/15.000) sowie Arbeiten von Philipp-Lorca diCorcia, Ruud van Empel, Elger Esser, Nan Goldin, Loretta Lux, Sebastiao Salgado, Hiroshi Sugimoto, Michael Wesely u.a.

Franziska Schmidt

Parallel zur großen ZERO-Ausstellung im Martin-Gropius-Bau widmen wir unsere zweite Ausstellung in den neuen Räumen der Fasanenstraße 27 einem Avantgardisten, der eine Integrationsfigur der ZERO-Bewegung war: Hermann Goepfert.

Hermann Goepfert verbindet man insbesondere mit seinen frühen monochromen Weißbildern, seinen Reflektoren, glänzenden, haptischen, kinetischen Wandarbeiten aus silbrigen Metallblechen, oder seinen tönenden Licht-Ton-Maschinen namens Optophonium. Der vor allem in Frankfurt am Main tätige ZERO-Künstler (1926-1982) war derjenige, der die Integration von Kunst und Architektur innerhalb der ZERO-Bewegung am stärksten vertrat und war eine ausgesprochen aktive Figur in der Kunstszene der Nachkriegszeit: Enge Freundschaften verbanden ihn mit Piero Manzoni, Jef Verheyen und Lucio Fontana. Goepfert war an bedeutendenAusstellungen der ZERO-Künstler beteiligt.

1964 war Hermann Goepfert Teilnehmer der documenta III; seine Arbeiten wurden in der berühmten Abteilung „Licht und Bewegung“ gezeigt, die bahnbrechenden neuen Strömungen in der Kunst eine Plattform bot.

Dank der freundlichen Unterstützung des Nachlasses des Künstlers ist es gelungen, die Wirkung des lichtkinetischen documenta-Raums wieder erlebbar zu machen. Neben einem späteren Optophonium zeigen wir zwei Aluminiumreflektoren, die Goepfert auf der documenta 1964 präsentierte.

Wir freuen uns, in dieser Ausstellung einen Überblick über Goepferts Schaffen der1960er und 1970er Jahre geben zu können. Es werden rund zwanzig Werke präsentiert, darunter neben verkäuflichen Arbeiten auch einige Leihgaben, die seine Vision von der Darstellung des Lichts in der bildenden Kunst veranschaulichen. Gleichzeitig erscheint eine umfangreiche Goepfert-Monographie von Beate Kemfert im Hatje Cantz Verlag, die wir am 20. März exklusiv in unseren Räumen vorstellen.

Die Ausstellung findet in Zusammenarbeit mit dem Hermann Goepfert-Nachlaß statt.

Daniel von Schacky

Unsere erste Ausstellung in den neuen Räumen für zeitgenössische Kunst in der Fasanenstraße 27 widmen wir dem Frühwerk Imi Knoebels: den von 1966 bis 1968 entstandenen Linienbildern.

Imi Knoebel, 1940 als Wolf Knoebel in Dessau geboren, ging 1964 an die Akademie in Düsseldorf, um bei Joseph Beuys zu studieren. 1965 bezog er zusammen mit Imi Giese den heute legendären Raum 19 der Akademie. Ganz bewusst stellte er sich mit seinen minimalistischen Linienbildern gegen die Kunstauffassung seines charismatischen Lehrers.

Inspiriert von Malewitschs Schwarzem Quadrat und der amerikanischen Minimal Art um Donald Judd, wählte Knoebel als Format das Rechteck und führte die Malerei auf ihre Grundelemente Linie, Fläche und den grundsätzlichen Kontrast von Schwarz und Weiß zurück. Bezogen auf die Linienbilder bezeichnete der Künstler sich selbst als einen „nach dem Anfang Suchenden“, der nichts als „die Sicherheit des puren Vierecks im rechten Winkel hat“.

Sowohl die Perfektion der Linienbilder als auch die Untersuchung der Malerei offenbaren bereits die Makellosigkeit Knoebels späterer Werke und die fortwährende Erforschung des Mediums. Mit ihren Nichtfarben gehören die Linienbilder zum Radikalsten, das Imi Knoebel geschaffen hat und sind auch für spätere Generationen von Künstlern wegweisend.

Wir freuen uns in dieser Verkaufsausstellung sechs Linienbilder zeigen zu können. Sie markieren einen ersten Höhepunkt im Schaffen Imi Knoebels und sind erstmals in Berlin zu sehen.

Die Ausstellung ist im Anschluss, vom 10. April bis 15. Mai, in unserer Düsseldorfer Repräsentanz zu sehen.

Daniel von Schacky