Pressemeldungen 2016

Mit spektakulären 34 Millionen Euro erzielte Grisebach in vier Tagen bei den Jubiläumsauktionen den höchsten Gesamtumsatz in der dreißigjährigen Geschichte des Hauses – und seit 1945 in Deutschland überhaupt.
Allein in der Auktion „Ausgewählte Werke“ wurden Kunstwerke für insgesamt 21,6 Millionen Euro versteigert. An der Spitze steht Lyonel Feiningers „Gelbe Gasse“ von 1932, die nach minutenlangem Bietgefecht zwischen Bietern im Saal und an den Telefonen von einem unteren Schätzpreis von einer Million für € 3.525.000 einem Schweizer Bieter zugeschlagen wurde. Gefolgt von Max Beckmanns „Stilleben mit brennender Kerze“, das bei einer unteren Schätzung von € 700.000 nach langem Bieten für 
€ 2.950.000 in eine amerikanische Privatsammlung verkauft werden konnte. Dies sind die beiden teuersten Kunstwerke, die bislang im Jahr 2016 in Deutschland versteigert wurden.
Zuvor wurden drei bedeutende Gemälde von Emil 
Nolde in verschiedene deutsche Sammlungen verkauft: Zwei Blumenstillleben für jeweils € 985.000 in deutsche Privatsammlungen und ein fulminantes Meerbild von Nolde für € 1.225.000 an einen Sammler in Norddeutschland.
Der aktuelle Auktionszyklus sorgte auch für die bislang erfolgreichste Versteigerung in der Sparte „Zeitgenössische Kunst“. An der Spitze steht mit € 1.153.000 ein Joseph Beuys-Portrait von Andy Warhol. Käufer war ein Sammler in Hongkong. Insgesamt wurden 5,9 Millionen Euro inklusive der zeitgenössischen Graphik umgesetzt.
Bernd Schultz, Gründer von Grisebach, bilanzierte: „Besser hätten unsere Jubiläumsauktionen nicht laufen können. Wir freuen uns, dass uns so viele besondere Kunstwerke anvertraut wurden – und dass der Markt bereit ist, dafür auch in Deutschland außergewöhnliche Preise zu zahlen.“

Micaela Kapitzky
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micaela.kapitzky@grisebach.com

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In der Herbstauktion für Moderne und Zeitgenössische Photographie am 30. November wurde ein Gesamtumsatz von 522.500 EUR* erzielt (Verkaufsquote 90%). Der höchste Zuschlag galt Albert Renger-Patzschs Ikone „Das Bäumchen“, das in der kleinen Abzugsgröße einen internationalen Auktionshöchstpreis erzielte. Nach längerem Bietgefecht konnte sich ein amerikanischer Sammler mit 70.000 EUR* durchsetzen (Schätzpreis 20.000–30.000 EUR). Heftig gerungen wurde auch um drei Vintage-Abzüge mit Entwürfen von Ludwig Mies van der Rohe (Photo: Curt Rehbein), die schließlich alle von einem privaten Sammler aus Deutschland ersteigert werden konnten. Die Aufnahme des Modells „Gläserner Wolkenkratzer“ erzielte 35.000 EUR* (Schätzpreis 15.000–25.000 EUR). Der Abzug einer Photomontage zur „Wabe”, einem Projekt in der Berliner Friedrichstraße, wurde bei 31.875 EUR*, die Photographie einer Zeichnung zur „Wabe“ bei 50.000 EUR* zugeschlagen (Schätzpreise je 10.000–20.000 EUR).
Ihre Schätzungen deutlich erhöhen konnten u.a. Andreas Feiningers Vintage „N.Y.–3rd ave“ mit 8.000 EUR* (Schätzpreis 3.000–4.000 EUR) und Evelyn Richters „Wartburg“ mit 4.500 EUR* (Schätzpreis 1.200–1.500 EUR), zugeschlagen jeweils an deutsche Privatsammler. Hohe Zuschläge im Bereich der Zeitgenössischen Photographie gab es z.B. für eine unbetitelte Arbeit von Francesca Woodman, die für 16.250 EUR* in den englischen Handel ging (Schätzpreis 12.000–15.000 EUR) und für Greg Gormans „Grace Jones in Hat“, ersteigert von einem deutschen Sammler für 6.500 EUR* (Schätzpreis 1,800–2.200 EUR).

Franziska Schmidt
T 030 885915 27
franziska.schmidt@grisebach.com


* Alle Ergebnisse inklusive Aufgeld

Berlin, 16. November 2016: Zum dreißigjährigen Jubiläum kann Grisebach das bislang größte Angebot seiner Geschichte präsentieren: Kunstwerke zu einem mittleren Schätzwert von 29 Millionen Euro werden vom 30. November bis zum 3. Dezember in Berlin versteigert.

An der Spitze der Offerte stehen mehrere herausragende Gemälde des deutschen Expressionismus: Darunter zwei großformatige Blumengärten und ein Meerbild von Emil Nolde (zwischen € 800.000 und 1.000.000) und ein seltenes frühes Stillleben von Max Beckmann aus den 1920er Jahren (€ 700.000/1.000.000). Elisabeth Gerhardt, Lebensgefährtin und Muse von August Macke, inspirierte den Künstler zu drei Werken, die in der Grisebach-Auktion versteigert werden, darunter das „Nackte Mädchen mit roter Blume“ aus dem Jahr 1911 (€ 700.000/900.000).

Eine Ikone der Neuen Sachlichkeit ist Anton Räderscheidt’s „Haus Nr. 9“ von 1921, das 1925 in der legendären und namensgebenden Ausstellung in Mannheim ausgestellt war (€ 350.000/450.000).

Die Künstler vom Bauhaus sind unter anderem durch zwei Gemälde Lyonel Feiningers, darunter die spektakuläre Komposition „Gelbe Gasse“ von 1932 (€ 1.000.000/ 1.500.000) sowie durch die „Burg auf dem Riff“ von Paul Klee, 1927 (€ 500.000/ 700.000) vertreten.

Das Angebot, das zeitlich von vier Gemälden Max Liebermanns, darunter ein eindrucksvolles, lebensgroßes Selbstbildnis (€ 300.000/400.000) und ein „Restaurationsgarten in Leiden“ (€ 500.000/700.000) bis zu drei Gemälden des südamerikanischen Künstlers Fernando Botero reicht, unterstreicht nachdrücklich Grisebachs Position als Marktführer im Bereich der Moderne in Deutschland. Mit zwei Werken von René Magritte, sowie einem Gemälde von Ben Nicholson ist die Offerte diesmal zudem international ausgerichtet.

Das werthaltigste Angebot seiner Geschichte kann Grisebach auch im Bereich der „Zeitgenössischen Kunst“ präsentieren. Hier sorgen für internationales Interesse zwei wichtige Kunstwerke der amerikanischen Pop-Art: Andy Warhols berühmtes Portrait von Joseph Beuys (€ 400.000/600.000) und Robert Indianas legendäre Skulptur „LOVE“ (€ 300.000/400.000). Die deutsche ZERO-Bewegung ist unter anderem mit einem frühen weißen Raster-Bild von Otto Piene vertreten, das 1957 begonnen wurde (€ 250.000/ 350.000) und einem zweiteiligen großen, spektakulären Nagelrelief von Günther Uecker „Gespaltenes Feld“ (€ 400.000/600.000).

Bernd Schultz: „Ich freue mich, daß uns zu unserem Jubiläum solch eine herausragende Kollektion außergewöhnlicher Kunstwerke anvertraut wurde, die schon jetzt begeisterte Reaktionen aus dem In- und Ausland hervorruft.“

Micaela Kapitzky

Bernd Schultz wird 75 – Florian Illies übernimmt an seiner Stelle gemeinsam mit Micaela Kapitzky die Führung

Grisebach gibt sich zum 1. Januar 2017 eine neue Führungsstruktur: Bernd Schultz wird sich mit dem Ablauf seines 75. Lebensjahres aus dem Tagesgeschäft zurückziehen. Nachdem er das Auktionshaus 1986 mitgegründet und lange Jahre allein geführt hatte, teilte er diese Verantwortung seit 2005 mit Micaela Kapitzky. Nun tritt zum 1. Januar Florian Illies an seine Stelle und wird Grisebach gemeinsam mit Micaela Kapitzky führen. Nach außen wird Illies die Gesellschaft als Sprecher der Geschäftsführung vertreten. Bernd Schultz wird Grisebach eng verbunden bleiben und auch über seine Position des Mehrheitsgesellschafters aktiv an der Zukunft des Auktionshauses weiter mitwirken. Florian Illies übernimmt – zusätzlich zur „Kunst des 19. Jahrhunderts“ – ab sofort auch die Verantwortung für die Abteilung „Zeitgenössische Kunst“ bei Grisebach. Vom 30. November bis zum 3. Dezember finden die Jubiläumsauktionen zum 30-jährigen Bestehen der Villa Grisebach statt. Mit einem mittleren Schätzwert von 28 Millionen Euro und einer Anzahl von 1517 Kunstwerken wird dies die qualitativ und quantitativ größte Auktion in der Geschichte des Hauses.

Auktion Nr. 263
am 30. November 2016, 18.00 Uhr

Berlin, 28. Oktober 2016: Am Mittwoch, den 30. November werden bei Grisebach in Berlin ca. 200 Losnummern Moderner und Zeitgenössischer Photographie versteigert.

Aus einer französischen Privatsammlung kommen drei Vintage-Kontaktabzüge zur Auktion, die die legendären Hochhausprojekte Ludwig Mies van der Rohes dokumentieren. Mies van der Rohes Entwürfe für die „Wabe“ an der Berliner Friedrichstraße 1921/1922 sowie für einen „Gläsernen Wolkenkratzer“ 1922 gelten als Ikonen der Architekturgeschichte. Curt Rehbein, der als Photograph für den Architekten tätig war, fertigte die Abzüge, die zu den wenigen erhaltenen Zeitzeugnissen dieser Entwürfe gehören und alle rückseitig den Atelierstempel Mies van der Rohes tragen. Die Aufnahme des dreidimensionalen Modells des „Gläsernen Wolkenkratzers“ (Schätzpreis € 15.000/25.000) zeigt besonders eindrucksvoll das Innere der radikal neuen architektonischen Konstruktion. Zwei Vintages mit dem Motiv der „Wabe“ zeigen eine berühmte Photomontage, deren Original heute als verschollen gilt, sowie wahrscheinlich eine Vorlage der im New Yorker Museum of Modern Art aufbewahrten Kohlezeichnung Mies van der Rohes (je € 10.000/20.000).

In einem seltenen Pigmentdruck kombiniert der tschechische Photograph Frantisek Drtikol um 1925 eine weibliche Aktdarstellung mit einem Stilleben. Die raffinierte Komposition bezeugt Drtikols besondere Stellung zwischen Tradition und modernen Gestaltungsformen (€ 40.000/50.000). Nur wenige Jahre später gelang Albert Renger-Patzsch mit seinem bekannten „Bäumchen“ (1929) ein Meisterwerk aus photographischer Präzision und künstlerischer Inszenierung der Landschaft. In der Auktion wird ein besonders gut erhaltener Vintage Abzug aus der Sammlung Josef Dickerhoff angeboten (€ 20.000/30.000). Zum Angebot der Modernen Photographie gehört außerdem das Portfolio „Erste Landung/New York“ mit Aufnahmen des Künstlers George Grosz von seiner Ankunft in New York 1932, die von Gerd Sander nach originalen Vorlagen 1977 neu angefertigt wurden (€ 10.000/15.000), sowie Arbeiten von David Bailey, Erwin Blumenfeld, Elliott Erwitt, Andreas Feininger, Rudolf Koppitz, Heinrich Kühn, Helmar Lerski, Tata Ronkholz, Otto Steinert u.a.

Versteigert werden weiterhin 11 Photographien von Albert Renger-Patzsch aus der Sammlung Adalbert und Thilda Colsman, intensive Aufnahmen von Landschaften und Bäumen aus den 1940er bis 1960er Jahren (€ 2.000/3.000 bis € 3.000/4.000). Diese Photographien können in einer Sonderpräsentation bis Ende November in unseren Räumen in der Fasanenstraße 25 besichtigt werden.

Im Bereich der Zeitgenössischen Photographie ist William Wegmans Konvolut „Letters, Numbers, Punctuation“ hervorzuheben, in dem die Buchstaben des Alphabets, Zahlen und Satzzeichen von Wegmans Weimaraner Hunden als surreal wirkende, „lebende Bilder“ dargestellt werden (€ 20.000/30.000). Zu den Highlights in diesem Segment gehören außerdem Elger Essers Panorama „Lyon II“ (€ 12.000/15.000), Gunter Sachs’ Aufnahme „Ascot“ (€ 20.000/30.000) oder Steven Kleins Inszenierung der Schauspieler Brad Pitt und Angelina Jolie in „Case Study # 30“ (€ 12.000/15.000). Weiterhin werden Arbeiten von Nobuyoshi Araki, Peter Beard, Helmut Newton, Walter Niedermayr, Jörg Sasse, Reinhart Wolf, Tom Wood u.a. angeboten.

Franziska Schmidt

T 030 885915 27
franziska.schmidt@grisebach.com

Daniel von Schacky verlässt zum 1. August  auf eigenen Wunsch die Grisebach GmbH. Er hegt seit langem den Wunsch, sich selbständig zu machen und eigene unternehmerische Wege zu gehen. Im letzten Jahrzehnt hat er die zeitgenössische Kunst in der Villa Grisebach als größte Umsatzsäule nach der Klassischen Moderne etabliert und gezeigt, dass in Deutschland Spitzenpreise für internationale zeitgenössische Künstler von Joseph Beuys und Sigmar Polke bis Thomas Demand erzielt werden können.

Wir bedauern seinen Entschluss, da wir mit ihm einen erfolgreichen und geschätzten Geschäftsführer und Kollegen verlieren. Wir danken ihm auch an dieser Stelle für seine Leistungen und wertvollen Beiträge für die Grisebach GmbH. Wir wünschen ihm beruflich wie privat alles Gute und weiterhin viel Erfolg.

Bernd Schultz

Die Gemälde von Emil Nolde, Otto Mueller und Adolph Menzel, die jeweils über eine Million EUR erzielten, markieren die Höhepunkte der Frühjahrsauktionen von Grisebach  in Berlin. Emil Noldes „Weiße Wolken“ von 1926 steht mit EUR 1,5 Millionen* (Schätzung EUR 1,2-1,5 Millionen) dabei preislich an der Spitze. Es stammt aus der hochkarätigen Expressionisten-Sammlung von Adalbert und Thilda Colsman, die in einem Sonderkatalog gewürdigt und fast vollständig verkauft wurde. Kurz darauf erzielte mit EUR 1,225 Millionen Otto Muellers „Zwei Mädchen mit gegabeltem Baum“aus dem Jahre 1916. Erwerber war ein skandina-visches Museum. Damit wurde die Marktführerschaft von Grisebach im Bereich der Klassischen Moderne eindrucksvoll unterstrichen. Dazu gehören auch die EUR  325.000 (Schätzung EUR 180-240.000), die von einem deutschen Privatsammler gegen deutsche und internationale Museen für das ikonische Männerbildnis des Kölners Anton Räderscheidt aus dem Jahre 1921 bezahlt wurden – ein Auktionsrekord für den Künstl

Adolph Menzels Pastell „Emilie in roter Bluse“, das an die Erben von Rudolf Mosse restituiert worden war, wurde für EUR 1,05 Millionen, dem fast dreifachen Schätzpreis, an einen Schweizer Privatsammler verkauft. Bereits vor der Auktion war es Grisebach gelungen, Ludwig von Hofmanns Symbolbild „Frühlingssturm“ ebenfalls aus der Sammlung Mosse an einen privaten Mäzen zu vermitteln, der es dem Museum auf der Mathildenhöhe in Darmstadt zur Verfügung stellen wird. So erbrachte die Auktion „Kunst des 19. Jahrhunderts“ insgesamt EUR 3,1 Millionen und verdoppelte damit fast die mittlere Schätzung.

Insgesamt hatte Grisebach sehr großen Erfolg mit Sammlungen, die dem Haus anvertraut wurden. Neben Werken aus den Sammlungen Colsman, Mosse sowie der Kollektion Eugen Roth verkaufte sich auch die Sammlung Klütsch mit konkreter deutscher Nachkriegskunst hervorragend. Bei einer mittleren Schätzung von EUR 170.000 erzielte die Sammlung einen Umsatz von über EUR 460.000, und dies mit hohen Zuschlägen für Werke von Günther Uecker, Klaus Staudt und Adolf Luther. An der Spitze der mit einem Bruttoumsatz von über EUR 3 Millionen sehr erfolgreichen Auktion „Zeitgenössische Kunst“ stand mit EUR 500.000 ein Spätwerk des japanischen Malers Kazuo Shiraga, das in eine französische Privatsammlung wechselt. An der Spitze der sehrerfolgreichen deutschen Kunst der 1970er und 1980er Jahre sticht mit EUR 87.000 (Schätzung EUR 30.000 bis 40.000) ein Ziegel-Kaviarbild von Georg Herold hervor.

Insgesamt wurden an den vier Tagen in sieben Auktionen 1500 Kunstwerke für zusammen EUR 18,8 Millionen verkauft bei einer mittleren Schätzung von EUR 19,5 Millionen.

Im Herbst feiert Grisebach 30jähriges Bestehen und wird dieses Ereignis mit einer großen Jubiläumsauktion feiern.

Micaela Kapitzky


* Alle Ergebnisse inkl. Aufgeld

Im vierten Jahr des Bestehens bricht die „ORANGERIE Ausgewählte Objekte“ dem wiedererweckten Publikumsinteresse an den alten Künsten die Bahn. Nach einer Aufsehen erregenden Präsentation in der Villa Grisebach anlässlich der Vorbesichtigung und mit wieder gesteigerter Nachfrage bei den Saalbietern in der Auktion liegt die Verkaufsquote bei 75%.

Lebhaft begann die Auktion mit der marktfrischen und nach umfangreicher Forschung Daniel Fröschel, Maler am Hof Kaiser Rudolfs II., zugeordneten Miniatur „Der Sündenfall“. Ein bedeutendes  bedeutendes Museum in den USA sicherte sich dieses Kunstkammerstück für 47.500 Euro.

Ebenso verdoppelte sich der Preis gegenüber dem Startpreis bei Richard Müllers nackter „Circe“. Für 125.000 Euro ging dieses Hauptwerk des Malers an einen deutschen Sammler.

Begehrt waren auch Kleinmöbel des 18. Jahrhunderts aus Frankreich und Mid-Century-Design-Objekte, die besonders die junge Käuferschicht von GRISEBACH erreichten.

Im Markttrend blieb hingegen das Ergebnis des Zylinderbureaus von Abraham Roentgen (75.000 Euro). Dies zeigt, wie günstig Spitzenwerke der Möbelkunst momentan zu erwerben sind. Mit einem Zuschlag unter dem Limit blieb das „Grand bureau de la Chine“ in Boulle-Technik von Hendrik van Soest (75.000 Euro) mit seiner überragenden Qualität vom großen Publikum „unentdeckt“ und erfreut nun einen wirklichen Kenner.

Beim klassischen Kunstgewerbe erreichten endlich auch wieder Kunstwerke des Berliner Klassizismus Spitzenpreise: Darunter ein Kronleuchter nach Karl Friedrich Schinkels Entwurf (50.000 Euro) wie auch die Micromosaik-Kratervasen der KPM (38.740 Euro).

Es bedarf weiterer Anstrengungen diesen vergessenen Markt wieder zu beleben, wofür sich GRISEBACH leidenschaftlich einsetzt.

Die Ergebnisse der ORANGERIE beweisen, dass marktfrische und durch gute Provenienzüberlieferung gesicherte Werke höchst erfolgreich sein können. So wechselte eine lombardische Maria-Lactans-Skulptur aus einer ehemaligen und bedeutenden Madrider Kunsthandlung für 62.500 Euro an eine berühmte Londoner Kunsthandlung. Fast alle Werke aus dem Nachlass von Hanns Eisler gingen an ein deutsches Museum und werden künftig in einer Dauerausstellung gezeigt.

Die nächste ORANGERIE-Auktion findet im Rahmen der Jubiläumsauktionen „30 Jahre GRISEBACH“ im Herbst statt. Mit dem magazinartigen Katalog und dem „cross over“ der Kunstwerke aller Gattungen und Epochen soll das Außergewöhnliche effektvoll in Szene gesetzt werden.

Dr. Stefan Körner

* Alle Ergebnisse inkl. Aufgeld

In der Frühjahrsauktion für Moderne und Zeitgenössische Photographie am Mittwoch, den 1. Juni stieß das „Negativ-Portrait Wera Meyer-Waldeck“, ein äußerst seltener Vintage-Abzug der Bauhausphotographin Gertrud Arndt, auf großes Bieterinteresse und erzielte mit 52.500 EUR* (Schätzpreis 10.000-15.000 EUR) einen internationalen Auktions-Rekordpreis für die Photographin (Privatsammlung, Schweiz). Teuerstes Los der Auktion wurde Peter Beards Portrait des Pop Art Künstlers Andy Warhol, das für 70.000 EUR* (Schätzpreis 50.000–70.000 EUR) von einem deutschen Sammler erworben wurde. Peter Keetmans unikates „Konvolut für Bernd Lohse“ ging für 56.250 EUR* (Schätzpreis 45.000-55.000 EUR) nach Großbritannien.

Hohe Zuschläge gab es darüberhinaus für das großformatige „Portrait A. Roters“ von Thomas Ruff, das für 31.250 EUR* (Schätzpreis 25.000-30.000 EUR) einem amerikanischen Sammler zugeschlagen wurde und für das 1921 von Edward Steichen plastisch mit Licht modellierte Vintage „Sonnenblume“, das für 25.000 EUR* (Schätzpreis 20.000–30.000 EUR) ebenfalls in eine amerikanische Sammlung ging. Zwei weitere Arbeiten von Peter Beard, den übergroßen Abzug „Large Tusker“ und das kleinformatige Bild „Giraffes in Mirage“ wurden für jeweils 23.750 EUR* an deutsche Sammler verkauft (Schätzpreise 20.000–30.000 EUR/ 10.000-15.000 EUR). Hiroshi Sugimotos „Red Sea, Safaga“ wurde für 22.500 EUR* (Schätzpreis 18.000-22.000 EUR) ebenfalls von einem deutschen Privatsammler erworben.

Einen weiteren Auktionsrekord erzielten zwei frühe Arbeiten zum Thema „Trinkhallen“ von Tata Ronkholz. Für 9.750 EUR* bzw. 9.375 EUR* wurden sie von einem deutschen Bieter ersteigert (Schätzpreis jeweils 2.500-3.500 EUR).

Insgesamt wurde ein Gesamtumsatz von 601.187 EUR* erzielt (Verkaufsquote 84%).

 

* alle Ergebnisse inkl. Aufgeld

Wir freuen uns mitteilen zu können, daß sich die Erben nach Rudolf Mosse bereiterklärt haben, dem Gemälde „Der Frühlingssturm“ von Ludwig von Hofmann den Weg zurück in das Museum „Mathildenhöhe“ in Darmstadt zu ermöglichen. Es war an die Erben restituiert worden und sollte am 1. Juni bei Grisebach in Berlin versteigert werden. Grisebach konnte vor der Auktion den Rückkauf des Bildes für Darmstadt durch einen deutschen Mäzen vermitteln. Er wird das Bild dem Museum als unbefristete Dauerleihgabe zur Verfügung stellen. 

Die Sammlung Rudolf Mosses, der große Berliner Zeitungsverleger und Philanthrop der 1910er und 1920er Jahre, war bereits 1934 zwangsversteigert worden. Das Werk von Ludwig von Hofmann war danach seit sieben Jahrzehnten in Darmstadt als Symbolbild des deutschen Jugendstils ausgestellt.

Eric Bartko, der Sprecher der Mosse-Erben betont: „Wir freuen uns, daß das Hauptwerk des deutschen Jugendstils wieder in die Mathildenhöhe in Darmstadt zurückkehrt. Das Bild hatte eine zentrale Bedeutung für Rudolf Mosse - und es hat eine zentrale Bedeutung für Darmstadt bekommen. Wir sind dankbar, dass Grisebach eine Lösung mit einem privaten Sammler gefunden hat, die das Bild zurück nach Darmstadt bringt und dass das Auktionshaus auf ein internationales Bietgefecht verzichtet hat.

Micaela Kapitzky: „Wir freuen uns, dass es uns vor der Auktion in der letzten Woche gelungen ist, dass dieses herausragende Bild der deutschen Öffentlichkeit erhalten bleibt. Wir danken den Erben für Ihre Kooperationsbereitschaft und dem Mäzen für seine Großzügigkeit.“

 

In den Frühjahrsauktionen vom 1. bis 4. Juni 2016 bietet Grisebach 1487 Gemälde, Photographien, Graphiken, Skulpturen und Objekte an. Die Werke verteilen sich auf sechs Bereiche in acht Katalogen: 19. Jahrhundert, Ausgewählte Werke, Moderne Kunst, Sammlung Adalbert und Thilda Colsman, Zeitgenössische Kunst, Photographie, ORANGERIE und Third Floor. Die mittlere Schätzsumme  aller  zur  Auktion   stehenden  Werke und Objekte liegt bei 19,5 Millionen Euro.

Kunst des 19. Jahrhunderts

Die Abteilung Kunst des 19. Jahrhunderts präsentiert über 130 Lose, darunter bedeutende Werke der Sammlungen Rudolf Mosse und Eugen Roth.

Die Kunstsammlung des Berliner Zeitungsverlegers Rudolf Mosse war im Jahre 1934 die erste, die von den Nationalsozialisten zwangsversteigert wurde. Nach intensiven Verhandlungen wurden drei Hauptwerke der Sammlung aus deutschen und Schweizer Museen an die Erben nach Rudolf Mosse restituiert und von der Rudolf Mosse Erbengemeinschaft an Grisebach übergeben.

Es sind bedeutende Werke der Kunst des 19. Jahrhunderts, die jetzt in dem Berliner Auktionshaus versteigert werden: Adolph Menzels Pastell „Emilie, die Schwester des Künstlers, in roter Bluse“ (Schätzpreis € 300.000-400.000), Wilhelm Leibls „Bildnis des Appellationsrats Stenglein“ (€ 120.000-150.000) und Ludwig von Hofmanns „Frühlingssturm“ (€ 200.000-300.000), eines der zentralen Bilder des deutschen Jugendstils.

Eugen Roth (1895-1976) war nicht nur ein renommierter Dichter, der vor allem für seine „Ein Mensch“-Gedichte berühmt ist. Er hat auch zeitlebens besessen Zeichnungen des 19. Jahrhunderts gesammelt. Viele Jahre lagen sie unberührt in Eugen Roths Grafikschrank. Aus dem Nachlass kann Grisebach ein großes Konvolut bedeutender Blätter der frühen Romantik versteigern (Schätzpreise zwischen € 1.000 und 30.000).

Ausgewählte Werke, Moderne Kunst und
Sonderkatalog Sammlung Colsman

In einem Sonderkatalog fasst Grisebach für die Frühjahrsauktionen 20 Werke aus der Sammlung von Adalbert und Thilda Colsman zusammen, darunter Emil Noldes „Weiße Wolken“ (€ 1.200.000 – 1.600.000) und Christian Rohlfs’ „Blaue Berge“  (€ 120.000 – 150.000). Der Seidenfabrikant Adalbert Colsman hatte einen einzigartigen Zugang zur Kunst, der ihn nachhaltig prägte: Als Bruder von Gertrud und Schwager von Karl Ernst Osthaus lebten er und seine Frau Thilda im unmittelbaren Umfeld des Gründers des Folkwang Museums, dem ersten Museum weltweit, das sich vorrangig der Gegenwartskunst widmete. Das Sammlerpaar pflegte freundschaftlichen Kontakt zu Christian Rohlfs, Ewald Mataré, Otto Dix und anderen Künstlern. Mit Ada und Emil Nolde waren sie über 50 Jahre eng verbunden. Colsmans unterstützten den Maler und seine Frau durch Ankäufe in schwierigen Zeiten und gewährten einigen von Noldes Bildern in Zeiten des Malverbots Asyl.

Zu den weiteren Höhepunkten im Bereich Moderne Kunst gehören Arbeiten von Otto Mueller, Lovis Corinth, George Grosz, Anton Räderscheidt und Konrad Klapheck.

Otto Muellers mit € 1.000.000 bis 1.500.000 bewertetes Werk „Zwei Mädchen mit gegabeltem Baum“, um 1916/17, wurde erstmals in der Berliner Secession 1917 ausgestellt und ist charakteristisch für die Malerei von Otto Mueller.

In seiner Münchner Zeit von 1891 bis 1901 traf Lovis Corinth oft Max Halbe und malte den Dramatiker und seine Familie. Aus dieser Zeit stammt das Portrait von Berta Heck, der Schwester von Halbes Frau Luise (€ 280.000 – 340.000). Corinth verbindet hier die Nahsicht auf die Portaitierte mit einem weit ausgreifenden Landschaftspanorama.

George Grosz berichtete 1925 seinem Freund Mark Neven DuMont nach einer langen Reise, dass er nun fleißig an „water colours“ arbeite. Eines dieser Werke, das Aquarell „Drinnen und Draußen“, das nun bei Grisebach mit € 200.000 – 300.000 angeboten wird, war bereits in den Jahren nach der Fertigstellung ein vielbeachtetes Werk und in Ausstellungen u.a. im Kunsthaus Zürich und in der Galerie Flechtheim 1930 zu sehen.

Anton Räderscheidts Bild „Junger Mann mit gelben Handschuhen“ von 1921 (€ 180.000 – 240.000 ) entstammt der zentralen Werkphase des Künstlers, mit der er zu einem der wichtigsten Vertreter des „Magischen Realismus“ in Deutschland avancierte.

Eduardo Chillida, Schöpfer grandioser Monumentalplastiken wie der „Windkämme“ an der Steilküste bei San Sebastián, der Skulpturengruppe „Berlin“ vor dem Berliner Bundeskanzleramt, war auch ein Meister des kleinen Maßstabs. Das beweist die Arbeit „Óxido 61“ aus gebranntem Ton aus dem Jahr 1981, die bei Grisebach bei € 200.000–300.000 liegt.

Zum Aufruf kommt neben den insgesamt rund 270 Losen aus diesem Bereich auch Konrad Klaphecks „Vergebliches Warten“ (€ 90.000 – 120.000), das 1966 erstmals in einer Einzelausstellung in der Kestner-Gesell-schaft Hannover zu sehen war. Der Künstler blickte zu diesem Zeitpunkt auf gerade einmal elf Schaffensjahre zurück. Heute zählen diese Arbeiten Klaphecks, in denen Mensch und Objekt verschmelzen, zum internationalen Kunstgut.

Zeitgenössische Kunst

 An der Spitze dieser Abteilung mit rund 140 Losen steht mit einem Schätzpreis von € 500.000 – 700.000 Kazuo Shiragas „KINKO. Bunt wie Herbstblätter“. Kein anderer war so sehr Körpermaler wie der Japaner. Shiragas Kunst der vulkanischen Farbflüsse vereint die Disziplin der Zen-Malerei mit dem gestischen Informalismus, die die Westkunst der Nachkriegsepoche bestimmt hat.

Sigmar Polkes „Ohne Titel (Münster 1973)“ zeigt ein in die Mitte des Bildes gesetztes Paar während des Geschlechtsaktes. So statisch der Akt mittels weniger Linien wiedergegeben ist, so emotional aufgeladen ist der Farbklang der Komposition. Es ist, als hätte Sigmar Polke sich von außen nach innen zum Zentrum des Geschehens vorgearbeitet (Schätzpreis € 120.000 – 150.000).

Es ist die große Meisterschaft Neo Rauchs, dass er den Betrachter in eine vollkommene Verunsicherung stürzt. In „Garten im Sturm“ (Schätzpreis € 100.000 – 150.000) zeigt Rauch einzigartig einen archaischen Kampf der Sphären um die Deutungshoheit.

Düstere Stimmungen, Traum, das Unbewusste, Abgründige, Mystik, Fabelwesen, leichenblasse Haut – offenkundig ist Martin Eders faszinierendes Gemälde „Die Schlaflosen“ (€ 50.000 – 70.000) im Zuge einer Auseinandersetzung mit der Schwarzen Romantik entstanden.

Die Sammlertätigkeit des saarländischen Unternehmers Dietmar Klütsch nahm ihren Anfang Mitte der 1980er Jahre und führt als Schwerpunkt wichtige Bespiele der konkreten Kunst und der Zero Bewegung. Die Auswahl bei Grisebach umfasst Werke von nther Uecker, Adolf Luther, Klaus Staudt, Leo Erb, Hermann Bartels und Raimer Jochims. Die Sammlung Klütsch wurde zuletzt in einer umfassenden Ausstellung im Museum Haus Ludwig für Kunstausstellungen Saarlouis gewürdigt.

Der „Weltempfänger“ von 2015 geht auf ein ereignisreiches Jahr im Leben von Isa Genzken zurück: 1982 nahm die Künstlerin an der Biennale in Venedig und der documenta in Kassel teil. Und es ist das Jahr, in dem sie ein herkömmliches Radiogerät, einen Weltempfänger, auf einem weißen Sockel postiert und es zum Kunstwerk erklärt. „Weltempfänger“ (Taxe: € 20.000–30.000) ist eine Spende der Künstlerin. Der Erlös kommt dem Verein KINDerLEBEN - Verein zur Förderung der Klinik für krebskranke Kinder e.V. zugute.

Photographie

Allein über 230 Losnummern moderner und zeitgenössischer Photographie werden im Rahmen der Frühjahrsauktionen bei Grisebach versteigert.

Zu den Raritäten auf dem Auktionsmarkt gehören Vintage-Abzüge, u.a. von Gertrud Arndt, Edward Steichen, André Kertész und Iwao Yamawaki. Das von Gertrud Arndt 1930 durch Schwarzweiß-Umkehrung gestaltete „Negativ-Portrait Wera Meyer-Waldeck“ zählt zu den „Klassikern“ der Bauhaus-Photographie (€ 10.000 - 15.000). Absolute Präzision und konzentrierte Lichtführung kennzeichnen Edward Steichens Studie einer Sonnenblume von 1921 (€ 20.000 - 30.000), während der ungarische Photograph André Kertész auf seinen Streifzügen durch Paris die ungewöhnlichen Momente und Begegnungen im Alltäglichen entdeckte (€ 20.000 -25.000). Eine einzigartige Zusammenstellung an Hauptwerken bietet Peter Keetmans „Konvolut für Bernd Lohse“, das der Photograph in den 1970er Jahren selbst auswählte und dem Publizisten Bernd Lohse schenkte (€ 45.000 - 55.000). Außerdem werden u.a. Vintages von Erwin Blumenfeld, Albert Renger-Patzsch, Tata Ronkholz, Otto Steinert, Josef Sudek und Fred Zinnemann versteigert.

Ursprünglich aus der Sammlung von Tom Jacobson stammen seltene Photographien des japanischen Architekten und Photographen Iwao Yamawaki, der von 1930 bis 1932 am Dessauer Bauhaus studierte. In dieser Zeit entstanden seine Aufnahmen moderner Architektur (Schätzpreise von € 3.000 bis € 5.000).

Zu den Höhepunkten aus dem Bereich der Zeitgenössischen Photographie gehören vier Arbeiten von Peter Beard, darunter ein Portrait von Andy Warhol in unikater Ausführung (€ 50.000 - 70.000) und ein übergroßer Abzug von „Large tusker“ (€ 20.000 - 30.000). Weiterhin hervorzuheben sind zwei Diasec-Arbeiten von Thomas Ruff (€ 22.000 - 28.000 / 25.000 – 30.000), das Portfolio „Aktion in einem Kreis“ von Günter Brus (€ 6.000 - 8.000) sowie Arbeiten von Robert Mapplethorpe, Hiroshi Sugimoto, Deborah Turbeville.

ORANGERIE Ausgewählte Objekte

Der Katalog der Sparte „ORANGERIE Ausgewählte Objekte“ zeigt magazinartig die schönen Künste im Crossover und beschreibt in Texten von Gesine Schwan, Margit J. Mayer, Simon Strauss und Wolfgang Uchatius deren „Konversations-qualitäten“. Unter den knapp 90 Losen sind auch Objekte aus dem Nachlass des Komponisten Hanns Eisler (1898–1962). Grisebach präsentiert im Auftrag der Erben dessen persönliche Geschenke von Künstlerfreunden wie Gustav Seitz und Fritz Cremer, darunter die Büste von Eislers bestem Freund Bertolt Brecht. Die Totenmaske und der Flügel des Komponisten verbinden Kunst- mit Kulturgeschichte.

Highlights der ORANGERIE sind ein Schreibkabinett von Hendrik van Soest (um 1700, Taxe: € 100.000 – 120.000) und ein Zylinderbureau von Abraham Roentgen (um 1770, Taxe: € 50.000 – 70.000). In leuchtend rotem Schildpatt einerseits und der duftigen Noblesse des Mahagoni andererseits sind dies Spitzenmöbel ihrer Zeit und Synonym für Qualität, Innovation und höchsten Luxus.


Die ORANGERIE bei Grisebach will außergewöhnliche Objekte zeigen und neue Türen zu den Angewandten Künsten öffnen. Dafür werden die Kunstwerke in inspirierender Mischung gezeigt: Der Bogen reicht vom gemalten Kunstkammer-stück von Daniel Fröschel, über Augentäuschungen aus italienischer Fayence, Prototypen von Ron Arads Designklassikern, über die Wiederentdeckung der „Ringer“-Skulptur von Reinhold Begas bis hin zu den gewebten Haschisch-Visionen aus dem marokkanischen Atlasgebirge – in Form von Berberteppichen aus den 1970ern.

Am Mittwoch, den 1. Juni werden bei Grisebach in Berlin über 230 Losnummern Moderner und Zeitgenössischer Photographie versteigert.

Zu den Raritäten auf dem Auktionsmarkt gehören Vintage Abzüge, u.a. von Gertrud Arndt, Edward Steichen, André Kertész und Iwao Yamawaki. Das von Gertrud Arndt 1930 durch Schwarzweiß-Umkehrung innovativ gestaltete „Negativ-Portrait Wera Meyer-Waldeck“ zählt zu den „Klassikern“ der Bauhaus Photographie (€ 10.000/15.000). Absolute Präzision und konzentrierte Lichtführung kennzeichnen Edward Steichens Studie einer Sonnenblume von 1921 (€ 20.000/30.000), während der ungarische Photograph André Kertész auf seinen Streifzügen durch Paris die ungewöhnlichen Momente und Begegnungen im Alltäglichen entdeckte wie in seiner 1929 entstandenen Aufnahme hölzerner Karussellpferde (€ 20.000/25.000). Eine einzigartige Zusammenstellung an Hauptwerken bietet Peter Keetmans „Konvolut für Bernd Lohse“, das der Photograph in den 1970er Jahren selbst auswählte und dem Bildjournalisten und Publizisten Bernd Lohse schenkte (€ 45.000/55.000). Außerdem werden u.a. Vintages von  Erwin Blumenfeld, Albert Renger-Patzsch, Tata Ronkholz, Otto Steinert, Josef Sudek und Fred Zinnemann versteigert.

Ursprünglich aus der Sammlung von Tom Jacobson stammen seltene Photographien des japanischen Architekten und Photographen Iwao Yamawaki, der von 1930–1932 am Dessauer Bauhaus studierte. In dieser Zeit entstanden seine Aufnahmen, v.a. von moderner Architektur, die Yamawaki im Stil des „Neuen Sehens“ in Szene setzte (Schätzpreise von € 3.000 bis € 5.000).

Zu den Höhepunkten aus dem Bereich der Zeitgenössischen Photographie gehören vier Arbeiten von Peter Beard, darunter ein mit Farbe und Collage-Elementen bearbeitetes Portrait von Andy Warhol, (€ 50.000/70.000) und ein übergroßer Abzug von „Large tusker“ (€ 20.000/30.000). Weiterhin hervorzuheben sind zwei Diasec-Arbeiten von Thomas Ruff, eine künstlerische Auseinandersetzung mit den Bauten von Mies van der Rohe in der Afrikanischen Straße in Berlin- Wedding (€ 22.000/28.000) sowie die Portraitdarstellung einer jungen Frau (€25.000/30.000), außerdem das Portfolio „Aktion in einem Kreis“ von Günter Brus (€ 6.000/8.000) sowie Arbeiten von Robert Mapplethorpe, Hiroshi Sugimoto, Deborah Turbeville u.a.

Franziska Schmidt

Die Sammlung des großen Berliner Zeitungsverlegers Rudolf Mosse (1843-1920) war 1934 die erste, die von den Nationalsozialisten zwangsversteigert wurde. Nach intensiven Verhandlungen wurden jetzt drei Hauptwerke der Sammlung aus deutschen und schweizer Museen an die Erben nach Rudolf Mosse restituiert. Am 1. Juni 2016 werden sie im Berliner Auktionshaus Grisebach versteigert. Es handelt sich um bedeutende Werke der Kunst des 19. Jahrhunderts: Adolph Menzels Pastell „Emilie, die Schwester des Künstlers, in roter Bluse“ (Schätzpreis € 300.000-400.000), Wilhelm Leibls „Bildnis des Appellationsrats Stenglein“ (€ 120.000-150.000) und Ludwig von Hofmanns „Frühlingssturm“ (€ 200.000-300.000), eines der zentralen Bilder des deutschen Jugendstils. 

Schon in den vergangenen Jahren konnte Grisebach wiederholt bedeutende Kunstwerke versteigern, die an die Sammlungen Alfred Sommerguth, Max Liebermann und Hermann Pächter restituiert wurden oder mit dem ausdrücklichen Einverständnis der früheren Eigentümer verkauft wurden. „Wir freuen uns, daß uns die Mosse Erben das Vertrauen geschenkt haben, diese bedeutenden Werke nach ihrer Restitution für sie für den Verkauf vorzubereiten. Wir sind uns der besonderen Verantwortung dabei sehr bewußt“, so Grisebach-Geschäftsführerin Micaela Kapitzky.


Eric Bartko, Sprecher des Mosse Art Restitution Projects: „Es ist sehr deutlich, daß das heutige Berlin die kosmopolitisch, politisch fortschrittliche Hauptstadt einer sozial und politisch fortschrittlichen Nation ist, wie seinerzeit das Berlin, für das sich Rudolf Mosse und Theodor Wolff auf den Seiten des Berliner Tagblatts eingesetzt haben. Das heutige Berlin ist nicht das Berlin, das es unter den Nationalsozialisten war. Die sozial und politisch fortschrittlichen Positionen, die Berlin heute in Europa vertritt, reflektieren die sozial und politisch fortschrittlichen Positionen, die die Mosse Erben verfolgen. Darum ist es für uns auch wichtig, daß diese drei Werke aus der Sammlung von Rudolf Mosse wieder an jenem Ort gezeigt und dann versteigert werden, an dem sie viele Jahrzehnte lang für die Öffentlichkeit zu sehen waren.“

Grisebach präsentiert in seiner Düsseldorfer Repräsentanz Gemälde des Künstlers Bruno Goller (1901-1998). Seine Werke sind ebenso selten wie gefragt. Gollers Frühwerk wurde bei einem Fliegerangriff auf Düsseldorf im Juni 1943 fast vollständig vernichtet. Nachdem er 1949 zum Professor an der Kunstakademie Düsseldorf berufen wurde, blieb ihm kaum Zeit für seine eigene Arbeit. Zeitlebens hat Bruno Goller Veröffentlichungen, Ausstellungen, ja sogar den Verkauf seiner Werke eher verhindert denn gefördert. Umso bemerkenswerter ist es, dass Grisebach dem Künstler eine Einzelausstellung widmet, die zehn herausragende Gemälde aus den Jahren 1948 bis 1975 umfasst.

Der frühe Tod des Vaters hat Goller wesentlich geprägt, da der damals Dreijährige fortan viel Zeit im mütterlichen Ladenlokal im bergischen Gummersbach verbrachte, in dem Kurzwaren und Putzmachermaterial angeboten wurden, Dinge, die sein künstlerisches Schaffen seit den 1920er Jahren bestimmten. 1927 zieht Bruno Goller nach Düsseldorf, wo er Mitglied des „Jungen Rheinland“ wird und die Galeristin und Mäzenin Johanna Ey kennenlernt. Johanna Ey erwirbt einige Werke von Goller, die sie im Schaufenster ihrer Galerie präsentiert.

Der kulturpolitische Druck der Nationalsozialisten erreicht auch Goller, der 1940 zum Kriegsdienst eingezogen und erst 1945 aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft entlassen wird. Erst die Lehrtätigkeit an der Kunstakademie Düsseldorf nimmt Bruno Goller seine wirtschaftlichen Sorgen. Zu seinen Schülern gehörten keine Geringeren als Konrad Klapheck, Gerhard Richter, Blinky Palermo und Konrad Lueg. In den Jahren 1950 und 1951 malt er neben seiner Lehrtätigkeit jeweils nur ein Bild! In den darauffolgenden Jahren durchschnittlich vier Werke. Mit „Zwei Hüte“ von 1956 zeigt Grisebach eines von gerade einmal zehn in diesem Jahr entstanden Bildern, das „Stilleben“ von 1958 ist eines von acht im selben Jahr geschaffenen Werken. Sein noch vor der Etablierung der Pop Art unzeitgemäß erscheinendes Œuvre kann heute als überaus eigenständige künstlerische Position gewertet werden.


Grisebach, Bilker Str. 4-6, 40213 Düsseldorf

Laufzeit der Ausstellung: 08.04.-27.05.2016

Öffnungszeiten: Mo-Fr 10-18 Uhr und nach Vereinbarung

 

Für den großen Expressionismus-Sammler Lothar-Günther Buchheim war er einer der besten Grafiker überhaupt: der Berliner Künstler Max Kaus (1891-1977). Zum 125. Geburtstag am 11. März erscheint nun im Hirmer Verlag das Werkverzeichnis seiner Druckgrafik von Markus Krause. Es umfasst sämtliche Lithografien, Holzschnitte, Radierungen und Siebdrucke von 1917 bis zu den 1970er Jahren und bietet so einen faszinierenden Einblick in das Werk des heute aus dem Blickfeld geratenen, bedeutenden Expressionisten.

Grisebach zeigt aus diesem Anlaß vom 12. März bis 30. April in der Fasanenstraße 25 eine konzentrierte Auswahl von Kaus’ schönsten Lithografien und Radierungen. Zur Druckgrafik kam Max Kaus während des Ersten Weltkriegs durch den ‚Brücke’-Künstler Erich Heckel, mit dem er in Belgien als Sanitäter eingesetzt war. Zurückgekehrt in Berlin, entstand ab 1918 ein umfangreiches Werk von Lithografien, Holzschnitten und Radierungen, mit dem Kaus die Themen Akt in freier Natur, Stadt und Porträt umkreiste. Wegen des experimentellen Charakters seiner druckgrafischen Blätter fand Kaus schon früh große Beachtung. Diese Werke befinden sich heute in zahlreichen Privat- und Museumssammlungen, sind wegen ihrer kleinen Auflagen jedoch nur selten zu sehen.  

Eröffnung der Ausstellung und Buchpräsentation
am 11. März 2016 um 18  Uhr

Max Kaus. Werkverzeichnis der Druckgrafik 320 Seiten, ca. 350 Abbildungen in Farbe Hirmer Verlag, München 2016 ISBN-978-3-7774-2527-6  

Ausstellung ausgewählter Druckgrafik
Berlin, 12. März bis 30. April 2016

Grisebach, Fasanenstraße 25
Mo bis Fr 10 bis 18 Uhr, Sa 11 bis 16 Uhr  

Dr. Markus Krause
T 030 885915 0
markus.krause@grisebach.com

Die Repräsentanz von Grisebach zeigt zum Photo Weekend Düsseldorf 2016 eine Doppelausstellung. Präsentiert werden Michael Wolfs Arbeiten aus seiner viel 
beachteten Serie Tokyo Compression sowie ausgewählte Werke von Seiichi Furuya, die wenige Jahre vor dem Mauerfall in der ehemaligen DDR entstanden sind. Der Ort der Ausstellung ist mit Bedacht gewählt, denn in keiner anderen deutschen Stadt wird die japanische Kultur so authentisch gelebt wie in Düsseldorf. Grisebach vereint zwei ganz unterschiedliche Perspektiven:

Der japanische Künstler Seiichi Furuya reiste 1973 nach seinem Studium am Tokyo College of Photography nach Europa, wo er zunächst in Wien und Graz lebte. Als 34jähriger nahm er 1984 eine Stelle als Dolmetscher in Ostdeutschland an. So hat er die sich in Auflösung befindliche DDR aus seinem persönlichen Blickwinkel dokumentiert und die Situation der Menschen in seinen Aufnahmen festgehalten. Es sind sensible, aber auch zeitgeschichtlich relevante Bilder entstanden, die geprägt sind vom Wechselspiel zwischen Privatem und Öffentlichem, zwischen persönlichem Blick und dokumentarischer Distanz. Furuyas Werk wurde seit 1975 in zahlreichen Einzelausstellungen in Europa und Japan gezeigt (u.a. Albertina, Wien; Fotomuseum Winterthur; mumok, Wien; Tokyo Metropolitan Museum of Photography). Seine Bilder sind in namhaften institutionellen Sammlungen vertreten (u.a. Stedelijk Museum, Amsterdam; MoMA, New York; mumok, Wien; Metropolitan Museum of Art, New York; Tokyo Metropolitan Museum of Photography). Seiichi Furuya ist einer der Mitbegründer und Mitherausgeber der Photozeitschrift „Camera Austria“.

Der deutsche Künstler Michael Wolf, der sich 1994 in Hongkong niedergelassen hat, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Lebenssituation in asiatischen Großstädten. Seine beeindruckende Bildserie „Tokyo Compression“ zeigt Menschen mit ihren alltäglichen Problemen im Berufsverkehr, oft am Rande der Erschöpfung. Das begleitende Photobuch „Tokyo Compression“ ist 2010 zum Photobuch des Jahres gewählt worden. Der an großstädtischen Phänomenen interessierte Photokünstler Michael Wolf hatte vor Beginn seiner freien künstlerischen Arbeit viel Erfahrung als Bildjournalist für Journale wie das ZEIT-Magazin oder den stern gesammelt. Sein Werk ist mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und in vielen internationalen Sammlungen ausgestellt worden (u.a. Metropolitan Museum of Art, New York; Museum Folkwang, Essen; Deutsches Architekturmuseum, Frankfurt). Arbeiten von Michael Wolf befinden sich u.a. in Sammlungen des Metropolitan Museum of Art, New York; The San Jose Museum of Art, California; The Museum of Contemporary Photography, Chicago und im Museum Folkwang, Essen.

Grisebach eröffnet mit dieser Ausstellung einen Dialog zwischen zwei künstlerischen Perspektiven auf das städtische Leben.

Daniel von Schacky
T 0211 8629 2199
daniel.schacky@grisebach.com

Ausstellung
13. Februar–1. April 2016

Bilker Straße 4–6, 40213 Düsseldorf
Eröffnung: Freitag, 12. Februar 2016, 18–21 Uhr
Öffnungszeiten: Mo–Fr von 10–18 Uhr